Unsere grausame Herrschaft über die Tiere – Hühner in der Legehennenhaltung

Männlich oder weiblich? Bei Küken entscheidet diese Frage über Leben und Tod.

Die Menschen betrachten sich gerne als überlegene Spezies. Wir glauben, wir beherrschen die Erde. Wir leben so, als würde sie uns allein gehören. Menschen zerstören die Umwelt und verändern das Klima. Und wir scheinen zu denken, die anderen Bewohner dieses Planeten seien nur da, um zu unseren Zwecken ausgenutzt zu werden. Ich glaube, vielen von euch ist gar nicht bewusst, wie grausam und egoistisch wir mit unseren sogenannten „Nutztieren“ umgehen. Daher möchte ich dir das heute zeigen. Im dritten Teil meiner Reihe „ Unsere grausame Herrschaft über die Tiere“  geht es um Legehennen.

Warum auch die Eierproduktion Leid verursacht

Genauer gesagt, es geht um die Produktion von Eiern. Ich könnte dir auch etwas darüber erzählen, wie das Leben eines Huhns zur Fleischproduktion verläuft. Doch wenn du den ersten oder sogar beide meiner vorherigen Teile gelesen hast, weiß du schon, wie ein solches Leben aussieht. Es macht wirklich kaum einen Unterschied, ob wir Schweine, Kühe oder Hühner essen. Wenn du wirklich ein Tierfreund bist, ist deine einzig logische Möglichkeit, den Tieren extremes Leid zu ersparen, völlig auf Fleisch und Milchprodukte zu verzichten. Und auch Eier sollten wir dann nicht kaufen. Warum auch die Eierproduktion voller Leid ist, will ich dir heute zeigen.

So intelligent sind Hühner wirklich

Dazu ist es zunächst einmal wichtig, zu verstehen, wie Hühner die Welt um sich wahrnehmen. Wie bei der blöden Kuh, ist auch unser Sprichwort vom blöden Huhn absolut falsch. Hühner sind so intelligent wie viele Säugetiere. Sie haben ein Ich-Bewusstsein und kommunizieren miteinander. Forscher fanden heraus, dass Hennen ihren Küken schon gewisse Laute beibringen, bevor sie aus dem Ei geschlüpft sind. Hühner haben Träume, empfinden Empathie gegenüber Artgenossen und können glücklich sein. Sie können aber auch Schmerzen empfinden und Leiden. In der Legehennenhaltung besteht ihr Leben fast ausschließlich aus letzteren.

Das Leben der Hühner

Das Leben der Hühner beginnt in einer Brutstätte. Dort lagern tausende Eier. Sie werden den Hennen weggenommen, sobald sie gelegt worden sind. In der Natur würden sie ihre Eier sorgfältig selbst ausbrüten. In der Massentierhaltung ersetzt eine Brutkammer und künstliches Licht die Wärme des Mutterkörpers.  Nach 21 Tagen schlüpfen die Küken. Jetzt entscheidet ihr Geschlecht darüber, ob sie am Leben bleiben, oder am ersten Tag ihres Lebens getötet werden.

Männliche Küken sind wertlose Ware…

Männliche Küken sind in der Legehennenhaltung völlig wertlos. Sie können später keine Eier legen. Außerdem setzen sie nicht so schnell Fleisch an wie Masthühner. Also werden die Küken wie Ware auf lange Förderbänder geschüttet. Arbeiter sortieren die männlichen Küken aus.  Dieser Vorgang wird „Sexen“ genannt. Es gibt sogar  genetisch veränderte Rassen, bei denen die Hähne eine andere Farbe haben als die Hennen. So können die Tiere schnell und zuverlässig nach Geschlecht getrennt werden.

…daher müssen sie sofort nach der Geburt sterben

Nachdem das Sexen beendet ist, transportiert eines dieser Förderbänder die männlichen Küken auf direktem Weg zu einem großen Industrieschredder. Dort werden sie ohne Betäubung und bei vollem Bewusstsein zerstückelt. Nicht alle Küken sterben dabei sofort. Manche der kleinen Tierchen leben noch mehrere Sekunden, während sie von den Klingen schwer verletzt werden. In manchen Brütereien werden die Küken auch mit Kohlendioxid vergast. Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 50 Millionen Küken sofort nach dem Schlüpfen getötet. In der gesamten EU ungefähr sterben 300 Millionen Tiere jährlich. Nur, weil sie das „falsche“ Geschlecht haben.

Weibliche Küken werden verstümmelt

Die weiblichen Küken transportiert eines der Bänder zu einer Maschine, wo ihnen mit einem heißen Messer die Schnäbel abgeschnitten werden. Ebenfalls ohne Betäubung. Der Hauptgrund dafür ist, dass sich die auf engstem Raum eingesperrten Vögel so weniger verletzen. Außerdem fressen solche Hühner weniger, da es ihnen Schmerzen bereitet zu picken. So spart die Brüterei Geld für Futter. Die so „präparierten“ Hennen werden dann in Kisten gepackt und zu Hühnerfarmen transportiert.

Verschiedene Haltungsformen

Hier in Deutschland leben jederzeit etwa 52 Millionen Legehennen für die Eierproduktion auf solchen Farmen. Entweder in sogenannten Kleingruppenkäfigen, bei denen bis zu 60 Tiere zusammen eingesperrt sind. Jeden Tier hat dort etwa 800 Quadratzentimeter zur Verfügung – etwas so viel wie eineinhalb DIN A4 Blätter. Das ist völlig legal. Oder in Bodenhaltung. Dabei werden tausende Hennen in großen Hallen gehalten. Dabei teilen sich neun Hennen einen Quadratmeter Platz. Pro Tier sind das 1,11 Quadratzentimeter. 63 Prozent der deutschen Eier stammen aus dieser Haltungsform.

29 Prozent werden in der Freiland- oder Biohaltung produziert. Freilandhaltung bedeutet dabei nur, die Tiere könnten tagsüber aus den Hallen ins Freie gehen. Da dort aber weder Futter noch Wasser ist, und auch keine natürlichen Verstecke zum Schutz vor Raubtieren, nutzen die Hühner diese Möglichkeit kaum. Bei der Biohaltung  haben die Tiere etwas mehr Platz. Bio bedeutet, es werden sechs anstatt neun Hühner auf einem Quadratmeter gehalten. Für die Tiere macht das allerdings kaum einen Unterschied. Auch Biohaltung kommt einer natürlichen Umgebung in keiner Weise auch nur ähnlich.

Jeden Tag ein Ei? Nicht in der Natur!

Was alle Haltungsformen gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass die Hühner ausschließlich für den Zweck gehalten werden, Eier in großen Mengen zu produzieren. Ursprüngliche Hühner würden in der Natur etwa viermal im Jahr mehrere Eier legen. Insgesamt etwa 15-25 Stück jährlich. Die heute durch Überzüchtung hervorgebrachten Hochleistungshennen dagegen legen fast jeden Tag ein Ei.

Die schlechten Lebensbedingungen und die hohe Eierproduktion verursachen bei den Hühnern schwere Krankheiten. Ihnen fallen die Federn aus, viele von ihnen sterben nach nur wenigen Monaten. Die übrigen Legehennen werden im Alter von etwa 12-18 Monaten als verbraucht betrachtet. Weil ihre Legeleistung abnimmt. Dann werden sie entweder vergast und wie Müll weggeworfen, oder geschlachtet. In der Natur könnten sie etwa zehn Jahre alt werden.

Die Schlachtung „verbrauchter“ Hennen

Die Schlachtung selbst läuft immer ähnlich. Egal ob Schwein, Kuh oder Huhn. Die Hühner werden an den Hinterbeinen an ein Förderband gehängt und zunächst zu einem Wasserbad transportiert. Dieses ist elektrisch geladen. Läuft es so wie geplant, werden die Tiere mit dem Kopf in das Becken getaucht. Die Elektrizität betäubt sie dann. Viele Hühner strecken aber ihren Kopf oder sind zu klein. Sie entgehen dem betäubenden Wasserbad. Anschließend wird allen Hühnern, ob betäubt oder nicht, von einem automatisch betriebenen Messer die Halsschlagader durchtrennt. Eine weitere Methode ist die Betäubung mit Gas. Wie diese abläuft, habe ich ja schon bei der Schweinezucht geschildert.

Nachwort

Wie du siehst, auch die Erzeugung von Eiern und damit alle Produkte, die Ei enthalten, bedeutet für die Tiere ein Leben voller Leid, Angst und Qualen. Genauso wie Schweine, Kühe oder letztendlich alle Tiere in der Nahrungsmittelproduktion immer leiden müssen. Sie müssen ein Leben lang leiden. Nur für unseren Genuss, der gerade mal einige Minuten andauert. Die einzige Möglichkeit, ihnen das zu ersparen, ist solche Produkte nicht mehr zu kaufen. Es gibt genug Alternativen. Kein einziger Grund kann rechtfertigen, was wir Menschen diesen Tieren antun. Wer darüber ernsthaft und unvoreingenommen nachdenkt, der wird auch zu diesem Schluss kommen. Ich werde das Thema aber auch noch einmal im Nachwort zu dieser Reihe aufgreifen.

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