Biokunststoffe: Schlechter abbaubar als gedacht

Biokunststoffe verrotten im Boden nur langsam. Laut einer neuen Studie sind Plastiktüten aus Biokunststoff noch nach drei Jahren intakt.

Plastiktüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen werden immer beliebter. Schließlich, so glauben viele, verrotten kompostierbare Plastiktüten wesentlich schneller als ihr Pendant aus Polyethylen (PET). Doch die Biokunststoffe halten nicht, was sie versprechen. Laut einer neuen Studie überdauern auch sie viele Jahre in der Natur. Eine Lösung für das Plastikmüll-Problem sind sie damit nicht, warnen Experten.

PET zerfällt erst nach 600 Jahren

Eine Welt ohne Kunststoffe wäre unvorstellbar. Besonders bekannt ist Polyethylen (PET). Daraus besteht beispielsweise die konventionelle Einweg-Plastiktüte im Supermarkt. In der EU werden rund 100 Milliarden Plastiktüten verbraucht – im Jahr! Hier beginnt das Problem: PET zerfällt äußerst langsam. Es kann mitunter 600 Jahre dauern, bis eine PET-Flasche vollständig zerfallen ist. Und leider wird viel Plastikmüll nicht ordnungsgemäß entsorgt oder gar recycelt. Vieles landet einfach in der Natur.

Unsere Ozeane sind dadurch so stark mit Plastik verschmutzt, dass riesige Inseln aus Plastikmüll entstanden sind. Und diese werden stündlich größer. Es müsste also dringend eine Alternative zum PET gefunden werden. Am besten wäre, ein ähnlich reißfestes und stabiles Material zu finden, das biologisch abbaubar ist. Die Lösung sollen Biokunststoffe sein. Kompostierbare Plastiktüten – einfach nach Gebrauch auf den Kompost und das Material zerfällt in kurzer Zeit. Ein großer Schritt bei der Lösung des Plastikmüll-Problems.

Biokunststoffe: Schlechter als ihr Ruf?

Doch einer neuen Studie zufolge ist das ein Trugschluss. Zwar zerfallen Biokunststoffe schneller als PET, aber bei weitem nicht so schnell wie versprochen. Das sagen Imogen E. Napper und Richard C. Thompson von der University of Plymouth. Für ihre Studie verglichen die beiden Forscher herkömmliches PET mit den jeweiligen Bioplastik-Varianten über einen Zeitraum von drei Jahren. Getestet wurde die Zerfallsdauer im Labor und unter natürlichen Bedingungen. So wollten sie ermitteln, wie schnell Bioplastik an der Luft, im Boden und im Meer verrottet.

Das Ergebnis: An der Luft zeigten die Materialien nach neun Monaten deutliche Anzeichen des Zerfalls. Im Boden und im Meerwasser waren die Tüten jedoch kaum zerfallen. Selbst nach drei Jahren konnten die Forscher noch Einkäufe transportieren, ohne dass die Tüten zerrissen. „Das dies bei biologisch abbaubaren Tüten möglich ist, war für uns sehr überraschend. Wer ein solches Produkt kauft, geht automatisch davon aus, dass es schneller verrottet als eine herkömmliche Plastiktüte. Aber unsere Studie zeigt, dass das auch nach drei Jahren nicht unbedingt der Fall ist“, resümiert Napper.

Kein klarer Vorteil gegenüber konventionellem Material

Insgesamt kommen die Forscher zu folgendem Ergebnis: Nicht jede als abbaubar gekennzeichnete Kunststofftüte verrottet in jeder Umgebung so gut wie gedacht. Somit sei unklar, ob biologisch abbaubare Materialien gegenüber konventionellen Plastiktüten überhaupt signifikante Vorteile bezüglich ihrer Zerfallsdauer haben. Zur wirkungsvollen Bekämpfung des Plastikmüll-Problems in den Ozeanen seien die Biokunststoffe demnach nicht geeignet.

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