Um die Eisbären steht es schlecht

US Geological Survey, Eisbären
Auswirkungen des Klimawandels

Bereits Ende 2015 hatte die International Union for the Conservation of Nature IUCN in einer Studie herausgefunden, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für Eisbären ist. Eine neue Studie von US Geological Survey und Santa Cruz, zuletzt veröffentlicht in Science (Pagano et al.), bestätigt diese Annahme und geht davon aus, dass Eisbären in noch größerer Gefahr sind, als bislang angenommen. Woran liegt das?

Die wichtigste Nahrungsquelle für Eisbären sind Seehunde. Deren natürlicher Lebensraum ist das See-Eis, ebenso wie das der Eisbären. Durch den Klimawandel erhitzen sich vor allem die Pole der Erde, das Eis schmilzt und die Lebensräume der Eisbären und Seehunde gehen verloren. Arten, die auf das Eis angewiesen sind, haben folglich immer weniger  Lebensraum.

Bereits in der IUCN-Studie 2015 wurde von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“ gesprochen, dass die weltweit 26,000 starke Eisbärenpopulation bis 2050 um 30% zurückgehen wird. Hinzu kommt, dass das Eis noch schneller zurückgeht, als von Klimamodellen ursprünglich vorhergesehen wurde. Die Erwärmung an den Eiskappen nicht nur für ikonische Arten, wie den Eisbären, eine Bedrohung, so der IUCN Director General Inger Anderson. Die Auswirkungen des Klimawandels bilden eine neue Bedrohung für viele Arten unserer Erde.

US Geological Survey und Santa Cruz

In der neuen Science Studie haben US Geological Survey und Santa Cruz neun Eisbähren drei Jahre lang beobachtet. Dabei fanden sie heraus, dass die Bären mindestens einen erwachsenen Seehund oder drei Jungtiere erlegen mussten, um ihren Nahrungsbedarf für 10 Tage zu decken. Fünf der neun Eisbären waren dazu nicht mehr in der Lage. Innerhalb von zehn Tagen konnten Eisbären folglich bis zu 20 Kilogramm Körpergewicht verlieren.

Anthony Pagano, ein Biologe des US Geological Survey, erklärt: „Wir entdeckten bei den Eisbären einen Fest- oder Hungersnot Lifestyle – sobald sie nicht dazu in der Lage waren, einen Seehund zu erlegen, hatte es einen dramatischen Effekt auf sie.“ Er fügt hinzu: „Wir waren überrascht, so große Veränderungen des Körpergewichts zu beobachten. Vor allem geschah dies zu einem Zeitpunkt, wenn die Eisbären eigentlich Masse zulegen sollten, um sich durch das Jahr zu bringen. Diese und weitere Studien suggerieren, dass die Bären nicht mehr dazu in der Lage sind, ihren Bedarf zu decken, wie es einst möglich war.“

Wie wurden die Eisbären untersucht?

Paganos Team untersuchte die Bären im April über drei Jahre hinweg von 2014 bis 2016 in der Beaufortsee bei Alaska. Die Bären trugen GPS-Halsbänder und Videokameras, um den Beschäftigungsgrad zu messen. Auch das Blut wurde untersucht. Früher war man der Ansicht, dass die Bären relativ wenig Energie benötigen, da sie die meiste Zeit des Jagens damit verbringen, in Eishölen zu sitzen und auf aus dem Wasser auftauchende Seehunde zu warten. Doch Paganos Team kam zu dem Schluss, dass die Bären durchschnittlich einen 50% höheren Stoffwechsel haben, als bisher angenommen.

Welche Folgen entstehen für die Bären?

Der Klimawandel könnte für unsere Eisbewohner der Erde folglich schlimmere Folgen haben, als erwartet. Die Arktis erwärmt sich zweimal schneller als der globale Durchschnitt. Folglich werden immer mehr Eisbären dazu gezwungen, auf das Land zurückzukehren und dort beispielsweise in Mülleimern nach Fressbarem zu suchen. Das erhöht auch die Konfliktzahl mit Einwohnern in entlegenen Dörfern.

Quellen:
Science
International Union for Conservation of Nature
The Guardian