Chasing Ice – den Klimawandel vor Augen

Eisberg in Grönland

„Einer der schönsten Filme des Jahres“ , titelte die Huffington Post. „Solche Bilder haben Sie noch nie gesehen.“, meint Robert Redford. „Ein Film über die Schönheit einer untergehenden Welt“, beschreibt ihn die ARD. Es dreht sich hierbei um den beeindruckenden Film „Chasing Ice“, der den fortschreitenden Klimawandel mit faszinierenden Aufnahmen dokumentiert. 

Die Dokumentation des National Geographic-Fotografen James Balog aus dem Jahre 2012 veranschaulicht den Gletscher-schwund infolge der globalen Erwärmung und macht damit mehr als einmal deutlich, dass der Klimawandel nicht ohne Folgen bleiben wird. Dies zu zeigen, war denn auch die Intention von James Balog – vor seiner Arbeit selbst ein großer Skeptiker des Klimawandels.

Doch die Bilder können nicht täuschen. So zeigt der Film unter anderem Ausschnitte eines kalbenden Gletschers: Das Kalben – also das Abbrechen größerer Eismassen von im Meer oder Binnengewässern endenden Gletschern – des Ilulissat-Gletschers in Westgrönland dauerte 75 Minuten und resultierte in einem Rückzug des Gletschers von etwa einer Meile über eine Breite von etwa drei Meilen, so groß wie die Südspitze Manhattans.

Den Grundstein des Dokumentarfilms legte zunächst ein Auftrag der National Geographic: James Balog sollte im Jahr 2006 auf Island am Sólheimajökull den Sonnenhausgletscher und dessen Veränderungen innerhalb von sechs Monaten durch Fotos darlegen. Der studierte Geomorphologe war hinsichtlich des schnellen Abschmelzens großer Eismassen entsetzt und entschloss sich daraufhin zu einem bisher einzigartigen Projekt: dem Extreme Ice Survey.

Das „EIS“ Projekt wird durch eine Gruppe junger Wissenschaftler getragen unter der Leitung des Geomorpholgen Balog. Ihr Ziel: die weltweiten Gletscherschmelze infolge der globalen Erderwärmung festzuhalten. Hierfür installiert das Team insgesamt rund zwei Dutzend Digitalkameras in Montana, Alaska, Island und Grönland, die am Tag stündlich ein Foto schießen.

Diese Aufnahmen können schließlich aneinandergereiht werden und somit die über drei bis vier Jahre dauernden Gletscherschmelze mit eindrucksvollen Bildern dokumentieren. Denn wie James Balog selbst richtig erkennt, kann man die Menschen nicht mit Hilfe von statistischen Berechnungen, neuen Computersimulationen oder vorausschauenden Prognosen vom Klimawandel überzeugen.

„Was die Öffentlichkeit braucht, sind glaubhafte, verständliche, sichtbare Beweise, die sie an den Eingeweiden packen“, so der Naturfotograf. Und dies ist ihm und seinem Team sichtlich gelungen. Innerhalb von nur vier Jahren und sechs Monaten schrumpft der isländische Sólheimajökull in sich zusammen, der Columbia Gletscher in Alaska zieht sich in drei Jahren um vier Kilometer zurück. Zwar entgegnen Kritiker, dass auch Gletscher wachsen, doch ist deren Zahl überschaubar: Nur vier der insgesamt 1.400 Gletscher legten an Eis zu, während beispielsweise von 1958 bis 2008 mehr als 300 Gletscher im kanadischen Yukon verschwanden. 

So schön die Aufnahmen der Dokumentation sind, so erschreckend wahr und unverfälscht sind sie gleichzeitig.

Add comment