Vor Weltklimagipfel: Forscher finden Klimaziele zu vage

Weltklimagipfel Paris
Weltklimagipfel Paris

Drei Tage vor der Weltklimakonferenz in Paris kritisieren Forscher und Umweltschützer die Klimaschutzbeiträge zahlreicher Teilnehmerstaaten zum Gipfel. Viele dieser ‚Intended Nationally Determined Contributions‘ (INDCs) seien „so vage formuliert, dass sie womöglich auf Dauer keinen Bestand haben“, so Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) gegenüber der Zeitung „Die Zeit“. In Paris verhandeln Vertreter von fast 200 Staaten von Montag an über ein globales Klimaabkommen. Die freiwilligen Klimaschutzziele, welche die Nationen bereits vorab beim UNO-Klimasekretariat eingereicht haben, sind ein wichtiger Bestandteil dieses geplanten Vertrages.

Mit den INDCs wollen die Vereinten Nationen dem großen Ziel, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, einen großen Schritt näher kommen. Dieses Gesamtziel wird allerdings allein durch Paris nicht erreicht werden können, soviel steht bereits vorab fest. Dazu reichen die bisher versprochenen Klimaschutzbeiträge bei weitem nicht aus. Das liegt auch daran, wie manche Nationen diese Ziele formuliert haben.

„Manche Nationen setzen viel Zahlenkosmetik ein, andere halten ihre Ankündigungen bewusst vage“, erklärt Niklas Höhne, Leiter des NewClimate Institute. Das Kölner Klimaberatungshaus hat gemeinsam mit drei anderen Forschungseinrichtungen die INDCs aller großen Staaten im Projekt ‚Climate Action Tracker‘ untersucht. Dabei kam heraus:

Die bisher eingereichten Beiträge von mehr als 145 Nationen und der EU dürften nicht genügen, um die durchschnittliche globale Erwärmung unterhalb der anvisierten Zwei-Grad-Grenze zu halten. Das UNO-Klimasekretariat warnte schon kürzlich in einer Analyse, die INDCs würden wohl „nicht ausreichen, um bis 2025 und 2030 den Aufwärtstrend der weltweiten Emissionen umzukehren“. Vielmehr werde der weltweite Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß in den kommenden 15 Jahren um elf bis 23 Prozent steigen.

Regine Günther, Leiterin Energie- und Klimapolitik des WWF Deutschland, spricht von „Zahlenspielereien“ einiger Nationen. So versprechen große Treibhausgas-Verursacher wie Russland, Japan oder die USA in ihren eingereichten Klimaplänen, die nationalen Emissionen bis 2030 um 26, 28 oder gar 30 Prozent zu senken. Bei genauerem Hinsehen aber zeigt sich: oft schönen die Regierungen ihre Zahlen mithilfe statistischer Tricks. So wählen die USA als Vergleichsjahr für den Verlauf ihrer Emissionen nicht wie einst üblich 1990, sondern 2005 – und Japan 2013. In diesen Jahren hatten beide Staaten jeweils extrem hohe CO2-Emissionen.

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Auch Chinas Klimaschutzversprechen, vor 2030 den Höchststand der nationalen CO2-Emissionen erreichen zu wollen, ist zwar ein positives Signal vom weltgrößten Emittenten von CO2, dennoch ist unklar, wie groß Chinas Klimabeitrag dadurch tatsächlich sein wird. Denn die chinesische Regierung schweigt darüber, wie hoch die Emissionen bis dahin insgesamt sein werden. Deshalb lässt auch die Selbstverpflichtung, die sogenannte CO2-Intensität zwischen 2005 und 2030 um 60 bis 65 Prozent zu reduzieren, reichlich Spielraum, den Ausstoß de facto sogar noch deutlich zu erhöhen.

Es gilt daher, China weiter zu möglichst konkreten Zusagen zu drängen und sich etwa bei den CO2-Emissionen absolute Ziele zu stecken, schreibt das Mercator Institut für China Studien (MERICS). Um China dauerhaft „ins Boot zu holen“, müsse sich die internationale Klimazusammenarbeit mehr damit befassen, wie kurzfristiges Wachstum mit langfristigen Klimazielen vereinbart sei und wie in umweltfreundlichen Branchen Jobs geschaffen werden könnten.

Quelle: Presseportal

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