Fossile Energiebranche bezahlt Klimaskeptiker

Klimawandel-Leugner Willie Soon erhielt über

Noch immer gibt es Wissenschaftler, die nicht an die menschengemachte globale Erwärmung glauben und das auch öffentlich kundtun. Einer der bekanntesten ist der Astrophysiker Wei-Hock („Willie“) Soon vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Seit Jahren veröffentlicht der US-Amerikaner immer wieder Publikationen, in denen er abstreitet, dass der Anstieg der Treibhausgas- Konzentration in der Atmosphäre für den Klimawandel verantwortlich ist. Nun kamen Dokumente ans Licht, die beweisen, dass der prominente Leugner der globalen Erwärmung für seine Arbeit über Jahre hinweg von großen Energiekonzernen bezahlt wurde. Insgesamt soll er über 1.2 Millionen US-Dollar für seine Studien erhalten haben.

Exxon Mobil, Southern Company, das American Petroleum Institute (API) und die Stiftung der konservativen Koch Brüder – Die Unternehmen, die den Klimaskeptiker Soon nach Informationen der New York Times in den letzten Jahren für seine Arbeit bezahlt haben, lesen sich wie das „Who-Is-Who“ der fossilen Energiebranche. Dass diese Firmen ein Interesse daran haben, die mittlerweile generell anerkannte Meinung von Klimaforschern bezüglich der Ursachen der globalen Erwärmung in Zweifel zu ziehen, ist nachvollziehbar.

Dass mit Willie Soon allerdings ein hoch renommierter Wissenschaftler aus Harvard von der Öl- und Kohleindustrie dafür bezahlen worden sein könnte, öffentlich am Klimawandel zu zweifeln, ist hoch brisant. Viele Medien bezeichneten die Angelegenheit nach Bekanntwerden sogar als Skandal. Die New York Times veröffentlichte vergangenen Samstag  entsprechende Unterlagen auf ihrer Homepage, die zuvor die Umweltschutzorganisation Greenpeace USA und das Climate Investigations Center gemäß dem amerikanischen Informationsfreiheitsgesetz eingefordert hatten.

Aus den Papieren geht hervor, dass Soon für die Veröffentlichung seiner Studien über Jahrzehnte hinweg immer wieder teils große Beträge von den genannten Energiekonzernen erhalten hat. So bekam er 2005 beispielsweise fast 410.000 Dollar von Southern Company, von Exxon Mobile bekam er 355.000 Dollar. Das allein allerdings wäre nicht einmal ungewöhnlich, denn immer wieder finanzieren Energiefirmen wissenschaftliche Studien über die globale Erwärmung und deren mögliche Ursachen. Dabei sollten die Publizierenden allerdings gewisse Richtlinien einhalten, zu denen auch gehört, bei Veröffentlichung der Studien auf ihre Finanziers hinzuweisen.

Doch genau das scheint Soon bei mindestens elf seiner Studien vergessen zu haben. Die Times schrieb, innerhalb der letzten vierzehn Jahre habe Willie Soon über 1.2 Millionen US-Dollar von der fossilen Energiebranche akzeptiert, ohne dies auch nur in einer seiner wissenschaftlichen Abhandlungen zu erwähnen. Indem er nicht auf den Interessenskonflikt hingewiesen habe, habe er in mindestens acht Fällen gegen die ethischen Grundsätze der Verlage verstoßen, die seine Publikationen veröffentlicht hatten. Soon habe zudem intern verkündet, viele seiner Studien seien lediglich „Deliverables“ (Pflichtergebnisse), die er gegen Geld anfertige.

Soon galt bislang in der Branche als einer der Top-Klimaskeptiker. Er vertritt öffentlich die Meinung, die globale Erwärmung sei nicht auf den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre zurückzuführen, sondern lediglich das Ergebnis einer erhöhten Sonnenaktivität. Über diese Behauptung hat er bereits vor dem US-Senat doziert.

Obwohl diese These bei den meisten Wissenschaftlern als entkräftet gilt, verwenden vor allem Lobbyisten, Klimaskeptiker und die fossile Energiebranche seine Argumentation noch immer gerne um ihre Position zu stärken und die Behauptungen des Intergovernental Panel on Climate Chance (IPCC) zu widerlegen. Das IPCC geht davon aus, dass die Treibhausgas-Emissionen und damit der Mensch für die globale Erwärmung verantwortlich ist und es bis Ende des Jahrhunderts zu einem Temperaturanstieg von durchschnittlich vier Grad Celsius kommen könnte.

Soon war bislang noch zu keiner Stellungnahme bezüglich seiner fragwürdigen Finanziers bereit. Der Direktor des Harvard Smithsonian Center sagte auf Anfrage der New York Times, Soons Verhalten sei unangemessen und man werde entsprechende Untersuchungen einleiten.

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1 Kommentar

  • Ein sehr interessanter Beitrag. Es ist zu wünschen, dass der Autor da dran bleibt und wir erfahren, wie es mit dieser Geschickte weitergeht und ob bzw. wie Herr Soon sein Vorgehen erklärt oder rechtfertigt. Diese Chance hat jeder verdient, auch wenn das Ganze doch einen faden Beigeschmack hat.