Klimawandel: Das Great Barrier Riff stirbt

Das Great Barrier Riff ist eines der größten Ökosysteme der Welt

Es ist eines der sieben Weltwunder. Astronauten betrachteten es schon mit bloßem Auge aus dem Weltall. Doch es sieht danach aus, als würde die größte Ansammlung maritimen Lebens auf der Erde in seiner heutigen Form nicht mehr lange existieren. Denn das Great Barrier Riff stirbt. Und das leider mit rasanter Geschwindigkeit. Schon heute sind 50 Prozent des riesigen Ökosystems, das Millionen Pflanzen, Korallen und Meerestiere beheimatet, tot. Das entspricht einem Gebiet größer als England. Und die australische Regierung macht keine Anstalten, der Zerstörung entgegenzuwirken – im Gegenteil. Durch die weiterhin massive Förderung von Erdöl, Kohle und Gas ist sie mitverantwortlich dafür, dass das Riff und all seine Bewohner langsam zugrunde gehen.

Australien gilt als einer der wichtigsten Steinkohleexporteure der Welt. Auch gibt es dort noch riesige Erdölvorkommen. Erst kürzlich wurde auf dem Kontinent ein gewaltiges Schieferölfeld entdeckt. Allein dort könnten insgesamt 233 Milliarden Barrel des fossilen Rohstoffs lagern. Ein großer Teil der australischen Wirtschaft beruht also auf den fossilen Energieträgern, und die Regierung verdient mit am Export von Erdöl, Kohle und Erdgas.

Es scheint, als wären diese Gewinne vielen Verantwortlichen wichtiger als der Umweltschutz und die Wahrung jahrtausendealter Ökosysteme. Durch das Verschwinden des Great Barrier Riffs würde jedoch auch eine andere große Einnahmequelle des Landes leiden – der Tourismus. Denn jedes Jahr zieht es Millionen Taucher an die australischen Küsten, um die dortige Unterwasserwelt zu bewundern.

Dennoch schreitet der Abbau fossiler Rohstoffe und die damit einhergehende Zerstörung empfindlicher Ökosysteme wie dem Great Barrier Riff unaufhaltsam voran. Dr. Reese Halter, Umweltaktivist und Biologe, hat nun in einem Blogbeitrag in der „Huffington Post“ am Beispiel der australischen „Caley Wetlands“ erklärt, wie Regierung und Kohleindustrie die Zerstörung von Riff und Umwelt zugunsten der Förderung fossiler Ressourcen in Kauf nehmen.

Die Caley Wetlands bilden eine natürliche Barriere, die Schmutz daran hindert, aus dem Landesinneren in den Pazifik und damit ins Riff zu gelangen. Um den Kohle- und Gasexport weiter zu fördern, plant die Regierung jetzt, einen Hafen in der Nähe auszubauen. Dafür sollen fast 14 Millionen Kubikmeter schlammigen Erdreichs, das beim Ausbau anfällt, in den Caley Wetlands entsorgt werden. Für das Gebiet und die darin lebenden Pflanzen und Tiere wäre das eine riesige Katastrophe. Auch das Sterben des Riffs würde sich dadurch weiter beschleunigen.

Doch auch falls der Hafen nicht ausgebaut und die Caley Wetlands unberührt blieben, wird das Riff vermutlich trotzdem sterben. Denn das Beispiel Caley Wetlands ist leider nur eines von vielen. Überall auf dem Kontinent werden gewaltige Mengen fossiler Rohstoffe ausgebeutet. Dies belastet nicht nur die Umwelt, sondern setzt auch gewaltige Mengen an Treibhausgasen frei, die wiederum den Klimawandel vorantreiben. Erst kürzlich kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass allein in Australien mehr als 90 Prozent der fossilen Rohstoffe in der Erde bleiben müssten, um einen weltweiten Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad Celsius gegenüber dem präindustriellen Zeitalter zu vermeiden.

Doch dies wird aller Voraussicht nach nicht geschehen. Schon heute steigen aufgrund des Klimawandels die Temperaturen weltweit. Auch in Australien wird es immer wärmer. Allein sieben der zehn wärmsten, je auf dem Kontinent gemessenen Jahre, fielen auf den Zeitraum zwischen 2002 und 2014. Dadurch steigen natürlich auch die Wassertemperaturen. Infolgedessen verenden viele Korallenbestände weltweit. So leider auch am Great Barrier Riff.

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