Abgetragen, re-designed und wieder getragen

Recycling von Kleidung

Recyceln lassen sich nur Plastikflaschen? Stimmt nicht! Das beweist das Veränderungsatelier „Bis es mir vom Leibe fällt“ in den Hackeschen Höfen Berlins, das sich insbesondere auf Kleidungsstücke spezialisiert hat.

Reparieren, Vereinzigartigen, Umgestalten und Wachküssen: Das sind die vier Aufgabenfelder, denen sich die Mitarbeiter des Veränderungsateliers verschrieben haben. Sie sehen dabei die Zufälle, mit denen das Leben die Dinge zeichnet, als Anreiz zur Um- und Anverwandlung, zu gestalterischen Eingriffen, die das Malheur aufheben und nebenbei aus einem Fake oder Massenprodukt ein Original machen: ein persönlich (mit)gestaltetes Einzelstück. Verwendet werden dazu überwiegend bereits getragene, recycelte oder ökologisch produzierte Materialien.

Ausgangpunkt und zentrales Betätigungsfeld ist das Reparieren: Hier wird beschädigte Kleidung instandgesetzt, abgeändert, angepasst oder auch völlig neu gestaltet. Den Schaden begreifen die Mitarbeiter, sowie der Besitzer des Kleidungsstücks, dabei als Anreiz und Gelegenheit zur Veränderung. So wird die Hose zum Rock, der rote Kragen am Hemd verschwindet oder das weiße Shirt wird durch einen witzigen Aufdruck zum Unikat.

Das Vereinzigartigen, oder auch so genannte Upcyceln, wird nochmals als eine Steigerung des Reparierens gesehen. Ungeliebte, abgetragene, fehlerhafte und nicht mehr verwendete Stoff- und Kleidungsstücke werden dabei in Kombination mit anderen Stücken oder Materialien zu einem ganz neuen Kleidungsstück verarbeitet. Auch Bettwäsche oder alte Jutesäcke kommen hier zu ihrem Einsatz.

Neben den für den Kunden angebotene Reparaturen für Kleidungsstücke hält „Bis es mir vom Leibe fällt“ auch bereits fertig redesignte Einzelstücke an. Das Sortiment reicht dabei von Kleidung über Accessoires – wie Manschetten, Mützen, Taschen – bis hin zu Schmuck, bei dem aus recycelten T-Shirt-Stoffen oder gefärbten Orangenschalen ökologische Halsketten entstehen, oder zur Herstellung von Silberschmuck Altstoffe verwendet werden.

Des Weiteren bietet das Veränderungsatelier auch „Do-it-yourself-Tools“ an. So kann man zum Beispiel mit dem Kaltfilz-Werkzeugkasten „Kiss the Moth“ eigenständig Löcher und Flecken in Pullis, Westen, Teppichen, Jacken oder anderen Wollstoffen beheben.

Das letzte Arbeitsfeld „Wachküssen“ stellt die Knutsch-oder Experimentierecke des Ateliers dar. Modestücke aus vergangenen Jahrzehnten werden hier zur Übung und Schärfung der Reparaturmethoden genutzt. Gelungene „Wachküssversuche“ können unter Einbezug ihrer Geschichte, in der Ladenwerkstatt erworben werden – so auch der Spitzenunterrock aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts oder der Fransenpulli aus den 70er Jahren, welcher in eine Tasche verwandelt wurde.

Schließlich können mit dem Modell des innovativen Veränderungsateliers nicht nur Unikate geschaffen und die Kreativität angeregt werden, sondern nebenbei auf einfache Art Ressourcen geschont und die Kunden zum Nachdenken angeregt werden.

Luisa Egenlauf

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