Vereinbarung zum Schutz des Regenwalds läuft aus

Schutz des Regenwalds
Großflächige Entforstung des Regenwaldes

Es diente bislang als wirksamer Schutz vor der Abholzung des brasilianischen Regenwalds zur Schaffung von Anbaufläche. Die Rede ist vom sogenannten Soja-Moratorium. Bei diesem Abkommen verpflichteten sich die führenden Sojaexporteure und der mächtige Verband der brasilianischen Ölsaatenhändler Abiove (unter anderem auch Maggi) im Jahr 2006, auf Druck von Umweltorganisationen wie Greenpeace und dem World Wildlife Fund (WWF), Soja nicht zu erwerben, wenn es auf frisch gerodeten Regenwaldflächen angebaut wurde. Doch im Mai 2016 läuft das Moratorium nach mehrfacher Verlängerung nun endgültig aus. Umweltorganisationen schlagen Alarm, denn dann droht riesigen Gebieten der „grünen Lunge“ der Erde erneut die Vernichtung.

Soja wird überall auf der Welt vor allem als Tierfutter, aber auch in der Lebensmittelproduktion benötigt. Ein großer Teil davon stammt aus Brasilien. Die Hälfte des 2012 nach Deutschland importierten Soja kam aus dem Land am Zuckerhut. Das Moratorium war bislang ein wirksamer Schutz vor legaler sowie illegaler Rodung der Regenwaldes. Die Einhaltung der Vereinbarung wurde unter anderem durch Satelliten überwacht und Farmer konnten ihr entgegen den Vereinbarungen im Moratorium angebautes Soja wesentlich schlechter verkaufen. Diese Maßnahmen schreckten offenkundig ab. Nur noch ungefähr ein Prozent der neu geschaffenen Flächen zum Sojaanbau entstanden seit dem Inkrafttreten auf frisch gerodetem Regenwald. Die Abholzung ging zwischen 2006 und 2012 nach Angaben der brasilianischen Regierung von 14.286 Quadratkilometer auf ein Rekordtief von 4.571 Quadratkilometer zurück.

Seit 2013 allerdings wird wieder deutlich mehr (28 Prozent) Regenwald entforstet. Sollte das Moratorium im Mai 2016 endgültig nicht mehr verlängert werden, was momentan als sehr wahrscheinlich gilt, könnten der Sojaindustrie jährlich viele Millionen Hektar zum Opfer fallen. Mehr als zwei Millionen Hektar pro Jahr dürften Grundbesitzer dann sogar legal in Anbaufläche verwandeln. Der größte Teil des ungeschützten Regenwaldes, der sich zum Sojaanbau eignen würde, droht allerdings durch illegale Rodung zerstört zu werden. Ein Sprecher von Greenpeace sagte dazu, da es dann weit weniger Kontrollen gäbe, werde es nach Ende des Moratoriums mit Sicherheit zu neuen Rodungen kommen, denn Soja sei der große Geldgeber der brasilianischen Wirtschaft.

Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler fordern daher dringend, das Moratorium über das Jahr 2016 hinaus möglichst dauerhaft zu verlängern und außerdem auch die brasilianische Savannenregion (Cerrados) in das Abkommen mitaufzunehmen. Denn bislang seien die brasilianischen Behörden noch nicht in der Lage, den Regenwald über das Moratorium hinaus in Eigenregie zu schützen. In der Zeitschrift „Science“ veröffentlichten US-Forscher der Universität in Wisconsin deshalb einen Aufruf. Sie schrieben, wichtig sei eine langfristige Vereinbarung zum Schutz des Regenwaldes vor der  Rodung zum Sojaanbau, denn die staatliche Überwachung der mehr als 550 Millionen Hektar könne das Moratorium sicherlich nicht ersetzen.

Das brasilianische Umweltministerium hat sich bisher nicht zum Ablauf des Moratoriums geäußert. Durch das offizielle Programm zum Schutz des Regenwaldes hat sich die Regierung jedoch verpflichtet, bis 2020 die Entwaldung im Amazonas um 80 Prozent zu verringern. Ob das auch ohne ein langfristiges Moratorium gelingen kann, ist mehr als fraglich.

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