Klimawandel gefährdet Sauerstoffgehalt in Seen und Flüssen

Sauerstoffgehalt in Gewässern
Rekordsommer und milde Winter gefährden den Sauerstoffgehalt in Flüssen und Seen

Im August berichteten bereits zahlreiche Medien über die Auswirkungen der Hitze auf den Fischbestand in unseren Flüssen. Nun warnen auch Forscher des italienisches Istituto per lo Studio degli Ecosistemi und des ebenfalls zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto per la Ricerca sulle Acque vor längerfristigen Gefahren durch die fehlende Vermischung der Wasserschichten in Seen als Folge zu milder Winter. In der Folge kommt es zum Sauerstoffmangel, was heimische Fische akut gefährdet und Schädlinge begünstigt.

Tote Fische und verschwundene Flüsse im Rekordsommer

Immer wieder kam es in diesem Sommer zu Meldungen über ausgetrocknete Seen oder Bäche und überhitzte Gewässer.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) ermittelte für den Oberrhein einen Tagesmittelwert von 27,2 Grad. Entscheidender sei jedoch die Dauer kontinuierlich warmer Tage mit über 25 Grad Wassertemperatur.

Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) pumpten zur Sauerstoffanreicherung Millionen Liter Frischwasser in viele Seen. Aus einem Stausee bei Ellwangen in Baden-Württemberg zogen Helfer dennoch 20 Tonnen Fischkadaver. Angelsportvereine organisierten Hilfsaktionen für kleine Gewässer wie die Dreisam in Freiburg. Hier konnten die meisten Fische geborgen werden und in anderen Gewässern ausgesetzt werden, bevor der Fluss komplett austrocknete.

Schlechter erging es den Bewohnern des Rheins, der nur wenige Kilometer an Freiburg vorbeifließt, obwohl der Fluss wesentlich breiter und mit mehr Wasser gefüllt ist als die Dreisam. Besonders auf der Schweizer Seite des Rheins starben Tonnenweise Fische im dauerhaft bis zu 28 Grad warme Wasser. Der Sauerstoffgehalt sank wegen der anhaltend hohen Wassertemperatur dramatisch ab. In Kombination mit dem niedrigen Wasserpegel setze dies besonders Äschen und Forellen unter Dauerstress, die vielfach kollabierten und verendeten.

Neben den akuten Folgen bei anhaltenden Hitzewellen warnen nun italienische Forscher auch vor den Folgen milder Winter.

Langfristige Gefährdung durch milde Winter

Während der Sommerzeit bildet sich an der Wasseroberfläche eine Schicht mit Warmwasser, während das kältere Wasser am Grund von Seen bleibt. Während eines normal kalten und windigen Februars vermischen sich diese Wasserschichten. Wegen der Klimaerwärmung ist dies jedoch immer weniger der Fall. „Im Extremfall führt dies dazu, dass die am Grund lebenden Bakterien den Sauerstoff vollständig verbrauchen und die Fische sterben“, erklärt Projektleiter Aldo Marchetto.

Doch damit nicht genug: Der in den Sedimenten abgelagerte Phosphor wird freigesetzt und steigert das Nährstoffüberangebot bis zum völligen Umkippen des Sees. „Unsere Seen heizen sich infolge der immer häufiger milden Winter deutlich stärker auf als die Atmosphäre und die Weltmeere“, konstatiert Marchetto. Beim Lago Maggiore beispielsweise liege die in zehn Jahren gemessene Erwärmung bei durchschnittlich 0,3 Grad Celsius, was in etwa auch für die anderen europäischen Seen zutreffe. Zu den Folgen der Eutrophierung gehören Algenblühen und Farbveränderungen des Wassers.

„Werden einem bereits von der Trockenheit gestressten See größere Mengen an Trinkwasser entzogen, stirbt das wegen seiner Filter- und Reinigungsfunktion wichtige Ökosystem in Ufernähe“, ergänzt Forscherkollege Vito Uricchio. Dies sei in diesem Sommer beim Lago di Bracciano (Latium) der Fall gewesen. Wegen seiner besonderen hydrogeografischen Position und der leicht erkennbaren Wasserstandsveränderungen könne er künftig als ökologischer Wachposten genutzt werden.

Ein weiteres Problem bilden invasive Fisch- und Muschelarten, die einheimische Arten verdrängen. Bekanntestes Beispiel ist eine aus China stammende Muschel, die sich wie ein Teppich auf dem Seegrund ausbreitet und anderen Muscheln die Nahrungsgrundlage entzieht. Im Ortasee (Piemont) wird seit Kurzem deshalb mit einer Muschelkultur experimentiert, die sowohl in den Sedimenten enthaltenen Metalle als auch die Larven der chinesischen Muschel absorbiert. Sie sind mit Microchips ausgestattet und teilen mithilfe einer WLAN-Verbindung jede signifikante Änderung in Echtzeit mit.

Quellen: http://www.ise.cnr.it und http://www.irsa.it