Sonderbericht des IPCC: Klimawandel bedroht die Ernährungssicherheit

Die Menschheit muss die Landwirtschaft nachhaltiger gestalten, mahnt der IPCC in seinem aktuellen Bericht.

Der Weltklimarat (IPCC) hat vergangene Woche seinen Sonderbericht zu Klimawandel und Landnutzung veröffentlicht. Die Kernfrage war, wie die Menschheit in Zukunft trotz Erderwärmung weiter ernährt werden kann. In dem Bericht ruft der Weltklimarat dazu auf, unseren Konsum und unser Verhalten  zu ändern. So könnte die Erderwärmung abgeschwächt werden und wir uns besser daran anpassen. Doch das Zeitfenster schließt sich. Ist unsere Ernährungssicherheit irgendwann nicht mehr sichergestellt?

Das Klimaschutzziel des Pariser Klimaabkommens wird bei derzeitigem Kurs deutlich verfehlt. Bei dem Abkommen haben sich die 197 unterzeichnenden Nationen dazu verpflichtet, durch freiwillige Klimaschutzmaßnahmen die globale Erwärmung auf 1,5 bis maximal zwei Grad zu beschränken. Doch die wenigen Maßnahmen, die bisher von den Unterzeichner angekündigt wurden, reichen dazu bei weitem nicht aus. Wahrscheinlicher ist aktuell eine Erwärmung von drei bis vier Grad.

1,5 Grad-Ziel nicht mehr machbar?

In seinem letzten Bericht schrieb der IPCC, dass das 1,5 Grad-Ziel noch zu schaffen wäre. Aber nur, wenn wir die Emissionen schnell und drastisch reduzieren. Das war vor knapp einem Jahr. Wirklich passiert ist seither nichts. Im Gegenteil: Weltweit sind die Emissionen 2018 um weitere 2,7 Prozent gestiegen. Das wird sich auch dieses Jahr nicht ändern. Von einem Kurswechsel ist weit und breit nichts zu sehen.

Klimawandel bedroht die Ernährungssicherheit

Am vergangenen Donnerstag hat der Weltklimarat den neuesten Bericht veröffentlicht. Dabei geht es um die Folgen des Klimawandels auf die Landflächen. Die Kernfrage des Berichts: Wie kann die Menschheit die Versorgung mit Nahrungsmitteln in Zukunft trotz Klimawandel sicherstellen?

In dem Bericht warnt der IPCC, die Ernährungssicherheit der Menschen werde durch die Erderwärmung zunehmend bedroht. Gleichzeitig mahnt der IPCC: Wir fachen mit unserem Konsumverhalten die globale Erwärmung weiter an.

Folgen der Erderwärmung auf die Landwirtschaft

Durch die Erderwärmung wird es immer häufiger zu extremen Wetterereignissen kommen. Hitzewellen und Dürren, Starkregen und Überschwemmungen werden einerseits die Ernten verringern und gleichzeitig Ackerflächen zunehmend unfruchtbar machen. Wissenschaftler sprechen hier von Landdegradierung. Rund 25 Prozent der eisfreien Flächen weltweit seien heute schon davon betroffen.

Konsumverhalten verstärkt den Klimawandel

Die Menschen konsumieren zu viel und zu wenig nachhaltig. Wir produzieren heute pro-Kopf etwa ein Drittel mehr Kalorien und essen doppelt soviel Fleisch wie noch 1961. Von den erzeugten Lebensmitteln werfen wir durchschnittlich 25-30 Prozent weg. Das führt dazu, dass rund zwei Milliarden Erwachsene auf der Welt übergewichtig sind, gleichzeitig aber immer noch rund 820 Millionen Menschen an Unterernährung leiden.

80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche benötigen wir für die Tierproduktion. Tierische Produkte gehören mit zu den Hauptursachen von Treibhausgasen. Alexander Popp vom IPCC sagte, die Menschheit müsse zum Prinzip des Sonntagsbraten zurück. Eine Umstellung zu einer größtenteils pflanzlichen Ernährung würde zu deutlich weniger Treibhausgasemissionen führen. Eine Studie hat gezeigt, dass sich die durch Landnutzungsänderung entstehenden Kohlenstoffemissionen um fast 80 Prozent verringern ließen, wenn die Menschen ihre Ernährung auf einen Anteil von nur 15 Prozent tierischer Kalorien umstellen würde.

Das Fazit des IPCC:

Die Menschen müssten dringend ihr Verhalten ändern, mahnen uns die Forscher in ihrem Bericht. Wir müssen unsere Flächen nachhaltiger nutzen und die Umwelt besser schützen. Wir müssen die Wälder vor Abholzung bewahren und bereits beschädigte Flächen renaturieren. Und wir müssen unseren Konsum einschränken – vor allem den Fleischkonsum.

Der Klimawandel wirkt sich schon heute auf die weltweite Nahrungsmittelsicherheit aus. Die Durchschnittstemperatur an Land hat sich dem Bericht zufolge schon heute um 1,53 Grad erhöht (gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter). Die Forscher schreiben, durch Änderungen unserer Ernährung könnten wir die Erderwärmung abschwächen und uns an die Folgen besser anpassen. Sie haben in ihrem letzten Bericht auch geschrieben, wir können das 1,5 Grad-Ziel noch erreichen, wenn wir unsere Emissionen drastisch reduzieren. Tatsächlich etwas geändert hat sich allerdings nicht.

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