Erhöhtes Krankheitsrisiko durch globale Erwärmung

Klimawandel - Krankheiten
Klimawandel - Krankheiten

Mit der Klimakonferenz in Paris ist die globale Erwärmung gerade weltweit im Zentrum der medialen und politischen Bühnen. Die gefährlichen Folgen des Klimawandels werden viel diskutiert. Einige sind bisher jedoch deutlich weniger sichtbar. Eine davon könnten Krankheiten sein, die sich aufgrund der ansteigenden Temperaturen nun auch in Regionen ausbreiten, die durch kältere Wintermonate bisher von ihnen geschützt waren.

Mit der Klimakonferenz in Paris, die seit Anfang letzter Woche stattfindet, ist der Klimawandel im Moment in aller Munde. Viel wird geschrieben, gesprochen und diskutiert über die globale Erwärmung und ihre Folgen, über die Bemühungen der 196 Mitglieder der UNFCCC in Paris für das Zwei-Grad-Ziel sowie über schwindende Hoffnungen und pessimistische Prognosen, ob dieses Ziels zum aktuellen Stand überhaupt noch zu erreichen ist.

Wie vielfältig und komplex die Folgen der zunehmenden Erderwärmung sind, hatte zuletzt der Außenminister der USA, John Kerry, in seiner Rede am Flottenstützpunkt in Norfolk bekräftigt. Während sich Kerry auf sicherheitspolitische Implikationen und die nationale Sicherheit bezog, warnen Forscher seit langem vor anderen, weniger sichtbaren Folgen. Wie die Washington Post nun thematisierte, bedeuten wärmere Temperaturen und entsprechend mildere Winter auch ein langfristig höheres Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten. Im Norden Texas wurde 2012 ein extrem warmer Winter verzeichnet; kaum Schnee, fast kein Frost und ein feuchtwarmer Mai hinterher.

Bereits am 20. Juni 2012 wurde der erste Fall eines Ausbruchs des West-Nil-Virus bekannt. Das Virus führt zum sogenannten West-Nil-Fieber, benannt nach dem ersten isolierten Fall im West-Nil-Distrikt Ugandas, und wird durch Stechmücken übertragen. Im August waren bereits knapp 400 Menschen infiziert. Im Großraum Dallas kam es anschließend zu 19 Todesfällen. Es war der stärkste verzeichnete Ausbruch des West-Nil-Virus in der Geschichte der USA.

Die zentrale Studie über die Ausbreitung des West-Nil-Fiebers von 2012 machte vor allem die ungewöhnlich hohen Temperaturen für die hohe Zahl an Infektionen verantwortlich. Je wärmer es ist, desto aktiver sind die Mücken, die Vermehrung des Virus beschleunigt sich stark und die Infektionsrate steigt rapide. Kurz gesagt: Bleiben alle anderen Bedingungen gleich, dann wirkt ein wärmeres Klima verstärkend auf die Ausbreitung der Krankheit.

Natürlich beschränkt sich dieser Zusammenhang nicht auf das West-Nil-Virus. Generell äußern sich Wissenschaftler schon lange besorgt über die Auswirkungen der steigenden Temperaturen. Eine Vielzahl von Studien hat beobachtet, wie die klimatischen Veränderungen unserer Umwelt die Lebensräume vieler Krankheitsträger verschieben – meist in Richtung Norden.

Auch hier in Deutschland wirken die immer milderen Winter und verlängerten Wärmeperioden verstärkend auf die Ausbreitung bereits vorhandener sowie auch auf neue, hier nicht heimische Erreger. Die globale Erwärmung führt aufgrund der fortschreitenden Globalisierung zur vermehrten Ausbreitung exotischer Tierarten, die sich aufgrund der wärmeren Temperaturen bei uns immer wohler fühlen. Kurze und mildere Winter lassen sie in größeren Zahlen überleben und wirken so nicht mehr als natürlicher Schutz.

Ein Beispiel ist das ursprünglich aus Afrika stammende Usutu-Virus (ein enger Verwandter des West-Nil-Virus), das seit 2011 deutsche Zugvögel infiziert und in Italien bereits am Menschen festgestellt wurde. Auch die Asiatische Tigermücke kommt in der Bundesrepublik mittlerweile gut zurecht. Sie ist Überträger einiger exotischer Krankheiten, darunter unter anderem West-Nil-, Dengue-, Gelb- und Chickungunya-Fieber.

Aber auch einheimische Krankheitsverbreiter werden durch die wärmeren Temperaturen immer fleißiger. Zecken gelten hierfür, sowohl in den USA als auch in Deutschland, als gutes Beispiel. In Nordamerika sorgen die kürzeren und milderen Winter zur Verbreitung von Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Rocky-Mountain-Fleckfieber – und das immer nördlicher, teilweise bis tief in kanadisches Gebiet. In den südlicheren Staaten der USA kommt es unterdessen vermehrt zu Fällen der sogenannten Chagas-Krankheit, eine tropische Parasiteninfektion, die sich dank einer speziellen Raubwanzenart – auch „Kissing Bug“ genannt – von Südamerika aus in Richtung Norden ausbreitet.

Deutsche Arten, wie der Gemeine Holzbock oder die Auwaldzecke, werden ebenso immer aktiver. Von Jahr zu Jahr wird die Zahl der FSME-Risikogebiete (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erhöht. Die Zecken breiten sich einerseits immer weiter gen Norden aus, andererseits bleiben sie länger aktiv. Bei unter sieben Grad ziehen sich die unbeliebten Parasiten für gewöhnlich unter die Laubdecke zurück. Da diese Temperatur jedoch mittlerweile auch außerhalb der üblichen Zeckensaison (März bis Oktober) häufig überschritten wird, verlängern die Blutsauger ihr jährliches Treiben immer mehr.

Vor allem die Auwaldzecke ist ein gutes Beispiel für die Empfindlichkeit unseres Ökosystems gegenüber Temperaturveränderungen. Sie stammt ursprünglich aus Südeuropa, hat sich aber in Folge zunehmend steigender Temperaturen seit den 70er-Jahren auch in Deutschland angesiedelt und überträgt seitdem hierzulande Krankheiten wie Hundemalaria und Q-Fieber.

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Noch klingt das alles vergleichsweise harmlos. Doch wie Daniel. R. Brooks, Evolutionsbiologe an der University of Nebraska, von der Washington Post zitiert wird, ist die Biologie notorisch unberechenbar. Sie ist voller Schwellenwerte, die, wenn erstmal überschritten, ein riesiges und gefährliches Chaos anrichten können. Die Phase, die wir bezüglich der Temperaturveränderung in biologischer Hinsicht möglicherweise gerade durchlaufen, beschreibt mit einer Analogie zu einem Herzinfarkt – man fühlt sich ganz gut, bis zu dem Zeitpunkt an dem man plötzlich stirbt.

In einem Land wie den USA, in dem die Tragweite der globalen Erwärmung in der Bevölkerung bis heute umstritten ist, könnten die Folgen des Klimawandels in Form von Krankheiten weitere Signalwirkung haben und die Betroffenheitswahrnehmung der Menschen erhöhen, ähnlich wie es die von Kerry betonte Bedrohung der nationalen Sicherheit.

Dabei gibt es grundsätzlich zwei Probleme. Zum einen fand eine kürzlich veröffentlichte Studie der PNAS heraus, dass individuelle Meinungen über den Klimawandel in den USA signifikant von privaten und unternehmerischen Finanzierungen der jeweiligen Forschung beeinflusst sind und eine objektive Darstellung der Thematik somit de facto verhindern. Und zum anderen wird es höchstwahrscheinlich zu spät sein, die globale Erwärmung noch rechtzeitig zu stoppen, wenn die ungewohnten Fälle neuer Krankheiten so häufig vorkommen, dass sie von der Bevölkerung als ernsthafte Gefahr und Folge des Klimawandels wahrgenommen werden.

Mit der Klimakonferenz in Paris, die seit Anfang letzter Woche stattfindet, ist der Klimawandel im Moment in aller Munde. Viel wird geschrieben, gesprochen und diskutiert über die globale Erwärmung und ihre Folgen, über die Bemühungen der 196 Mitglieder der UNFCCC[FT1]  in Paris für das Zwei-Grad-Ziel sowie über schwindende Hoffnungen und pessimistische Prognosen, ob dieses Ziels zum aktuellen Stand überhaupt noch zu erreichen ist.

Wie vielfältig und komplex die Folgen der zunehmenden Erderwärmung sind, hatte zuletzt der Außenminister der USA, John Kerry, in seiner Rede am Flottenstützpunkt in Norfolk[FT2]  bekräftigt. Während sich Kerry auf sicherheitspolitische Implikationen und die nationale Sicherheit bezog, warnen Forscher seit langem vor weiteren weniger sichtbaren Folgen. Wie die Washington Post nun thematisierte[FT3] , bedeuten wärmere Temperaturen und entsprechend mildere Winter auch ein langfristig höheres Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten. Im Norden Texas wurde 2012 ein extrem warmer Winter verzeichnet, kaum Schnee, fast kein Frost und ein feuchtwarmer Mai hinterher. Bereits am 20. Juni wurde der erste Fall eines Ausbruchs des West-Nil-Virus bekannt. Das Virus führt zum sogenannten West-Nil-Fieber, benannt nach dem ersten isolierten Fall im West-Nil-Distrikt Ugandas, und wird durch Stechmücken übertragen. Im August waren bereits knapp 400 Menschen infiziert. Im Großraum Dallas kam es anschließend zu 19 Todesfällen. Es war der stärkste verzeichnete Ausbruch des West-Nil-Virus in der Geschichte der USA.

Die zentrale Studie über die Ausbreitung des West-Nil-Fiebers von 2012 machte vor allem die ungewöhnlich hohen Temperaturen für die hohe Zahl an Infektionen verantwortlich. Je wärmer es ist, desto aktiver sind die Mücken, die Vermehrung des Virus beschleunigt sich stark und die Infektionsrate steigt rapide. Kurz gesagt: Bleiben alle anderen Bedingungen gleich, dann wirkt ein wärmeres Klima verstärkend auf die Ausbreitung der Krankheit.

Natürlich beschränkt sich dieser Zusammenhang nicht auf das West-Nil-Virus. Generell äußern sich Wissenschaftler schon lange besorgt über die Auswirkungen der steigenden Temperaturen. Eine Vielzahl von Studien hat beobachtet, wie die klimatischen Veränderungen unserer Umwelt die Lebensräume vieler Krankheitsträger verschieben – meist in Richtung Norden.

Auch hier in Deutschland wirken die immer milderen Winter und verlängerten Wärmeperioden verstärkend auf die Ausbreitung bereits vorhandener sowie auch auf neue, hier nicht heimische Erreger. Die globale Erwärmung führt in Folge der fortschreitenden Globalisierung mit beinahe unbegrenzter individueller Mobilität und einem von Entfernungen kaum noch eingeschränkten internationalen Handel zur vermehrten Ausbreitung exotischer Tierarten, die sich aufgrund der wärmeren Temperaturen bei uns immer wohler fühlen. Kurze und mildere Winter lassen sie in größeren Zahlen überleben und wirken so nicht mehr als natürlicher Schutz. Ein Beispiel ist das ursprünglich aus Afrika stammende Usutu-Virus (ein enger Verwandter des West-Nil-Virus), das seit 2011 deutsche Zugvögel infiziert und in Italien bereits am Menschen festgestellt wurde. Auch die Asiatische Tigermücke kommt in der Bundesrepublik mittlerweile gut zurecht. Sie ist Überträger einiger exotischer Krankheiten, darunter unter anderem West-Nil-, Dengue-, Gelb-und Chickungunya-Fieber.

Aber auch einheimische Krankheitsverbreiter werden durch die wärmeren Temperaturen immer fleißiger. Zecken gelten hierfür, sowohl in den USA als auch in Deutschland, als gutes Beispiel. In Nordamerika sorgen die kürzeren und milderen Winter zur Verbreitung von Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Rocky-Mountain-Fleckfieber – und das immer nördlicher, teilweise bis tief in kanadisches Gebiet. In den südlicheren Staaten der USA kommt es unterdessen vermehrt zu Fällen der sogenannten Chagas-Krankheit, eine tropische Parasiteninfektion, die sich dank einer speziellen Raubwanzenart, auch „Kissing Bug“ genannt, von Südamerika aus in Richtung Norden ausbreitet. Deutsche Arten, wie der Gemeine Holzbock oder die Auwaldzecke, werden ebenso immer aktiver. Von Jahr zu Jahr wird die Zahl der FSME-Risikogebiete (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erhöht. Die Zecken breiten sich einerseits immer weiter gen Norden aus, andererseits bleiben sie länger aktiv. Bei unter sieben Grad ziehen sich die unbeliebten Parasiten für gewöhnlich unter die Laubdecke zurück, da diese Marke jedoch mittlerweile auch außerhalb der üblichen Zeckensaison (März bis Oktober) häufig überschritten wird, verlängern die Zecken ihre jährliches Treiben immer mehr.

Vor allem die Auwaldzecke ist ein gutes Beispiel für die Empfindlichkeit unseres Ökosystems auf Temperaturveränderungen. Sie stammt ursprünglich aus Südeuropa, hat sich aber in Folge zunehmend steigender Temperaturen seit den 70er-Jahren auch in Deutschland angesiedelt und überträgt seitdem hierzulande Krankheiten wie Hundemalaria und Q-Fieber.

Noch klingt das alles vergleichsweise harmlos. Doch wie Daniel. R. Brooks, Evolutionsbiologe an der University of Nebraska, von der Washington Post zitiert wird[FT4] , ist die Biologie notorisch unberechenbar. Sie ist voller Schwellenwerte, die, wenn erstmal überschritten, ein riesiges und gefährliches Chaos anrichten können. Die Phase, die wir bezüglich der Temperaturveränderung in biologischer Hinsicht möglicherweise gerade durchlaufen, beschreibt mit einer Analogie zu einem Herzinfarkt – man fühlt sich ganz gut, bis zu dem Zeitpunkt an dem man plötzlich stirbt.

In einem Land wie den USA, in dem die Tragweite der globalen Erwärmung in der Bevölkerung bis heute umstritten ist[FT5] , könnten die Folgen des Klimawandels in Form von Krankheiten weitere Signalwirkung haben und die Betroffenheitswahrnehmung der Menschen erhöhen, ähnlich wie es die von Kerry betonte Bedrohung der nationalen Sicherheit.

Dabei gibt es grundsätzlich zwei Probleme. Zum einen fand eine kürzlich veröffentlichte Studie der PNAS[FT6]  heraus, dass individuelle Meinungen über den Klimawandel in den USA signifikant von privaten und unternehmerischen Finanzierungen der jeweiligen Forschung beeinflusst sind und eine objektive Darstellung der Thematik somit de facto verhindern. Und zum anderen wird es höchstwahrscheinlich zu spät sein, die globale Erwärmung noch rechtzeitig zu stoppen, wenn die ungewohnten Fälle neuer Krankheiten so häufig vorkommen, dass sie von der Bevölkerung als ernsthafte Gefahr und Folge des Klimawandels wahrgenommen werden.


 [FT1]http://newsroom.unfccc.int

 [FT2]http://www.state.gov/secretary/remarks/2015/11/249393.htm

 [FT3]http://www.washingtonpost.com/sf/national/2015/11/27/disease/

 [FT4]http://www.washingtonpost.com/sf/national/2015/11/27/disease/

 [FT5]http://www.pewresearch.org/fact-tank/2015/11/06/the-u-s-isnt-the-only-nation-with-big-partisan-divides-on-climate-change/

 [FT6]http://www.pnas.org/content/early/2015/11/18/1509433112.abstract

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