Insekten auf deutschen Tellern

Mehl aus Insekten in Proteinriegeln sind eine Möglichkeit, die Krabbeltiere schmackhaft zu machen
Insektensnacks © Malchus Kern

Heuschrecken, Mehlwürmer oder Grillen essen? Die meisten Europäer überkommt dabei der Ekel. Dabei sind diese eiweißreichen Insekten sehr nährstoffreich. In asiatischen und afrikanischen Ländern stehen sie schon lange auf der Speisekarte. In Deutschland war der Verkauf von Insekten als Lebensmittel bisher, aufgrund der verschiedenen Bestimmungen der einzelnen Bundesländer, nahezu verboten. Das hat sich mit einem neuen EU-Gesetz ab dem 01.01.2018 geändert. Die ersten Produkte sind bereits jetzt erhältlich. 

Es gibt viele Gründe, die für den Konsum von Insekten sprechen. Insekten sind nährstoffreich und ihre Haltung vergleichsweise umweltschonend. Dies wird bereits von verschiedenen Quellen aus Forschung und Wissenschaft bestätigt: „Der überwiegende Teil der Insekten liefert, genau wie andere tierische Lebensmittel auch, einen guten Anteil Proteine. Sie sind fast frei von Kohlenhydraten, äußerst fett- und somit cholesterinarm sowie reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen“, sagt der medizinische Ernährungsberater Jens Hofmann aus Rostock.

Und auch die Universität Wagening hat sich 2011 mit der Umweltbilanz von Insekten als Lebensmittel beschäftigt. “Ein Schwein produziert zehn bis hundert Mal mehr Treibhausgase pro Kilogramm Wachstum als zum Beispiel Mehlwürmer” ist dabei eine Erkenntnis.

In Europa steigt die Nachfrage nach Insekten stetig. Noch werden sie vor allem als gewürzte Snacks verkauft und ähnlich wie Chips geknabbert. Doch die neue EU-Regelung eröffnet auch hier bisher unbeschrittene Wege. Denn der Großteil der bisherigen Käufer ist wohl eher auf etwas Neues aus und wohl kaum dabei, Insekten in seinen täglichen Speiseplan zu integrieren. Die meisten Verbraucher ekelt es vielmehr davor, Skorpione oder Heuschrecken zu essen. Dieser Ekel wird gesenkt, wenn die Insekten nicht mehr als Ganzes gegessen werden. Daher versuchen die Unternehmen, Insekten in Energieriegeln, Schokolade oder in Frikadellen zu verpacken. Einen anderen Weg beschreitet der Berliner Koch Frank Ochmann. Er hat sich auf das zubereiten von Insekten spezialisiert. Auf seiner Speisekarte finden sich Gerichte wie “In einem Kokos-Knuspermantel frittierte Heuschrecken auf Ananas-Carpaccio mit Chilidip“ oder “Trocken geröstete Heuschrecken im Schokomantel”. Vielleicht freunden sich so mehr Verbraucher damit an.

Insekten essen – Ein kleiner Schritt in Richtung bewussterer Konsum tierischer Lebensmittel

Die ultimative Lösung für den Welthunger werden Insekten wohl kaum. So wendet Professor Dr. Wilhelm Windisch vom Lehrstuhl für Tierernährung an der TU München ein, dass die industrielle Haltung von Insekten sehr komplex ist: “Wenn man Insekten im industriellen Maßstab züchtet, bedeutet das Abermillionen von Tiere auf engstem Raum – was den Einsatz von Medikamenten sehr wahrscheinlich macht. Wir wissen nicht, von welchen Krankheiten diese Tiere alle befallen werden und welche Hygieneprobleme wir uns bei einer Massenproduktion einfangen”. Noch schwieriger wird es, wenn wir Salat an Insekten verfüttern, den wir selbst essen könnten. Denn dann verschwenden wir wieder Kalorien. Wirklich sinnvoll wäre die Haltung von Insekten also nur, wenn wir pflanzliche Futtermittel verwenden, die für den Menschen nicht verwertbar sind. Insekten als Lebensmittel könnten zumindest ein Schritt in die Richtung sein.

Malchus Kern schreibt als Freier Autor über Nachhaltigkeit, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und digitale Innovationen. Auf seinem Balkon versucht er sich an Selbstversorgung.

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