Klimawandel fordert Anpassung in der Fischerei

Fischschwarm

Die globalen Klimaveränderungen haben bereits heute beobachtbare Auswirkungen auf die sensiblen marinen Ökosysteme. Die ohnehin schon aufgrund von Meeresverschmutzung und Überfischung stark geschrumpften globalen Fischbestände sind durch die zusätzlichen Belastungen gefährdet und damit auch die Erträge der Fischerei.

Die Weltmeere sind ein wesentlicher Bestandteil des Klimasystems der Erde und tauschen mit der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid aus. Die Zunahme an CO2 in der Atmosphäre aufgrund der Verbrennung fossiler Rohstoffe führt zu einer Versauerung der Ozeane, da diese das CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen.

Die chemische Veränderung des Wassers hat große Auswirkungen für Meereslebewesen mit Schalen oder Skeletten aus Kalk. Der höhere Säuregrad des Wassers behindert den Kalkbildungsprozess von Korallen, Muscheln, Schnecken sowie Algen und kann zur Auflösung bereits bestehender Kalkskelette führen. Da kalkbildende Organismen eine Grundlage der Nahrungspyramide im Ozean sind, ergeben sich weitreichende Konsequenzen für die Nahrungskette im Meer mit unvorhersehbaren Folgen für die Fischindustrie.

Verlust von Nahrungsgründen und Brutplätzen

Die Versauerung der Meere und die höheren Wassertemperaturen aufgrund der globalen Erwärmung sind für das Absterben der artenreichen Korallenriffe mitverantwortlich. Viele Fische verlieren durch die Zerstörung der Riffe ihre Nahrungsgründe sowie ihre Brutplätze. Auch durch Niedrigwasser gehen im Uferbereich von Gewässern Flachwasserzonen und damit Laichplätze verloren. Für die Fischerei ergeben sich dadurch erhebliche Ertragsrückgänge.

Die Übersäuerung des Meerwassers sowie die stärkere Erwärmung des Oberflächenwassers führen weiterhin zu einem Nährstoff- und Sauerstoffmangel in Gewässern, der die Lebensräume und das Leben zahlreicher Meerestiere bedroht. Ein schlechteres Nahrungsangebot, eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten und eine Verminderung der Reproduktion sind die Folge. Da viele Fischarten nur laichen, wenn die Temperaturen unter ein bestimmtes Niveau sinken, können sich die klimabedingten Änderungen von Meeresströmungen auf Laichwanderungen auswirken. Besonders empfindlich reagieren überfischte Bestände auf Umwelteinflüsse, da sie meist nur noch aus wenigen Jungtieren bestehen. Auch beim pflanzlichen Plankton kommt es aufgrund der steigenden Wassertemperaturen zu einer Verschiebung der Artenzusammensetzung, die sich direkt auf die Ernährung der Fische auswirkt. Es kann zu einem Rückgang oder zur Vermehrung einzelner Fischarten kommen.

Verlagerung der Lebensräume

Beobachtungen zeigen, dass viele Kaltwasserfische in tieferes Wasser abtauchen oder in kühlere Gewässer flüchten. Die temperaturempfindlichen Fischpopulationen verlagern ihre Lebensräume in Richtung der Pole. Diese Entwicklung wird vermutlich zur Folge haben, dass die Produktivität tropischer Gewässer in äquatornahen Zonen abnimmt, während die höheren Breiten an Produktivität gewinnen. Da Fangrückgänge eine Gefahr für Arbeitsplätze und die Ernährungssicherheit in den besonders vom Fischfang abhängigen Ländern in Afrika und Asien bedeuten, bedrohen die klimatischen Veränderungen mit ihren Auswirkungen auf die Fischbestände auf Dauer eine der wichtigsten Nahrungsressourcen der Menschen.

Die weltweite Neuverteilung der Fischarten hat auch eine Änderung der Erreichbarkeit für die Fischerei zur Folge. Die Eisschmelze in der Arktis macht das Nordpolarmeer zwar für den industriellen Fischfang zugänglich, Wissenschaftler fordern jedoch ein Verbot der Fischerei in diesem Ozean, da Fische die Lebensgrundlage vieler Tiere in der Region bilden und die Folgen des Fischfangs für das Ökosystem nicht genau bekannt sind.

Nachhaltiger Fischfang

Zum weiteren Verständnis der Auswirkungen der Klimaänderungen auf die Fischbestände und die Fischerei sind Langzeituntersuchungen erforderlich. Die klimatischen Entwicklungen sollten aber bereits heute bei den Fangquoten und Fangobjekten der Fischerei berücksichtigt werden. Mit nachhaltigen Bewirtschaftungskonzepten sollte sich die kommerzielle Fischerei an die Veränderungen anpassen und bestimmte Fänge vermindern. Maßnahmen wie Schonzeiten, mehr Schutzgebiete, kleinere Fangflotten und selektivere Fangmethoden sind dringend erforderlich, damit sich die Bestände erholen können.

Auch der Energieverbrauch der Fangmethoden und Fanggeräte der Fischereiindustrie sollten überdacht werden, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe und damit die Emissionen von Treibhausgasen zu senken. Die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU, die 2013 in Kraft treten soll, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. 

Lauren Mertens

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