Umfrage: Windkraft in Wäldern? Nein danke!

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Windenergie in deutschen Wäldern
Windenergie in deutschen Wäldern

Die Mehrheit der Deutschen steht Windkraftanlagen ablehnend gegenüber – wenn diese in Wäldern gebaut werden sollen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungs-forschungsinstituts Emnid hervor. Für den Ausbau der Windenergie dürfen keine Waldgebiete verändert werden, so die fast einhellige Meinung. Demgegenüber stehen Klimaschützer und der Bundesverband Windenergie. Die fordern, künftig Windanlagen verstärkt auch in Wäldern zu errichten, da Anlagen auf offenem Gelände allein nicht ausreichen würden, um den Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden.

Der größte Teil der deutschen Bevölkerung akzeptiert grundsätzlich, dass der Ausbau der Windkraft im großen Stil eine notwendige Maßnahme für den Klima- und Umweltschutz ist – auch wenn dafür ins Landschaftsbild eingegriffen werden muss. Auf diese Aussage berufen sich Politiker, Windkraft-Lobby und Klimaschützer gerne, wenn die Windkraft in der öffentlichen Kritik steht.

Doch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid, die im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung durchgeführt wurde, zeichnet ein ganz anderes Bild. Demnach stimmten 79 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Für den Ausbau der Windenergie sollten generell keine Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden“. Nur elf Prozent sind der Meinung, es sei in Ordnung, im Sinne der Windkraft Wälder zu verändern. Die Umfrage zeigte auch, dass das Thema Windkraft und Waldgebiete auf großes Interesse innerhalb der deutschen Bevölkerung stößt. Lediglich acht Prozent der Befragten gaben an, das Thema interessiere sie nicht.

Für Klimaschützer und Windkraft-Lobby ist die merheitliche Ablehnung sicherlich keine gute Nachricht, da deutlich wird, dass der Ausbau der Windenergie auf Kosten der Landschaft eben nicht allgemein akzeptiert wird, wie gerne behauptet. Auch die Deutsche Wildtier Stiftung zeigte sich durch die Umfrage in ihren Forderungen bestätigt. „Windkraft um jeden Preis kann nicht das Ergebnis der Energiewende sein“, so Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die Menschen in Deutschland wollen nicht, dass der Wald einer eindimensionalen Klimapolitik geopfert wird.“

Doch geht es den Menschen bei dem Thema vielleicht nicht einfach nur um ihr eigenes Wohl? Windkraftanlagen vor der Haustür im idyllischen deutschen Mittelgebirge – für viele ein Schandfleck im ansonsten so malerischen Landschaftsbild. Ist das der Hauptgrund für die große Ablehnung? Auch darauf hat Emnid eine Antwort. Demnach geht es weniger als der Hälfte der Befragten um ihre persönlichen Befindlichkeiten, sondern offenbar vielmehr um den Lebensraum Wald und seine Flora und Fauna. So antworteten nur 43 Prozent auf die Frage: „Würden Sie sich durch Windenergieanlagen im Wald gestört fühlen?“ mit Ja!

Scheinbar ist also das ernste Interesse und die Sorge um die Umwelt maßgeblich Grund für die ablehnende Haltung. Auch die Deutsche Wildtier Stiftung warnt vor der Gefährdung der im Wald lebenden Tiere – vor allem Vögel und Fledermäuse – durch den verstärkten Ausbau der Windenergie in Waldgebieten. Zur Zeit stehen etwa 25.000 Windkraftanlage in Deutschland, die meisten davon auf offenem Gelände. Schon heute fallen den Turbinen bis zu 240.000 Fledermäuse im Jahr zum Opfer. Sollten künftig mehr Anlagen in Waldgebieten errichtet werden, dürfte diese Zahl rasant ansteigen. Zudem leben viele gefährdete Tiere in Wäldern, gibt die Deutsche Wildtier Stiftung zu bedenken. „Die Öffnung des Waldes als Standort für Windenergieanlagen führt zur Gefährdung seltener Arten“, kritisiert Vahrenholt. Besonders sensibel reagieren auch Vogelarten. So halbierte sich beispielsweise der Brutbestand des seltenen Schwarzstorchs am hessischen Vogelsberg nach dem Bau von 125 Windkraftanlagen in einem Zeitraum von nur sechs Jahren. Schwarzstörche sind sehr störempfindlich. Viele andere Vögel hingegen sterben durch die direkte Kollision mit den Rotorblättern.

Doch trotz der offenbar großen Ablehnung der Deutschen und des Widerstands verschiedener Bürgerinitiativen sollen künftig verstärkt Waldgebiete für die Windkraft erschlossen werden. Das fordert auch der Bundesverband Windenergie. Der Grund sei, dass die „heutigen Erfordernisse der Energiestrategie mit Windenergie allein in der Offenlandschaft nicht zu erreichen“ seien. Einige Politiker, wie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer von den Grünen fordern sogar die Errichtung von Anlagen in Naturschutzgebieten. In einem Gastbeitrag für die „Welt“ schrieb er: „Wollte man alle Landschafts- und Naturschutzgebiete, die Mittelgebirgszüge oder gar alle Flächen in Sichtweite von Biosphärenreservaten von Windrädern frei halten, dann wäre der Ausbau der Windkraft beendet.“

Diese geteilte Sichtweise zwischen Klima- und Umweltschutz zeigt deutlich, mit welcher Brisanz das Thema Windenergie in Deutschland behaftet ist. Was ist wichtiger – Klimaschutz oder Artenschutz? Auch diese Frage stellte Emnid den Deutschen. Dabei gaben 64 Prozent den Tieren den Vorzug und teilten mit, dass im Zweifelsfall der Schutz von Vögeln oder anderen Tieren Vorrang vor dem Bau von Windkraftanlagen haben müsse. Trotzdem wird der Wald und seine Bewohner – so wie es derzeit aussieht – zumindest teilweise weichen müssen:

„Nur Sachsen-Anhalt hat bisher beschlossen, mit der Windkraft nicht in den Wald zu gehen“, sagt Vahrenholt. „In waldreichen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Brandenburg liegen schon Erlasse vor, die den Bau von Windparks im Wald trotz regionaler Widerstände erlauben“.

Dabei ist jedoch sicher das letzte Wort noch nicht gesprochen. Klimaschutz gegen Naturschutz – dieser Konflikt wird Deutschland demnach wohl auch in den nächsten Jahren entzweien.

 

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