Erwärmungspause kein Argument gegen den Klimawandel

Bis 2100 könnte sich die Erde um bis zu vier Grad erwärmen

Wissenschaftler haben eines der letzten Argumente gegen die Existenz der menschengemachten globalen Erwärmung entkräftet. Klimaskeptikern diente die Tatsache, dass sich die Erde seit der Jahrtausendwende wesentlich schwächer erwärmt hat, als aufgrund von Klimamodellen prognostiziert wurde, als möglicher Beweis, dass der Klimawandel nicht wie angenommen existiert. Die Skeptiker behaupten, dass die erstellten Klimamodelle fehlerhaft seien, da sie zu empfindlich auf die steigenden CO2- Emissionen in der Atmosphäre reagieren und die tatsächliche Erderwärmung deshalb überschätzen würden. Dadurch seien die vergangenen Temperaturprognosen, die auch den Klimaberichten des IPCC zugrunde liegen, zu hoch ausgefallen.

Schon seit Beginn des 21. Jahrhundert beschäftigte Klimaforscher die Frage, warum der tatsächlich gemessene globale Temperaturanstieg der letzten Jahre nicht mit der anhand von Modellsimulationen vorhergesagten Erwärmung übereinstimmt. Die Wissenschaftler des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) gehen davon aus, dass sich die Erde bis 2100 um bis zu vier Grad erwärmen könnte.

Die in den ersten 14 Jahren des 21. Jahrhunderts tatsächlich gemessene Erderwärmung passt aber nicht in diesen Trend, denn in diesem Zeitraum hat sich die Erde um lediglich 0,06 Grad Celsius aufgeheizt. Und damit wesentlich geringer als der IPCC prognostiziert hat. Deshalb lag bei vielen Skeptikern die Vermutung nahe, dass die erstellten Klimamodelle fehlerhaft sein könnten und die globale Erwärmung vielleicht doch kein so großes Problem darstellt, wie von Klimatologen bislang angenommen wurde.

Doch diese Thesen wurden jetzt entkräftet. Der Unterschied zwischen simulierter und tatsächlicher Erwärmung liegt nicht an systematisch fehlerhaften Klimamodellen, haben jetzt die Forscher Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Piers M. Forster, Professor an der Universität Leeds in Großbritannien bewiesen.

Ihre Erklärung dafür: Der langsamere Temperaturanstieg der letzten Jahre sei auf natürliche Schwankungen des Klimas zurückzuführen. Die Klimamodelle, die bis zum Ende des Jahrhunderts eine deutliche Erwärmung der Erde vor allem an den Polen vorhersagen, seien außerdem grundsätzlich korrekt und überschätzen die vom Menschen verursachte globale Erwärmung damit prinzipiell nicht. Die momentan stattfindende Erwärmungspause sei also eine völlig natürliche Schwankung, die aus den zufälligen Prozessen im Klimasystem resultiert.

Um die Messgenauigkeit der Klimamodelle nachzuweisen und die vermutete wirkliche Ursache der Erwärmungspause zu belegen, analysierten die Forscher zunächst tatsächliche und simulierte Temperaturtrends des 20. Jahrhunderts. Dabei kamen sie zu dem Schluss, das Klimasimulationen und tatsächlich gemessene Temperaturen in der Vergangenheit meist nah beieinander lagen.

Im zweiten Schritt prüften die beiden Forscher, warum die Klimamodelle in den letzten 15 Jahren eine weit größere Erwärmung vorhergesagt haben, als tatsächlich gemessen wurde. Vor allem das Argument von Klimaskeptikern, die Modelle reagierten zu empfindlich auf den steigenden Anteil an CO2 in der Atmosphäre, untersuchten sie dabei ganz genau. Aber auch andere Aspekte, die die verschiedenen Klimamodelle unterschiedlich stark in ihre Berechnungen mit einbeziehen, wie beispielsweise das Abfließen von auf der Erde gespeicherte Energie in die Ozeane, wurde als potenzielle Fehlerquelle unter die Lupe genommen.

Doch die Forscher gelangten dabei schnell zu dem Ergebnis, dass keiner dieser physikalischen Gründe eine Erklärung für die große Diskrepanz zwischen Realität und Prognose bietet, sondern das zufällige natürliche Schwankungen des Klimas dafür verantwortlich sein müssen. Piers Forster sagte dazu, obwohl die verschiedenen Klimamodelle die Temperaturtrends mit zum Teil mit sehr unterschiedlichen Empfindlichkeiten gegenüber Faktoren wie den steigenden CO2 Gehalt in der Atmosphäre errechneten, kämen sie alle grundsätzlich auf das gleiche Ergebnis. Daraus werde ersichtlich, dass diese Faktoren für die Prognosen eigentlich keine große Rolle spielen würden.

Das Fazit: Die momentan stattfindende Erwärmungspause ist eine natürliche Schwankung des Klimas und die Prognosen zur globalen Erwärmung, die durch die Modellsimulationen erstellt wurden, sind grundsätzlich richtig. Dass die Klimamodelle unterschiedlich empfindlich auf den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre reagieren, ist für die Erstellung der Vorhersagen zur globalen Erwärmung weitgehend unerheblich. Bis zum Jahr 2100 könnte sich der Planet demnach, sollte nicht bald etwas gegen die steigenden Treibhausgas- Emissionen unternommen werden, um bis zu 4 Grad Celsius aufheizen. Vor allem für die Entwicklungsländer und die dort lebende, zumeist arme Bevölkerung, hätte das extreme Auswirkungen, die man sich heute noch nicht einmal vorstellen kann.

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1 Kommentar

  • Es gibt für den menschen gemachten globalen Temperaturanstieg keinen experimentellen Beweis. Tatsächlich existieren rechergestützte Simulationsmodelle, die man dann mit der Realität abgleicht. Aber — kein Computer kann die Komplexität der Erde exakt abbilden. Das ist eine Theorie bestenfals – kein Beweis.