Amazon-Chef Jeff Bezos – Klimaretter oder Heuchler?

Jeff Bezos, Chef von Amazon, hat zehn Milliarden Dollar für den Klimaschutz gespendet. Dafür erntet er Kritik.

Jeff Bezos, Gründer und Chef des Internetgiganten Amazon und reichster Mann der Erde, hat vor kurzem gesagt, der Klimawandel sei die größte Bedrohung für die Erde. Deswegen will er den „Bezos Earth Fund“ gründen und zehn Milliarden Dollar (rund 9,2 Milliarden Euro) spenden. Außerdem will er sein Unternehmen bis 2040 klimaneutral werden lassen. Das klingt, als sei Bezos ein ambitionierter Klimaschützer. Amazon dagegen ist ein echter Klimakiller und Bezos weiß das natürlich. Will er mit dieser Spende vielleicht nur davon ablenken? Viele Menschen vermuten genau das. Doch kann diese Spende nicht trotzdem etwas positives sein?

Kürzlich habe ich mir mal wieder die Frage gestellt, warum ich eigentlich meist eher pessimistisch bin. Meine Schwester ist da genau das Gegenteil. Während ich ein halbleeres Glas sehe, ist es für sie halbvoll. Sie denkt, dass sich die Menschheit ändern kann und das letztendlich auch geschehen wird. Ich dagegen sehe eher den Untergang.

Jeff Bezos spendet über 9 Milliarden Euro – und erntet Kritik

Als sie von Jeff Bezos zehn Milliarden Dollar Spende für den Klimaschutz hörte, sagte sie, ich solle doch etwas dazu schreiben. Sie findet, dass das eine gute Sache ist. Mein erster Gedanke dazu war auch positiv. Mit zehn Milliarden Dollar könnte doch wirklich was getan werden im Kampf gegen den Klimawandel, dachte ich. Im Netz fand ich jedoch schnell auch eine ganze Reihe von Kritikern seiner Aktion. Sein Unternehmen Amazon ist nämlich nicht gerade für Umweltschutz und Klimafreundlichkeit bekannt. Viele Menschen kritisieren daher Bezos Spende als rein strategisch und berechnend. Bezos wolle nur von den eigentlichen Problemen des Konzerns ablenken. Nach einigem Suchen fiel mir auf, dass die Resonanz insgesamt doch größtenteils negativ war.

Kann es schlecht sein, Geld für eine gute Sache zu spenden?

Ich fragte mich daraufhin, kann es denn etwas Negatives sein, Geld für die Lösung eines Problems zu spenden? Geld für den Tierschutz? Geld für den Kampf gegen Kinderarbeit? Gegen den Walfang? Selbst ich als derjenige mit dem halb leeren Glas, kann das mit einem Nein beantworten. Geld für den Klimaschutz zu spenden, ist eine gute Sache. Punkt. Genau wie es eine gute Sache ist, Geld für die Umwelt zu spenden, für den Kampf gegen Kinderarbeit und so weiter. Doch bei solchen Angelegenheiten geht es immer auch um das Wer. Und es geht um das Warum.

Kann der Spender jemand schlechtes sein?

Diese zwei Aspekte sind sogar enorm wichtig. Pablo Escobar hat zu seiner Zeit große Summen gespendet. Mit dem Geld wurden Schulen gebaut, Straßen ausgebessert und so die Lebensbedingungen des kolumbianischen Volkes verbessert. Die Spenden waren demnach eine gute Sache. Escobar war trotzdem ein schlechter Mensch. Er hat unbarmherzig Morde befohlen und allein nach Macht und Geld gestrebt. Warum aber hat Escobar dann überhaupt Geld für die Menschen gespendet?

Das ist an sich ziemlich logisch. Er tat das vor allem, um sich die Gunst der Bevölkerung zu sichern. Er spendete also aus Berechnung. Zu denken, dass er mit den Spenden tatsächlich nur helfen wollte, ist sehr naiv, schließlich war er ein Massenmörder, dem die meisten Menschen völlig egal waren.

Ich stellte mir die Frage nach dem Wer und Warum bei der aktuell diskutierten Spende. Jeff Bezos ist der reichste Mann der Erde. Sein Privatvermögen beläuft sich auf geschätzte 130 Milliarden Dollar. Jetzt 120 Milliarden, wenn er die Spende wahr macht. 120 Milliarden Dollar sind so unfassbar viel Geld. Niemand könnte auch nur die Hälfte davon in 100 Jahren ausgeben. Wahrscheinlich ist es kaum möglich, auch nur eine Milliarde Dollar in einem ganzen Leben auszugeben. Daher ist es Bezos wahrscheinlich völlig egal, ob er jetzt 130 oder „nur“ 120 Milliarden hat.

Sind zehn Milliarden Dollar zu wenig?

Er hätte von seinem Vermögen auch 129 Milliarden Dollar spenden können, und wäre trotzdem noch ein Milliardär, der sein restliches Leben in Luxus führen kann. Man kann also argumentieren – und tatsächlich wird ihm das aktuell vorgeworfen – dass die 10 Milliarden Dollar Spende viel zu wenig gewesen ist. Wenn es Bezos tatsächlich darum ginge, etwas zu bewegen, hätte er deutlich mehr Geld spenden können, sagen seine Kritiker. Also ist wirklich alles nur ein strategischer Zug, um vom eigentlichen Problem abzulenken?

„Klimakiller Amazon“

Klar ist, Bezos Unternehmen gilt nicht gerade als Vorzeigefirma für Umwelt- und Klimaschutz oder sozialer Gerechtigkeit. Was die Klimabilanz Amazons angeht, findet man eine Menge negativer Infos im Netz. Der Internetkonzern ist weltweit aktiv und verschickt täglich Millionen an Sendungen. Einige Milliarden im Jahr. Inklusive der kostenlosen Rücksendeoption, die von den Kunden natürlich gerne und viel genutzt wird. Die Transportmittel, die benötigte Energie für die Warenhäuser und Rechenzentralen, die Verpackungen – das alles bedeutet natürlich Treibhausgasemissionen. Dazu kommt Bezos unverhohlene Unterstützung der Öl- und Gasindustrie und seine häufigen Spenden an Thinktanks und Politiker, die den Klimawandel verleugnen. Bezos musste sich schon anhören, sein Unternehmen sei eines der klimaschädlichsten der Welt. Und da ist sicher was wahres dran.

Kurswechsel angestrebt?

Vor kurzem verkündete er, er wolle Amazon bis 2040 klimaneutral machen. Aber auch dafür erntete er viel Kritik. Vor allem von seinen eigenen Angestellten. Auch diesmal sind es gerade diese, die die Spende am kritischsten betrachten. Amazon sieht das nicht gerne. Mitarbeitern wurde in der Vergangenheit bereits mit Kündigungen gedroht, wenn sie ihre Kritik weiter äußern. Dennoch haben jetzt wieder 357 Beschäftigte in einem Blogbeitrag ihren Unmut geäußert. Und das unter Angabe ihrer Namen. Sie fordern Amazon darin auf, mehr für den Klimaschutz zu unternehmen. Die Klimaneutralität müsse schon bis 2030 erreicht werden. Amazon teilte daraufhin mit, bis 2030 zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umsteigen zu wollen.

Mein Fazit

Es scheint nicht leicht zu sein, als Konzern von der Größe und Bekanntheit Amazons, irgendwas richtig zu machen. Und ich verstehe sogar die häufige Kritik. Klar, Amazon ist bisher nicht gerade als grüner „Umwelt- oder Klimaengel“ bekannt. Und sicher, Amazon muss in vielen Bereichen dringend den Kurs ändern. Ich finde allerdings, dass es so aussieht, als versuche Bezos das gerade. Welche tatsächliche Motivation dahintersteckt, kann nur er mit Sicherheit sagen.

Doch ist das wirklich so wichtig? Immerhin will er Veränderung. Auf wie viele andere Klimasünder trifft das zu? Das er dafür jetzt so viel Kritik erntet, werden sicher auch andere Großunternehmer mitbekommen haben. Die werden es sich dann zweimal überlegen, einen ähnlichen Kurswechsel bekanntzugeben. Bezos wird die Kritik sicher auch vernommen haben. Und sich überlegen, in Zukunft nicht vielleicht doch lieber still und heimlich so weiterzumachen wie bisher. Kritik bekam er dafür ja auch schon.

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