Schwächer werdender Golfstrom verursacht Stürme

Golfstrom NASA Watching Atlantic

Bereits Anfang der 1970er Jahre wies der amerikanische Meteorologe Edward N. Lorenz in einem Vortrag mit dem Titel „Vorhersagbarkeit: Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ auf die Fragilität des Klimasystems unserer Erde hin.

Schon geringfügige Änderungen können schwerwiegende Folgen für das Gesamtgefüge haben und zu völlig neuen klimatischen Bedingungen führen. Einem Team aus Meteorologen ist es nun gelungen, einen Zusammenhang zwischen dem immer schwächer werdenden Golfstrom und zunehmenden Tiefdruckgebieten über Europa und dem östlichen Nordatlantik nachzuweisen.

Im Rahmen ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler 22 Klimamodelle des International Panel for Climate Change (IPCC) und entdeckten dabei, dass die Intensität von Stürmen über dem östlichen Nordatlantik umso mehr zunimmt, je schwächer die warmen Meeresströmungen werden. Diese Erkenntnis deckt sich sehr gut mit der Annahme vieler Klimaforscher, dass sich extreme Sturmereignisse bis zum Ende des Jahrhunderts häufen werden.

Eindeutige Zusammenhänge entdeckt

Joaquim Pinto vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln freut insbesondere die Eindeutigkeit der Untersuchungsergebnisse, die er nun gemeinsam mit seinen Kollegen Tim Woollings, Jonathan Gregory und David Brayshaw der Universität Reading in dem Wissenschaftsmagazin Nature Geoscience veröffentlichte: „Wir haben bereits vermutet, dass es einen Zusammenhang geben müsste. Dass dieser aber so deutlich ist, hat uns sehr gefreut.“

Wie umfassend sich die Veränderungen im Golfstrom auf das gehäufte Auftreten von Stürmen auswirken, hat aber dann auch die Studienautoren überrascht. So konnte ein größtenteils linearer Zusammenhang „nicht nur für ein Modell, sondern für das gesamte Ensemble der Modelle des IPCC“ nachgewiesen werden, was laut Pinto „so nicht zu erwarten war“.

Trotz aller Übereinstimmungen weichen die Details der Ergebnisse allerdings teilweise so stark voneinander ab, dass Pinto und seine englischen Forscherkollegen die Meteorologen und Ozeanologen dieser Welt zur besseren Kalibrierung ihrer Klimamodelle aufrufen. Dadurch würden sich die Genauigkeit der Vorhersagen und das Verständnis der komplexen Zusammenhänge deutlich verbessern.

Matthias Schaffer

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