Klimawandel verändert europaweiten Strombedarf

Auf Grund des Klimawandels steigen die Temperaturen und dadurch auch unser Strombedarf
Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen und als Folge daraus auch unser Strombedarf

Wenn es draußen kalt ist, machen wir die Heizung an. Wenn es draußen heiß ist, machen wir die Klimaanlage an. In beiden Fällen wird Strom verbraucht. Eine neue Studie hat diesen Strombedarf untersucht: dazu wurden 35 europäische Länder des weltgrößten synchronen Elektrizitätsnetzes beobachtet. Die Forscher wollten ermitteln, wie sich der Klimawandel auf die Intensität von Spitzenlasten und Elektrizitätsverbrauch insgesamt auswirkt. Das Ergebnis: zusammen mit dem Klimawandel wird sich unser europäischer Strombedarf rundum wandeln.

Das Ausgleichen der Innentemperatur zur Außentemperatur ist nichts, das nur wir Deutschen gerne machen. Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus Deutschland und den USA kam zu dem Ergebnis, dass „die Reaktion auf Temperaturveränderungen beim Elektrizitätsverbrauch quer durch Europa ähnlich ausfällt“, so Leonie Wenz. Sie arbeitet am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und ist die Leitautorin der neuen Studie. „Tagesspitzenlast und Gesamtverbrauch sind offensichtlich immer dann am kleinsten, wenn die maximale Tagestemperatur bei etwa 22°C liegt, und beide nehmen zu, wenn diese entweder steigt oder fällt.“ Zu diesem Ergebnis kamen die Wissenschaftler durch Beobachtung von 35 Ländern bezüglich ihrer stündlichen Elektrizitätsdaten.

Diese erste Erkenntnis konnte anschließend als Basis genutzt werden, um ungefähr vorherzusagen, wie sich unser Elektrizitätsbedarf durch den Klimawandel verändern wird. Dank des ähnlichen Verhaltens im Temperaturausgleich können Länder mit bereits höheren Temperaturen als Muster für derzeit noch kühlere Länder dienen. Bei dieser Prognose ist zwar zu erkennen, dass sich der Strombedarf in Europa durch den Klimawandel zwar nicht gravierend verändert, sich aber die räumliche und zeitliche Nutzung stark verlagern wird. So wird der Spitzenbedarf in Zukunft von Ländern wie Norwegen oder Schweden in südlichere Länder wie Spanien oder Portugal wandern. Aufs Jahr gesehen wird sich die Spitzenlast dabei vom Winter in den Sommer verschieben.

Strombedarf steigt

Anders Levermann, von der Columbia Universität und ebenfalls am PIK, erklärt als Ko-Autor der Studie den Anstieg des Strombedarfs folgendermaßen: „Noch vor wenigen Jahrzehnten hatte kein Auto in Europa eine Klimaanlage, heute hat es fast jedes – die gleiche Entwicklung wird es wohl auch für Gebäude in Europa geben, aber nicht aus Gründen der Bequemlichkeit, sondern aus Notwendigkeit.“ Max Auffhammer, von der Universität von Kalifornien, Berkeley, erklärt diese Notwenigkeit so: „Wie Hitze und menschliches Verhalten zusammenhängen, das ist Pionierforschung. Vieles weist mittlerweile darauf hin, dass die Luftqualität leidet, wenn es draußen heiß ist, Menschen gestresster, aggressiver und weniger produktiv sind, und Sterblichkeits- und Kriminalitätsraten ansteigen“ Weiter: „Der wichtigste verfügbare Mechanismus zur Anpassung an hohe Außentemperaturen sind gekühlte Innenräume, was in den meisten Fällen viel Elektrizität erfordert.“

Die daraus resultierende Verlagerung des Spitzenbedarfs stellt Europa damit vor eine große Herausforderung. Denn die Elektrizitätsinfrastruktur, der Ausbau von Spitzenkapazitäten und Anforderungen an Speicher müssen an diesen Wandel angepasst werden. Dies ist sehr teuer und ebenso aufwändig. Das einzige, was dieses Prozedere jetzt noch eindämmen könnte, wäre das Erreichen der Klimaziele des Pariser Klimaschutzabkommens.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung