Globale Wetterextreme: Warum spielt das Wetter verrückt?

Wetterextreme
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Fast überall auf der Welt herrschte über die Feiertage ein wetterbedingter Ausnahmezustand. Am Nordpol war es mit nur rund Null Grad viel zu warm, in Großbritannien regnete es so stark, dass viele Orte überschwemmt wurden und in den USA tötete eine ganze Reihe von Tornados mindestens 28 Menschen. Meteorologen zeigten sich zwar besorgt wegen dieser teilweise unglaublichen Wetterkapriolen, mit dem Klimawandel habe zumindest die Rekordtemperatur am Nordpol jedoch nichts zu tun, sagen sie. Dennoch seien die immer häufiger auftretenden Wetterextreme ein klares Indiz dafür, dass die globale Erwärmung bereits in vollem Gange ist.

Wir blicken zurück auf das gerade vergangenen Jahr 2015. Ein Jahr, das in puncto Wetter getrost als auffällig bezeichnet werden kann. 2015 war – wie schon das vorherige – ein Jahr der Wetterextreme. In Erinnerung bleiben wird vor allem die Hitzewellen im Sommer und der viel zu warme November und Dezember. In Deutschland konnten die Menschen Weihnachten bei knapp 17 Grad (Freiburg 16,8 Grad) fast schon im T-Shirt feiern, und auch in New York genossen die Menschen bei 20 Grad ein frühlingshaftes Fest.

Auch in Moskau war es viel zu warm für diese Jahreszeit. Die um diese Jahreszeit an dicke Minusgrade gewöhnten Moskauer erlebten im Dezember an sechs Tagen in Folge einen Hitzerekord, den es so in 135 Jahren Wetteraufzeichnungen noch nicht gegeben hatte. Der bisher wärmste je gemessene 24. Dezember wurde um rund vier Grad Celsius übertroffen. Bei 8,5 Grad über Null mussten viele Schlittschuhbahnen und andere Winterattraktionen geschlossen bleiben. Die Moskauer Stadtwerke präparierten sogar Straßen und Wege mit Kunstschnee, um doch etwas winterliche Atmosphäre zu schaffen.

Doch während wir Deutschen und die meisten Menschen in Moskau höchstens den fehlenden Schnee und die darunter leidende weihnachtliche Stimmung bemängeln konnten, hatten Wetterextreme in anderen Teilen der Erde weit dramatischere Folgen. So mussten einige Menschen in Großbritannien ganz auf ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest verzichten. Heftiger und lang andauernder Regen hatte viele Einwohner in Nordengland über Nacht aus ihren Häusern fliehen lassen. Durch den Starkregen wurden ganze Städte überschwemmt. Premierminister Cameron nannte die Lage beispiellos und ließ das Militär zum Katastrophenschutz ausrücken.

Nachdem dann das schlimmste vorüber schien, brachte eine neue Sturmfront kurz vor dem Jahresende erneut Chaos und Verwüstung. Der Nordatlantiksturm „Frank“ traf diesmal vor allem Schottland und Irland. Es war bereits das dritte schwere Unwetter, das Großbritannien im Dezember heimsuchte. Viele Einwohner blieben tagelang ohne Strom und mussten aufgrund der Überschwemmungen Weihnachten in Notunterkünften verbringen. Die Schäden durch die drei schweren Unwetterfronten gehen in die Milliarden.

Sturm Frank war es auch, der am Nordpol letzte Woche das Eis nah an den Schmelzpunkt gebracht hatte. Das gewaltige Tiefdruckgebiet hatte warme Luft aus dem Atlantik angesaugt und in den Norden transportiert – bis hinauf zum Nordpol. Um diese Jahreszeit herrscht dort, wie überall auf der Nordhalbkugel, eigentlich tiefster Winter. Der ließ aber nicht nur bei uns vergeblich auf sich warten. Doch während es hierzulande lediglich einige Grad zu warm war, übermittelte eine Wetterboje am Pol ein historisches Ergebnis: Nur Null Grad war es 500 Kilometer vom Pol entfernt letzten Mittwochvormittag, berichtete der Deutsche Wetterdienst. Zum Vergleich: Normal für diese Jahreszeit sind dort Temperaturen um die Minus 30 – Minus 40 Grad Celsius. Es war also mindestens 30 Grad zu warm. Würde so ein Hitzerekord Deutschland treffen, würden wir im Winter bei 40 Grad schwitzen wie im heißesten Sommer und hätten an Weihnachten wahrscheinlich die ersten Hitzetoten im Winter zu beklagen.

Glücklicherweise war das beängstigende Wetterphänomen zumindest am Nordpol jedoch bald wieder vorbei. Bereits am Freitag meldeten Meteorologen wieder halbwegs normale Temperaturen um die 24 Grad unterhalb des Gefrierpunkts. Warum die Temperaturen kurzfristig so gestiegen waren, konnten sich viele Wetterexperten allerdings allein mit dem Tief Frank nicht erklären. Es gebe lediglich Vermutungen: Das in diesem Jahr extreme Wetterphänomen El Niño im Pazifik könnte ein Grund sein, ebenso der Jetstream, eine große Luftströmung einige Kilometer über dem Boden. Doch Genaues wisse man nicht. Meteorologe Markus Eifried sagte der Deutschen Presse Agentur: „Wetter ist manchmal ein chaotisches System.“ Für ihn steht jedoch zumindest eins fest: Mit dem Klimawandel habe der Temperaturrekord am Nordpol nichts zu tun. Es sei eine „Anomalie, die vielleicht alle 15-20 Jahre vorkomme.

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Doch trifft das auf alle seltsamen Wetterphänomene zu, die zur Zeit überall auf der Welt auftreten? Kann man das alles nur durch Anomalien, natürliche Schwankungen im globalen Klimasystem, erklären? Den Temperaturrekord im Jahr 2014: Das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen? Das Jahr 2015, das das Jahr 2014 als das wärmste je gemessene höchstwahrscheinlich ab gelöst hat? (Genaue Daten stehen noch aus) Die Hitzewellen vergangenen Sommer. Den Rekordnovember 2015, ebenfalls der wärmste je gemessene. Die schweren Stürme im Dezember, die jahrelange Dürre in Kalifornien. Die heftigen Tornados und Unwetter in den USA während der letzten Tage, die mindestens 28 Menschen töteten. Die extreme Hitze und die Waldbrände, die derzeit in Australien für Probleme sorgen. Die Aufzählung könnte beliebig weitergeführt werden.

Fest steht, Wetterextreme treten immer häufig auf. Und das fast überall auf der Welt. Auch die Heftigkeit solcher Phänomene scheint zuzunehmen. Was erwartet uns also für die Zukunft? Und welche Rolle spielt der Klimawandel dabei? Mit diesen Fragen müssen sich derzeit Klimaforscher und Wetterexperten rund um den Globus befassen. Einig sind sie sich jedoch fast alle: Der Klimawandel ist in vollem Gange und die momentanen gehäuften extremen Wetterereignisse sind klare Indizien darauf, das an dieser Tatsache leider kein Zweifel mehr besteht. Und so werden wir wohl auch in den nächsten Jahren immer öfter mit Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Rekordtemperaturen konfrontiert werden. Nur wohin das führt, ist heute wohl noch nicht abzusehen.

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