The Age of Stupid – und wir tun immer noch nichts?

Der Film zeigt die Fehler von heute in der Retrospektive

Der Film ist zwar bereits fünf Jahre alt – doch die Thematik ist nach wie vor hochaktuell: In „The Age of Stupid – warum tun wir nichts“ (zu Deutsch: „Das Zeitalter der Dummheit“) fragt sich der letzte überlebende Mensch im Jahr 2055, warum die Menschheit den Klimawandel nicht aufgehalten hat, als noch die Möglichkeit dazu bestand.

Der einsam in einer völlig zerstörten Welt lebende Mann – dargestellt von dem Oscar–nominierten Schauspieler Pete Postlethwaite – betrachtet Archivmaterial aus dem Jahre 2008. Anhand von sechs Einzelschicksalen, Nachrichten und anschaulichen Animationsfilmen kommentiert er rückblickend die Ereignisse, welche dazu geführt haben, dass der Mensch seinen eigenen Lebensraum zerstört hat. 

Zu den Erzählsträngen gehört zum einen der indische Einzelunternehmer Jeh Wadia, der es sich zum Ziel gesetzt hat, nun die dritte Billigfluggesellschaft in Indien an den Start zu bringen. Mit Preisen von weniger als einem Euro pro Flug soll sich jeder Inder zukünftig in den Flieger setzen können. Für die Vermeidung der dabei entstehenden Treibhausgase sieht er nicht sein Unternehmen oder die Wirtschaft in der Verantwortung, sondern den Einzelnen.The Age of Stupid 3631455143 ee3e8ae226 b

Dass jedoch gerade die Unternehmen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten müssen, zeigt das Beispiel von Layefa Malemi, einer Medizinstudentin aus Nigeria. Sie lebt in einer für den Ölkonzern Shell profitablen Region, die mittlerweile aufgrund der Umweltverschmutzung kaum mehr bewohnbar ist. Versprochene Gemeindeentwicklungsprojekte wurden nie vollendet, Profiteur von dem Geschäft mit Shell ist lediglich die korrupte Regierung Nigerias, während den Bewohnern nur noch dreckiges Trinkwasser bleibt.

Fazit:
Die Verknüpfung der Einzelschicksale bzw. zwischen den Sequenzen gelingt nur bedingt. Die eingeschobenen Animationssequenzen lockern die Ernsthaftigkeit der Thematik zwar auf, treffen jedoch nicht jedermanns Geschmack.

Das Besondere an dem Film: Während der Dreharbeiten protokollierte und kontrollierte die Regisseurin Franny Armstrong den CO2-Ausstoß des Films. Über den Zeitraum der 5-jährigen Dreharbeiten wurden schließlich 94,270 kg CO2 ausgestoßen. Dies entspricht ungefähr dem Verbrauch von 8 britischen Bürgern/Jahr, dem Verbrauch von 4 amerikanischen Bürgern/Jahr oder dem Verbrauch von 1.000 tansanischen Bürgern/Jahr. 

Damit macht der Film auch noch auf eine andere Problematik in Sachen Klimaschutz aufmerksam: Wir sind uns oftmals gar nicht bewusst, welche Mengen CO2 zum einen tagtäglich auch außerhalb unseres Alltags ausgestoßen, zum anderen durch unser gewohntes Konsumverhalten verursacht werden.

Fragen, die der Dokumentarfilm 2010 stellte: „Warum unternehmen die Menschen nichts gegen den Klimawandel? Wann wird nicht mehr nur über nachhaltige Politik diskutiert, sondern tatsächlich ein verbindliches und gerechtes Weltklima-Abkommen unterzeichnet?“ sind noch heute offen. Doch der anhaltende Trend zu nachhaltigen Lebensformen – wie Pedelecs, Car Sharing oder einer vegetarischen bis veganen Lebensform – lässt hoffen.

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