Landwirtschaft: Soforthilfen, aber bitte mit Konsequenzen

Umweltverbände sehen die Notwendigkeit der Soforthilfen für die Landwirtschaft. Sie appellieren jedoch auch an die Bauern, in Zukunft nachhaltiger zu wirtschaften.
Umweltverbände sehen die Notwendigkeit der Soforthilfen für die Landwirtschaft. Sie appellieren jedoch auch an die Bauern, in Zukunft nachhaltiger zu wirtschaften.

Die Hitze in diesem Sommer hat der Landwirtschaft schwer zu schaffen gemacht. Nun beschloss die Bundesregierung Soforthilfen über 340 Millionen Euro für betroffene Bauern.  Umweltverbände stehen hinter der Hilfe, bemängeln allerdings, dass dieser Sommer Konsequenzen nach sich ziehen muss. Landwirte sollen nachhaltiger wirtschaften und auch die nächste Förderungsperiode der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sollte dementsprechende Änderungen aufweisen.

Nicht wenige Landwirte stehen nach diesem Sommer vor dem finanziellen Ruin. Daher sind die Soforthilfen nötig und auch die Umweltverbände stehen dahinter. Allerdings sind sie sich alle einig, dass diese Hilfen nicht die Ursache des Problems lösen. Der Sommer hat gezeigt, dass vor allem die konventionell wirtschaftenden Bauern zu wenig auf solche Extremwetterbedingungen eingerichtet ist. Doch genau das wird immer wichtiger, um in der Landwirtschaft auch in den nächsten Jahren überleben zu können.

Mehr Hochwasser und Trockenheit

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner begründet die Soforthilfen mit einem außergewöhnlichen Wetterereignis von nationalem Ausmaß. „Im Zeitraum April bis Juli 2018 haben wir damit laut dem Deutschen Wetterdienst die bisher höchste Temperaturanomalie seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 erlebt.“ Doch die Zahlen zeigen: es wird von Jahr zu Jahr wärmer. Die letzten vier Jahre gehören allesamt zu den vier wärmsten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnung. 2017 war das wärmste Jahr ohne den Einfluss von El Nino. Mit den Temperaturen steigt auch die Gefahr vor extremer Hitze und Regen. Genau aus diesem Grund fordern Umweltverbände nun Konsequenzen.

„Diese Solidarität ist keine Einbahnstraße.“

Jörg-Andreas Krüger, Leiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland fordert von der Landwirtschaft „die Bereitschaft, sich mit entsprechender Unterstützung nachhaltig aufzustellen und zu reformieren.“ Nur so könne man besser mit solchen Wetterextremen umgehen und das anheizen der Klimakrise durch das eigene Wirtschaften stoppen.

Bundesregierung hat die Möglichkeiten

Auch die Bundesregierung könnte abseits der Soforthilfen dauerhaft den Wandel zu nachhaltigerer Landwirtschaft unterstützen. Jedes Jahr stehen Deutschland rund 4,5 Milliarden Euro an pauschalen Direktzahlungen aus der EU zur Verfügung. Derzeit werden davon 4,5 Prozent zur Förderung einer natur- und umweltfreundlicheren Bewirtschaftung an die Landwirte vergeben. Möglich wären allerdings auch 5 Prozent. Somit ständen den Bauern statt nur 250 Millionen gleich 750 Millionen Euro zur Unterstützung bereit.

Im Zuge der laufenden Verhandlungen zur neuen Förderungsperiode der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) richten sich die Verbände auch an Landwirtschaftsministerin Klöckner. Sie soll sich dort stärker für natur- und klimaverträgliche Landwirtschaft einsetzen. Derzeit werden die Förderungen zum Großteil nach Flächenbesitz verteilt und noch nicht nach klimafreundlicher Bewirtschaftung. Die neue Förderungsperiode ab 2021 soll daher stärker naturverträgliche Landwirtschaft stärken. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger: „Die pauschalen Flächenprämien müssen abgeschafft und umweltfreundliche Betriebe unterstützt werden.“

Landwirtschaft kann für uns alle teuer werden

Sollten die Landwirte sich auf ihren Soforthilfen ausruhen und nicht nachhaltigeren Anbau investieren, werden sie auch die nächsten Extremwetterlagen heftig treffen. Keine Bewirtschaftung kann ein solches Wetter unbeschadet überstehen. Der richtige Anbau kann jedoch helfen, diese Zeiten besser zu überstehen und den Schaden in geringerem Rahmen zu halten. „Für Bund und Steuerzahler wächst das Risiko, Milliarden-Hilfen bereitstellen zu müssen“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Sollte sich nichts in der Landwirtschaft ändern, könne man nicht vermeiden, dass Ernte-Einbußen künftig erneut unsere Steuergelder ausgleichen müssen. Jörg-Andreas Krüger, Leiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland fasst das ganze Szenario in einem Satz zusammen:

„Wenn wir jetzt nicht handeln wird es in Zukunft noch teurer.“

 

Quellen: BMELBUNDNABUWWF