WWF: Burnout für die Erde

Klimawandel bedroht Existenzgrundlagen

Der Living Planet Report 2014 des WWF hält uns die Dramatik der Situation unseres Planeten erneut vor Augen: Wir vernichten unsere natürlichen Ressourcen in atemberaubendem Tempo. Jedes Jahr verbrauchen wir 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde innerhalb dieses Zeitraums regenerieren und damit nachhaltig  zur Verfügung stellen kann. Auch in Deutschland ist der ökologische Fußabdruck immer noch viel zu hoch. Der WWF führt in seinem Bericht jedoch auch Strategien für eine nachhaltigere Entwicklung und Tipps für Verbraucher auf.

Der Living Planet Report misst die Veränderungen der weltweiten Biodiversität und des menschlichen Konsums. Die Studie wird alle zwei Jahre vom WWF gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) und dem Global Footprint Network (GFN) erstellt. Neben einer ausführlichen Bestandsaufnahme führt sie außerdem aus, was sich in Politik und individueller Lebensführung ändern muss, um die Ressourcen der Erde auch für zukünftige Generationen zu sichern. Schwerpunktthemen des Reports sind vor allem die Messung des ökologischen Fußabdrucks in globalem Maßstab als auch auf Länderebene, die Entwicklung der Biodiversität und der Klimawandel selbst.

Die Zahlen dazu sind dramatisch: Jedes Jahr verbrauchen wir 50 Prozent mehr Ressourcen, als überhaupt regeneriert werden können. Momentan bräuchten wir 1,5 Erden, um unseren Verbrauch decken zu können. Laut WWF werden 2030 bereits zwei Erden notwendig sein, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken, wenn sich keine Veränderung bei der Ressourcennutzung abzeichnet. Anhand der zehn im Report festgelegten Belastungsgrenzen, in deren Rahmen eine Stabilität der Erde und ihrer Lebensräume definiert wird, wird der kritische Zustand unseres Planeten erkennbar: Drei der Felder – Biodiversität, Stickstoffkreislauf und Klimawandel – haben die Sicherheitsgrenze bereits deutlich überschritten. Auch bei den Feldern Ozeanübersäuerung, Phosphorkreislauf und Landnutzung werden schon gefährliche Werte erreicht. Die Folgen des Raubbaus, unter anderem Hungersnöte, Artensterben und extreme Wetterkatastrophen, erreichen uns bereits heute mit immer extremeren Ausschlägen.  

Dramatische Werte: Biodiversitätsverlust, Stickstoffkreislauf und der Klimawandel
Speziell um die Biodiversität war es noch sie so schlecht bestellt wie heute. So hat es in den vergangenen 40 Jahren einen Rückgang der Tierpopulation um 52 Prozent gegeben – also eine Halbierung der Anzahl an Tieren. Vor allem die Vielfalt der tropischen Tier- und Pflanzenarten verringert sich deutlich. Einen besonders hohen Verlust erlitt Lateinamerika mit einer Verringerung der Biodiversität um 83 Prozent. Hauptursachen für das Phänomen als solches sind die Zerstörung von Lebensräumen und Ökosystemen, die Wilderei und die übermäßige Dezimierung des Fischbestandes.

Kritisch ist auch der zunehmende Stickstoffüberschuss: Stickstoff ist ein elementarer chemischer Baustein für alle Lebewesen, der durch synthetische Prozesse in künstlichen Stickstoffdünger umgewandelt wird, um in der Landwirtschaft hohe Erträge bei guter Qualität zu erzielen. Allerdings wird heute mehr Stickstoff umgewandelt als nötig; es wird also mehr Dünger aufgetragen als von den Pflanzen entzogen wird. Der Überschuss an Stickstoff gelangt somit in Böden, Gewässer und in die Atmosphäre. Die Überdüngung, unbehandeltes Siedlungswasser und die Auswaschung aus Agrarflächen zählen zu den Hauptursachen für den Stickstoffüberschuss. Nebenbei spielt die Verbrennung von Erdöl, Erdgas und Kohle eine weitere Rolle der Stickstoffverseuchung unserer Umwelt, da dabei Lachgas entsteht, welches ein Treibhausgas ist und 200-mal stärker wirkt als CO2.

Über den Klimawandel wird viel diskutiert und gestritten – und auch hier überschreiten die Werte die Belastungsgrenze: Schon letztes Jahr wurde eine Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre von mehr als 400 parts per million (ppm) gemessen – bisheriger Rekord. Derart hohe Werte, wie der zuletzt registrierte, führen zu einem Temperaturanstieg, der gravierende Folgen für natürliche Lebensbedingungen und Ressourcen der einzelnen Länder und damit für das Leben der Menschen bedeutet. Sowohl die Wasser- als auch die Nahrungsmittelversorgung werden stark vom Klimawandel beeinflusst.  Um die globale Erwärmung abzubremsen, müssten die die Treibhausgasemissionen schnellstmöglich deutlich gesenkt werden.

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Ökologischer Fußabdruck: Platz 25 für Deutschland
Neben dem Status der natürlichen Ressourcen und einzelnen Phänomenen geht der Living Planet Report 2014 auch auf die Entwicklung verschiedener Regionen ein. Beim Ländervergleich zum ökologischen Fußabdruck belegt Deutschland einen beschämenden Platz 25 mit einem Verbrauch von 4,56 globalen Hektar pro Kopf. Zum Vergleich: Kuweit nimmt mit über 10 globalen Hektar pro Person Platz 1 ein; Ghana hingegen liegt nur knapp über der Biokapazität und belegt Platz 88. Als Biokapazität wird die biologisch produktive Landfläche bezeichnet, die zur Bereitstellung unserer Ressourcen erforderlich ist. Deutschland agiert hier alles andere als nachhaltig: Verglichen mit der Biokapazität, die Deutschland zur Verfügung steht, verbraucht es mehr als doppelt so viele Ressourcen.

Der WWF empfiehlt für Deutschland  insbesondere Maßnahmen  für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und im Verkehrswesen – und mahnt auch Bemühungen für ein Gelingen der Energiewende an.  „Man beobachtet in der Welt sehr genau, wie wir hierzulande als eine führende Industrie- und Exportnation die Energiewende umsetzen“, erklärt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. „Wenn wir diese Herausforderung erfolgreich stemmen, hat das weltweite Signalwirkung.“
Die komplette Studie finden Sie unter http://www.wwf.de/livingplanetreport2014  

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