„Naturkapital Deutschland“: der ökonomische Wert von Ökosystemen

Wirtschaftswert der Ökologie
Der wirtschaftliche Wert von Wildbienen ist aufgrund einer effektiveren Bestäubung höher als der von Honigbienen

Die Studie „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ wurde 2012 als deutsche Nachfolgestudie der internationalen TEEB-Studie eingeleitet. Sie sollte den Zusammenhang zwischen den Leistungen der Natur, der Wertschöpfung der Wirtschaft und dem menschlichen Wohlergehen untersuchen. Gestern wurde nun Abschlussbericht der Studie an die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter überreicht. Die Autoren der Studie kommen in dem Bericht zu dem Schluss, dass intakte Ökosysteme für Deutschland einen großen ökonomischen Wert haben. Ihre Beeinträchtigung verursacht demzufolge enorme volkswirtschaftliche Kosten.

Schwarzelühr-Sutter meinte dazu: „Der Schutz von Ökosystemen ist nicht nur wichtig für Arten und Lebensräume, sondern auch für den Menschen und für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Ergebnisse des Projekts ‚Naturkapital Deutschland‘ liefern ökonomische Argumente für wichtige umweltpolitische Projekte: für das geplante ‚Aktionsprogramm Insektenschutz‘, den ‚Masterplan Stadtnatur‘ und für eine ökologischere Ausrichtung der EU-Agrarpolitik.“

Das Ziel der Studie  ist es durch eine ökonomische Perspektive die Potenziale und Leistungen der Natur auf nationaler Ebene konkreter erfassbar und sichtbarer machen. Zudem soll ‚Naturkapital Deutschland‘ Argumente für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und zur Wiederherstellung von degradierten Ökosystemen liefern – als Ergänzung der ethischen und ökologischen Gründe, ohne diese ersetzen zu wollen. Darüber hinaus soll es zur  Flankierung der Umsetzung von Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Biodiversitätszielen, insbesondere der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt dienen.

„Es geht beim TEEB-Ansatz um die Frage: Was bringt Naturschutz ökonomisch? Und wie teuer ist es, auf Naturschutz zu verzichten? Die ökonomische Perspektive soll die Potenziale und Leistungen der Natur sichtbarer machen, damit sie besser in Entscheidungsprozesse einbezogen werden können“, erklärte Studienleiter Professor Dr. Bernd Hansjürgens. „Insbesondere Zahlungen in der Agrarpolitik müssen gezielter an gesellschaftliche Leistungen anknüpfen. Eine konsequente Umschichtung der Subventionen würde in der Landwirtschaft ein erhebliches Potenzial zur Erhaltung von Naturkapital mobilisieren.“

Das „Naturkapital Deutschland“ in Fallbeispielen

Der Abschlussbericht fasst zehn Fallbeispiele zusammen. Diese sollen zeigen, welch vielfältige Ökosystemleistungen die Natur für das menschliche Wohlbefinden, für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und zur Bewältigung verschiedener gesellschaftlicher Herausforderungen bietet.  Gelichzeitig sollen sie verdeutlichen, wie gegenwärtige Entscheidungsfindungsprozesse sowie Regelungs- und Anreizstrukturen nicht immer förderlich sind für die Erhaltung des Naturkapitals und die Realisierung der möglichen Bandbreite an Ökosystemleistungen und damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Vorteilen. Eines der Beispiele bezieht sich auf die sehr aktuelle Thematik des Insektensterbens:

  • Der wirtschaftliche Wert der Produkte, die von Bestäubungsleistungen durch Insekten abhängen, wird in Deutschland auf 1,1 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Allein bei einer ausbleibenden Bestäubung durch Honigbienen würde die Ertragsminderung für einzelne Kulturarten mehr als 90 Prozent betragen. Neue Untersuchungen zeigen, dass Wildbienen meist effektiver bei der Bestäubung sind als die Honigbienen.

Weitere Informationen zu der Studie finden Sie hier.

Quelle:
https://www.bmu.de/pressemitteilung/studie-naturkapital-deutschland-naturerhalt-zahlt-sich-aus/
http://www.ufz.de/teebde/index.php?de=43767