Alpenhumus in den Bayerischen Bergwäldern beschützen

Klimawandel und Waldbewirtschaftung können die wertvollen Humusauflagen in den Bergwäldern der Bayerischen Kalkalpen gefährden und ihren Abbau beschleunigen. In einem von den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) über den Waldklimafond geförderten Verbundprojekt wurde der Alpenhumus als Kohlenstoffspeicher untersucht und ein Konzept zur Humuspflege entwickelt.

Die als Tangel- oder Alpenhumus bezeichnete Bodenauflage ist mit einem Anteil von 9 Prozent der gesamten Waldfläche der Bayerischen Alpen weiter verbreitet als bisher angenommen. Für die dortigen Berg- und Schutzwälder ist Tangelhumus oftmals das einzige Wurzelsubstrat.

Nicht nur diese Tatsache macht ihn aber so wertvoll. Er ist ein ausgezeichneter Wasserspeicher und trägt maßgeblich zum Wasserrückhalt bei. Außerdem bindet Tangelhumus deutlich mehr Kohlenstoff (C) als ein durchschnittlicher Waldboden – im Schnitt rund 193 Tonnen C pro Hektar statt 98. Die gesamte im bayerischen Alpenhumus gespeicherte Menge wird auf 4,2 Millionen Tonnen C geschätzt.

Wissenschaftliches Konzept zur Humuspflege

Der mit dem Klimawandel verbundene Temperaturanstieg und der unzureichende Nachschub an schwer zersetzlicher Streu und Totholz können den Abbau der empfindlichen Humusauflagen beschleunigen. „Ein vollständiger Verlust der organischen Bodenauflage würde erhebliche Mengen Kohlenstoff freisetzen und hätte dramatische Folgen für die Waldökosysteme“, erklärt Prof. Dr. Jörg Ewald von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Sein Team untersuchte zusammen mit Forschern des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München zwischen 2016 und 2020 im Verbundprojekt „Alpenhumus als klimasensitiver C-Speicher und entscheidender Standortfaktor im Bergwald“ u. a. die Temperatursensitivität von Tangelhumus und legte ein dreistufiges Konzept zur Humuspflege vor.

Lokalisierung von Humusvorkommen

Foto: Olleck, Michelangelo

Im ersten Schritt sieht das Konzept die Lokalisierung von Alpenhumusvorkommen vor, mit Hilfe eines geostatistischen Modells und einer interaktiven Substratkarte. So werden die Gebiete mit felsigen und steinigen Kalk- und Dolomituntergründen ohne mineralische Feinböden eingegrenzt, wo Tangelhumus entstehen kann. Zur sicheren Bestimmung im Gelände können dann säureanzeigende Pflanzen der Bodenvegetation helfen, die signifikante Tangelanzeiger sind, zum Beispiel Heidekraut- und Bärlappgewächse, sowie das Fehlen von Arten, die als Tangelmeider gelten.

Waldbauliche Empfehlungen zur Vorbeugung des Humusabbaus

Der zweite Schritt des Pflegekonzeptes umfasst waldbauliche Empfehlungen zur Vorbeugung des Humusabbaus. Besonders wichtig ist der Erhalt stabiler, artenreicher Dauerbestockungen. Dazu gehören neben strukturreichen Beständen, deren geschlossenes Kronendach nachteilige Bodenerwärmung abfängt, auch die Vorausverjüngung mit typischen Haupt- und Begleitbaumarten sowie eine angepasste Schalenwilddichte, die Naturverjüngung zulässt, und das Freistellen der Flächen von Waldweide.

Schritt Drei empfiehlt zur Wiederherstellung und Stabilisierung der Tangelhumusvorräte, Stamm- und Kronenholz zur Vermoderung im Wald zu belassen. Bei Borkenkäfermassenausbreitung könnten beispielweise die betroffenen Bäume gefällt und entrindet als Kohlenstofflieferanten am Standort belassen werden.

Im Abschlussbericht zum Projekt raten die Forscher in den Bergwäldern auf Alpenhumus die Kohlenstoff- und Wasserspeicherung gegenüber der Holzgewinnung zu priorisieren.

Quelle: https://www.waldklimafonds.de/service/presse/presse-detail/alpenhumus

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