Klimawandel führt zu aktiveren Insekten, Schädlingen

Der Klimawandel begünstigt die Aktivität von Insekten - Schädlinge werden die Nahrungsmittelproduktion belasten
Der Klimawandel begünstigt die Aktivität von Insekten - Schädlinge werden die Nahrungsmittelproduktion belasten

Der Klimawandel stört die globale Nahrungsmittelproduktion. Die übereinstimmende wissenschaftliche Meinung lässt daran keinen Zweifel. Neben Extremwetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen führen steigende Temperaturen zu einer höheren Insekten-Aktivität. Die Schädlinge werden die Ernten der Nahrungsmittelindustrie beeinträchtigen und die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung deutlich erschweren.

Neben Extremwetterereignissen und steigenden Temperaturen beschreibt eine neue Studien einen besorgniserregenden Nebeneffekt des Klimawandels, der zu zusätzlichen Ernteschäden führen wird. Es ist eine dieser vielen indirekten Folgen der globalen Erwärmung, die so wenig Platz im allgemeinen Bewusstsein von Bevölkerungen und Politik finden.

Insekten – die wachsende Aktivität Ernte-vernichtender Schädlinge, so die Studie der University of Washington in der Fachzeitschrift Science, wird Ernteerträge auf der ganzen Welt maßgeblich beeinflussen. Laut der Ergebnisse der Forscher, falls korrekt, bewegen wir uns auf eine globale Nahrungsmittelkrise zu.

Höhere Temperaturen – aktivere Insekten – hungrigere Schädlinge

Die Wissenschaftler prognostizieren, dass der wachsende Hunger von Insekten, parallel zur steigenden Durchschnittstemperatur, zu erheblichen Einbußen der Reis-, Mais-, und Getreideernten führen wird. Ihre Ergebnisse sagen Ernteschäden von 10 bis 25 Prozent pro Grad Celsius (!) der gestiegenen globalen Durchschnittstemperatur voraus. Eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur von zwei Grad – das aktuelle Ziel der UN-Klimarahmenkonvention – würde zu den Verlust von ungefähr 213 Millionen Tonnen betroffener Nutzpflanzen bedeuten! Währenddessen wächst die Weltbevölkerung weiter und benötigt mehr und mehr zu Essen.

Ein Blick auf ein nicht unrealistisches Zukunftsszenario zeigt, wie erschreckend diese Zahlen sind. Die aktuelle „Performance“ der Weltgemeinschaft lässt Skepsis aufkommen, ob wir die globalen Durchschnittstemperatur bis 2030 auf unter 2 Grad halten können. Setzt sich der aktuelle Trend der zögerlichen Umsetzung der 2015 in Paris getroffenen Versprechen fort, so sprechen wir, ausgehend von beispielsweise einer Erhöhung von drei Grad bis 2050 (eine Art Worst-Case Szenario), von Ernteeinbußen von 30 bis 75 Prozent. Die globale Nahrungsmittelversorgung wäre nicht mehr zu gewährleisten. Es käme zu Hungersnöten, Konflikt und Massenmigration.

Kaltblüter sind im Vorteil

Die Körpertemperaturen von Insekten, anders als bei beispielsweise Vögeln oder Säugetieren, steigt und fällt mit den Temperaturen der äußeren Umwelt. In kühleren Regionen wie den Regionen in denen das meiste Getreide angebaut wird, ist das kein Problem.

Wenn das Klima sind jedoch erwärmt und mit ihm die Körpertemperaturen lokaler und migrierender Insektenarten, dann erhöht sich auch deren Stoffwechsel- und Reproduktionsrate. Sie verbrauchen mehr Energie und sie fressen mehr.

Kurz gesagt: Je wärmer des wird, mit umso mehr Insekten bekommen wir es zu tun. Zudem haben die Schädlinge dann einen noch größeren Hunger für unsere Reis-, Mais-, und Getreidefelder.

„Ernährungsgefährdete Familien werden leiden“

„Die globalen Erwärmung wird Probleme wie Nahrungsmittelknappheit und Umweltschäden für die Landwirtschaft aufgrund von Insektenbefall verschärfen“, so Rosamond Naylor, Professorin des Department of Earth System Science an der Stanford University und Gründungsdirektorin des Center on Food Security and the Environment.

„Eine verstärkte Anwendung von Pestiziden, die Nutzung von GMOs [genetisch veränderte Organismen] und Methoden wie Getreidewechsel [Zwei- oder Dreifelderwirtschaft], können helfen, diese Verluste einzudämmen. Dennoch scheint es unter allen Klimawandel-Szenarien der Fall zu sein, dass die Schädlingspopulationen die großen Gewinner sein werden. Besonders in Regionen mit gemäßigtem Klima und einer hohen landwirtschaftlicher Produktivität. Nahrungsmittelpreise werden steigen und ernährungsgefährdete Familien werden leiden.“

Quelle: University of Washington