Was gibt es denn da zu lachen? Teil 1

Was gibt es denn da zu lachen

Die Ausmasse eines uneingeschränkten Klimawandels sind unvorstellbar. Die Dringlichkeit effektiver Aktionen größer als nie zuvor. Die Passivität vieler Menschen unverständlich. Die ewigen Diskussionen Nerven-aufreibend. Immer mehr frage ich mich, was wir bei der Kommunikation falsch machen, was wir bisher übersehen haben.

Dabei stiess ich auf ein Buch „Nach mir die Sintflut“, herausgegeben von der Sächsischen Zeitung, in dem Cartoons zum selbigen Thema abgebildet sind. Noch nie habe ich so sehr über den Klimawandel lachen können. Fehlt uns vielleicht der Humor, um den Klimawandel effektiv zu kommunizieren? Ich fragte einige der – meiner Meinung nach – besten CartoonistInnen.

Hier die erste Antwort von Julia Drinnenberg, die seit  21 Jahren als Komikzeichnerin und Illustratorin in Nordhessen arbeitet. Ihre Karikatur „Die Welle“ hat es mir besonders angetan.

Frau Drinnenberg, Sie arbeiten nun schon seit 21 Jahren als Komikzeichnerin – was motiviert Sie dabei am meisten?
Zunächst Hilflose Wut, die sich eine Ausdrucksmöglichkeit sucht. Übertreibung und Überspitzung wird damit für mich zum Überlebensprinzip. Aber auch: Spaß am „Menschlichen“, reine Lebensfreude und Freude am Zeichnen.

Was hat Sie dazu motiviert, „Die Welle“ zu zeichnen?
Das Thema „Nach uns die Sintflut“ und die Beobachtung, dass gerade die junge Generation überhaupt nicht realisiert, dass die eigenen Lebensgewohnheiten zu überdenken sind.

Durch welche Informationen werden die Menschen, Ihrer Meinung nach, am effektivsten und langwierigsten aufgerüttelt?
Durch Informationen, die sie sehr persönlich und besonders ihren Geldbeutel betreffen. Wichtig wäre auch, dass über den Klimawandel kontinuierlich informiert wird – sonst wird er zu einem flüchtigen Medienthema unter vielen.

Wir befinden uns heute – wie in Ihrem Cartoon dargestellt – tatsächlich kurz vor einem Umbruch, entweder positiver oder sehr negativer Art. Entweder schaffen wir einen schnellen Übergang zu erneuerbaren Energien und zu Klimagerechtigkeit, oder wir erreichen möglicherweise Kipp-Punkte, die unumkehrbar sind. Und diese wären besonders auf Kosten der Menschen, die den Klimawandel nicht verursacht haben. Warum sind – Ihrer Meinung nach – viele Menschen weiterhin nicht oder nur geringfügig aktiv am Klimaschutz beteiligt?
Gründe sind wohl Lebenskonzepte und Werte, die vom Kapitalismus geprägt sind und das mangelnde Bewusstsein, dass das Leben ohne noch schnellere Autos, ohne Massentourismus, usw… viel reicher wird.

Fehlt uns vielleicht der Humor, um den Klimawandel effektiv zu kommunizieren?
Schwer zu beantworten. Meinen Sie sich selbst und die aktiven Klimakämpfer mit „uns“?
Wenn ja, dann würde ein bissiger Humor oft sicher besser wirken als viele ernste Worte eines verbissenen „Predigers“.

Was, denken Sie, könnte Ihre Arbeit, und die Ihrer Kollegen, noch effektiver machen, um einen positiven Umschwung zu erreichen?
Wir Karikaturisten können gar nichts ausrichten. Bestenfalls kann eine gute Karikatur bei dem ein- oder anderen Bewußtwerdungs-Prozess nochmal einen ordentlichen Kick geben.

Maiken Winter

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