Klimaschutz? Fehlanzeige! Zeit für Panik?

Schwere Hurrikans und Überschwemmungen sind nur zwei der Gefahren des Klimawandels.

Die deutsche Regierungskommission sollte diese Woche Maßnahmen für eine Reduktion des CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr erarbeiten. Die Ergebnisse sind dürftig. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Vertreter der Mineralölindustrie und der Automobilbranche in der Kommission saßen. Die Klimaschutzziele für 2030 werden so nicht erreicht werden. Doch die Bundesregierung scheint das wenig zu beunruhigen. Von Sorge ist nichts zu spüren. Dabei könnte Angst das einzige sein, was uns noch rettet.

Das sagt auch ein amerikanischer Schriftsteller. David Wallace-Wells, Autor des Buches „The Uninhabitable Earth: Life After Warming“, schrieb kürzlich einen Kommentar in der New York Times mit dem Titel: „Time to Panik“ (Zeit für Panik). Dort heißt es: „Panik mag kontraproduktiv erscheinen, aber wir sind an einem Punkt, an dem sie uns helfen könnte. Wegen des Klimawandels in Panik zu sein, ist kein Zeichen von Hysterie, sondern eine Reaktion auf die Fakten. Tatsächlich ist es die einzige logische Reaktion“.

Die Fakten

Die Erde könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad Celsius erwärmen. Für die meisten Menschen reicht allein dieser Gedanke nicht aus, um Panik zu bekommen. Doch vier Grad mehr wären katastrophal für die Menschheit. Schon bei einer Erhöhung von mehr als zwei Grad könnte die Temperatur in vielen Städte im mittleren Osten und in Südasien unerträglich werden. Bei vier Grad mehr würde das westantarktische Eisschild vollständig zerfallen und das Eis an den Polen in rasantem Tempo schmilzen.

Das Ergebnis wären Flüchtlingswellen von bisher ungekanntem Ausmaß. Viele Millionen Menschen müssten ihre Heimat verlassen, da ein Leben dort nicht mehr möglich wäre. Küstenstädte würden überflutet. In anderen Regionen käme es zu langen Dürren und Hitzewellen. Dort würde das Wasser knapp. Darüber hinaus würden Millionen weitere Menschen zu Opfern von Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen.

Wir Deutsche leben in einer gemäßigten Klimazone. Hier wird es länger als beispielsweise im mittleren Osten möglich sein, ein weitgehend normales Leben zu führen. Daher würden Millionen Menschen hierher flüchten. Die Flüchtlingskrise, wie sie Europa ab 2015 erlebt hat, wird nichts im Vergleich zu der Krise sein, die wegen des Klimawandels auf uns zukommt. Und auch uns in Deutschland wird die globalen Erwärmung direkt treffen. Dürren und Starkregen werden Ernten ausfallen lassen. Extrem heiße Sommern werden vermehrt Hitzetote fordern. Überschwemmungen und schwere Stürme werden Millionenschäden anrichten.

Was macht Deutschland?

Die Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ursprünglich das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren (verglichen mit dem Jahr 1990). Davon hatte man sich intern schon länger verabschiedet. Das es nicht erreicht wird, ist mittlerweile auch offiziell. Die Bundesregierung gab an, der „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ habe nicht die erwartete Wirkung erzielt. Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock kritisierte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) könne zwar viel über das Klima reden, aber nur wenig liefern.

Da das Ziel für 2020 verfehlt wird, hat die Bundesregierung die Frist um zehn Jahre verlängert. Nun sollen die CO2- Emissionen bis 2030 um 40 Prozent reduziert werden. Das wird mit derzeitigem Kurs aber auch nicht erreicht. Tatsächlich sind die Emissionen im Verkehrsbereich vergleichen mit 1990 sogar leicht angestiegen. Daher tagte vergangene Woche die zuständige Regierungskommission. Nach 17-stündiger Beratung verkündete sie das Ergebnis: Wir konnten uns nicht einigen, wie wir die Ziele für 2030 erreichen. Mit anderen Worten: Wir wissen nicht, wie wir das noch schaffen können. Mit in der Kommission saßen Vertreter der Mineralölindustrie und der Automobilbranche.

Wenn wir weiter nichts tun

„Wenn wir weiter nichts unternehmen, ist der Zusammenbruch unserer Zivilisation und die Vernichtung eines Großteils der Natur wie wir sie kennen schon am Horizont“, sagte David Attenborough, ein Sprecher des BBC am Eröffnungstag einer Konferenz der Vereinten Nationen. Der International Panel on Climate Change (IPCC) hatte vor der Konferenz den neusten Bericht zur globalen Erwärmung veröffentlicht. Der Bericht wurde bekannt als „Doomsday Report“- Weltuntergangsreport. Der IPCC warnt dort vor den katastrophalen Folgen, die die Erderwärmung für das Leben auf der Erde haben wird. Sie diskutierten dabei lediglich über eine Erwärmung von zwei Grad Celsius. Dabei erwarten uns wahrscheinlich vier Grad. Doch nur keine Panik.

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