Die Felsen im Oman: Natürliche CO2-Filter

Das Gebirge im Norden des Oman funktioniert wie ein natürlicher CO2-Filter.
Das Gebirge im Norden des Oman funktioniert wie ein natürlicher CO2-Filter.

Die schwarzen Gebirgsketten, die sich die Küsten des Oman im südöstlichen Eck der arabischen Halbinsel entlang ziehen, könnten für die Zukunft der Erde von besonderer Bedeutung sein. Dort gibt es Felsen, die mit dem Kohlenstoffdioxid in der Luft reagieren. Tag für Tag binden sie CO2 und verwandeln es in soliden Stein. Sie funktionieren wie natürliche CO2-Filter. Richtig eingesetzt könnten sie hunderte Jahre an CO2-Emmissionen rückgängig machen.

So viele Jahre an Emissionen einfach zu neutralisieren erscheint unrealistisch. Doch unmöglich ist es nicht, wie nun die New York Times berichtet.

Kohlenstoffmineralisierung – so nennen Wissenschaftler den chemischen Prozess, der auf den Felsformationen im Oman auf natürliche Weise von Statten geht. Der steinige Grund auf dem das passiert schafft nicht nur ein einzigartiges Landschaftsbild, er bindet auch das CO2 in der Luft. Die Felsen dienen so als natürliche CO2-Filter und könnten uns im Kampf gegen den Klimawandel noch von großem Nutzen sein.

Das Mineral zu dem der Kohlenstoff reagiert ist Karbonat, ein anorganisches Salz. Und es ist dort überall. Wie Adern zieht es sich durch das dunkle Gestein und verwandelt die eintönigen Brocken in ein bizarres Mosaik. Auch das Quellwasser das dort sprudelt und sich in kleinen Becken sammelt ist von einer weißen Kruste überzogen.

Die Nutzung von Peridotit als natürliche CO2-Filter birgt großes Potenzial

Dr. Kelemen vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia Universität erforscht das Phänomen seit über zwanzig Jahren. Er will diesen erstaunlichen Trick der Natur nutzen, um so im großem Stil CO2 aus der Atmosphäre zu filtern. Dazu müsste man den Prozess aber stark beschleunigen und in großem Maßstab betreiben können. Schwer zu realisieren, sagen einige. Sogar unmöglich, behaupten andere.

Peridotit – so nennt sich das besondere Gestein. Es besteht aus der ozeanischen Erdkruste sowie der darunter liegenden Schicht des Erdmantels. Im Oman ist es durch tektonische Verschiebungen vor knapp 100 Millionen Jahren an die Erdoberfläche gelangt.

Einmal an der Oberfläche reagiert der Stein mit der Luft und funktioniert wie eine riesige Batterie mit ungeheurem chemischen Potenzial, so Kelemen im Interview mit der Times.

„Direct-Air-Capture“ mittelfristig unrealistisch?

Das „Einfangen“ von CO2 aus der Luft erfreut sich steigendem Interesse unter Klimawissenschaftlern. Laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) könnte die Technologie im Kampf gegen die globale Erwärmung sehr wertvoll sein. Trotzdem gibt es bisher nur wenige Anstrengungen, sie in der Praxis umzusetzen. Weniger als zwanzig große Projekte gibt es weltweit und die zielen derzeit vor allem auf die Verringerung von Emissionen bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie in Kraftwerken.

Dr. Kelemen und seine Kollegen von der Columbia Universität wollen natürliche CO2-Filter wie die im Oman nutzen, um das Treibhausgas direkt aus der Luft einzufangen („Direct-Air-Capture“). In der Theorie ließe sich der von CO2 verursachte Treibhauseffekt so nicht nur aufhalten, sondern sogar umkehren.

Einige Experten äußern sich skeptisch und verweisen auf die enormen wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen. Das Gestein müsste in großen Mengen abgebaut, zerkleinert und ausgebreitet werden. Das ist nicht nur teuer, sondern würde auch ganze Landstriche zerstören.

Recyceltes Gestein als Zwischenlösung

Gregory Dipple von der University of British Columbia erforscht einen Ansatz, der einen einfacheren Weg aufzeigt, Kelemens Erkenntnisse zu nutzen; Und zwar in der Bergbau-Industrie. Platin, Nickel, Diamanten – diese Mineralien werden meist aus einem Gestein gegraben, das dem Peridotit sehr ähnlich ist. Da dieses Gestein ohnehin durch den Bergbau zu Tage gefördert wird, wären hier enorme Synergien vorhanden. Die starke Emissionsbelastung der Bergbau-Industrie könnte so fast vollständig neutralisiert werden.

Zugegeben, von einer Umkehr der Treibhausbelastung durch CO2 in der Atmosphäre ist der Ansatz zwar noch weit entfernt, doch lässt uns die Technologie Hoffnung schöpfen, dass wir im Kampf gegen den Klimawandel noch das ein oder andere Ass im Ärmel haben.

Quelle: NYT