Klimabericht der US-Regierung – erst Verstecken, jetzt Leugnen

Hochwasser in Küstennähe als Folge des Klimawandels - US-Regierung leugnet eigenen Klimabericht
Hochwasser in Küstennähe als Folge des Klimawandels - US-Regierung leugnet eigenen Klimabericht

Die Trump-Administration hat über Thanksgiving einen Klimabericht veröffentlicht. Die Ergebnisse stehen in direktem Gegensatz zur klimawandelkritischen Haltung der Regierung. Dementsprechend versucht sie, die Ergebnisse zu verharmlosen. Der Bericht gehe von einem Worst-Case-Szenario aus. Die Wissenschaftler bestreiten das. Ein Grund für die Verleugnung ist, dass die Schlussfolgerungen drastische Auswirkungen auf die amerikanischen Bürger zu erwarten lassen. Besonders in Küstennähe.

Die Leugnung des Klimawandels und dessen Auswirkungen, es ist ein Markenzeichen der US-Regierung unter Trump. Das Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse und die dreiste Darstellung eigener Meinungen als Fakten ist ein tägliches Schauspiel im Weißen Haus. Nach diesem Rezept versucht die Administration nun, ihren eigenen Klimawandelbericht zu untergraben. Denn der steht im krassen Gegensatz zur ignoranten Haltung der (neuen) EPA, der Klimawandel sei nur ein „Hoax“ – ein Schwindel. „Fake News“.

Der Bericht ist nur zu empfehlen. Eine Zusammenfassung führt hier zu weit, für den Zweck dieses Artikels reicht es jedoch zu wissen, dass die dargelegten Auswirkungen starke Risiken und negative Einflüsse sowohl auf die amerikanische Bevölkerung haben werden, als auch für die gesamte US-Wirtschaft. Für einen Präsidenten, der sich als Deal-Maker und Antreiber der Wirtschaft sieht und mit klassischem Populismus auf simple Eigeninteressen seiner Bürger setzt, ist das ein Dorn im Auge.

Klimabericht im „Thanksgiving-Loch“ veröffentlicht – mit „Worst-Case“-Argument

Natürlich war man sich im Weißen Haus klar über die „problematischen“ Inhalte des Klimaberichts. Dennoch musste man ihn veröffentlichen. Ein Gesetz von 1990 zwingt die Regierung, alle vier Jahre einen Klimabericht vorzulegen. Deshalb ist es kein Zufall, dass die Herausgabe genau einen Tag nach Thanksgiving geschah, als der Großteil der Amerikaner erst noch den Truthahn vom Vortag verdauen musste. Politik ist zu dieser Zeit schwere Kost für den Durchschnittsamerikaner.

Gut, dass es in den USA weiterhin stark etablierte liberale Medien gibt. Der Plan flog wie zu erwarten auf und wieder einmal muss sich die Regierung für ihre zwiespältige Haltung rechtfertigen. Und zu der merkwürdigen Tatsache, dass sie ihren eigens produzierten Fachdokumenten nicht glaubt. Dazu gab es prompt ein neues Argument aus dem Weißen Haus:

Der Kimabericht gehe vom „worst case“ aus. Trumps Innenminister Ryan Zinke sagte im konservativen Fernsehsender Fox-News, „wenn man vom schlimmsten Fall ausgeht, dann stimmt‘s, dann sieht es düster aus. Wenn man aber vom besten Fall ausgeht, dann nicht so sehr.“

„Wenn Sie sich [die Gefahr eines] Atomkrieg[s] anschauen, dann müssten wir alle nach Hause in den Bunker gehen und einen Schutzanzug tragen,“ so Zinke. „Aber das macht auch keiner.“

Wissenschaftler verteidigen den Bericht – Klimawandel unterschätzt

Auf Zinke’s Kommentar meldete sich Michael Mann, Klimawissenschaftler der Pennsylvania University zu Wort. An den Aussagen des Innenministers, so Mann, sei nichts Wahren dran.

„Der Bericht beobachtet ein extrem breites Spektrum an Szenarien.“ Er fügt hinzu, dass wir „die Auswirkungen des Klimawandels bisher in beinahe jedem bedeutenden Fall deutlich unterschätzt haben. Der Meeresspiegel steigt schneller, die Eiskappen schmelzen schneller und das Auftreten von Extremwetterereignissen steigt deutlich schneller an, als unsere Modelle es vor ein paar Jahren vorhergesagt haben.“

Katharine Hayhoe von der Texas Tech University sagte zudem, der Bericht blicke auf eine Reihe von Möglichkeiten, die vorher von Experten der Vereinten Nationen entworfen wurden – „von einem Szenario, in dem CO2-Emissionen über das Ende des Jahrhunderts wachsen, bis zu einem, in dem Emissionen bereits heute sinken und vor dem Endes des Jahrhunderts bereits auf null fallen.“

Sieht man sich die aktuelle Situation an, dann ist letzteres Szenario deutlich wahrscheinlicher, als das erste.

Bürger in Küstennähe bedroht

Eines der Ergebnisse prognostiziert, dass Amerikaner, die in Küstennähe leben, in Zukunft entweder deutlich mehr Geld zum eigenen Schutz investieren oder schlichtweg umziehen werden müssen. Bereits heute haben sie mit den Konsequenzen des steigenden Meeresspiegels und immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen zu kämpfen. Die extreme Hurricane-Saison 2017 veranschaulicht die Grausamkeit des mittlerweile Realität gewordenen Ausnahmezustands.

Der Anstieg des Meeresspiegels um sechs Fuß (rund 1,8 Meter), so die Wissenschaftler, würde bis zum Jahr 2100 rund 13,1 Millionen Menschen zur Migration zwingen. Und diese Prognose liegt noch 60 Zentimeter unter den aktuellen Erwartungen. Das würde nicht nur zu starken Disruptionen der sozio-ökonomischen Struktur einiger US-Bundesstaaten führen, es wäre auch sehr teuer.

Dies ist nur ein Auszug der Schlussfolgerungen des Klimareports für die amerikanische Bevölkerung. Die Prognosen gehen deutlich weiter, wie beispielsweise zu den wirtschaftlichen Folgen des Verlusts großer Landflächen, von Sumpfgebieten sowie den entsprechenden Ökosystemen. Diese sind nicht nur für die US-Wirtschaft wichtig, sondern beispielsweise auch für die Qualität der Wasserversorgung, den Fischfang oder beliebte Erholungsgebiete.

Quellen: NYT, TheGuardian