Studie: So schädlich ist die intensive Landwirtschaft

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Die Landwirtschaft verursacht eine Reihe von Umweltproblemen. Das zeigt jetzt eine Studie des Umweltbundesamts.

Über 50 Prozent der Fläche Deutschlands wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Doch die Landwirtschaft ist eine extreme Belastung für Umwelt, Klima und Mensch. Das zeigt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts (UBA). Vor allem die Massentierhaltung ist Ursache für schwerwiegende Probleme, die neben Umwelt und Klima auch die menschliche Gesundheit gefährden können. Was sind die größten Öko-Sünden der Landwirtschaft und welche Maßnahmen empfiehlt das UBA, um die Problematik langfristig in den Griff zu bekommen?

Die Studie des UBA, „Umweltbelastende Stoffeinträge aus der Landwirtschaft“ zeigt in alarmierender Weise, wie stark die immer intensivere landwirtschaftliche Nutzung uns und unsere Umwelt belastet. Demnach werden durch die Landwirtschaft gleich eine ganze Reihe schwerwiegender Probleme verursacht. Gerade die Massentierhaltung ist für viele dieser Probleme verantwortlich, sagt auch UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Die größten Agrarumweltprobleme sind ohne Zweifel mit der räumlich konzentrierten Intensivtierhaltung in Großbetrieben verbunden, zitiert das Nachrichtenmagazin „Die Welt“ Krautzberger.

Landwirtschaft und Klima

Laut Studie ist die Landwirtschaft in Deutschland nach der Industrie der größte Verursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen. 2012 war die deutsche Landwirtschaft demnach für den Ausstoß von rund 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2)-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 7,7 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen dieses Jahres.

Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie die Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung. 2012 stammten rund 53 Prozent der gesamten Methan-Emissionen und über 77 Prozent der Lachgas-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft.

Neben den direkten Treibhausgasen verursacht die Massentierhaltung auch große Mengen Ammoniak, das aus den Ställen der Tiere entweicht. Ammoniak ist ein sogenanntes indirektes Treibhausgas, das die Bildung und Lebensdauer direkt klimawirksamer Gase wie beispielsweise Feinstaub fördert. Schon 2010 überschritten die Ammoniak-Emissionen in Deutschland die zulässige Höchstmenge.

Für den Klimaschutz und die Umsetzung der deutschen Emissionsziele bis 2020 ist die intensive landwirtschaftliche Nutzung demnach ein großes Problem, für das dringend eine Lösung gefunden werden müsste. Doch die intensive Landwirtschaft gefährdet nicht nur das Klima. Auch für Mensch und Umwelt stellt sie eine Belastung dar.

Landwirtschaft und Umwelt / Mensch

Durch die oft sehr intensive Düngung kommt es zu einer Anreicherung von Stickstoff und Phosphor in den Böden. Phosphorhaltige Düngemittel enthalten oft Schwermetalle. Bei (zu) starker Düngung können sich diese im Boden anreichern und über die Pflanzen in die Nahrungskette sowie das Grundwasser gelangen. Einige dieser Schwermetalle wie Kupfer und Zink können, in zu großen Mengen aufgenommen, auch die menschliche Gesundheit gefährden. Außerdem sind sie toxisch für einige Bodenmikroorganismen. Dies kann langfristig die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen.

Stickstoff, der mit der Gülle auf die Felder gelangt, gilt hierzulande schon seit einigen Jahren als große Belastung für die Ökosysteme und das Klima. In Deutschland sind 57 Prozent der Stickstoff-Emissionen auf die Landwirtschaft zurückzuführen, weit mehr als aus Industrie und Verkehr zusammen (jeweils 14 Prozent). Stickstoffdünger setzt das langlebige Treibhausgas Lachgas frei, das wesentlich klimaschädlicher ist als beispielsweise CO2. Außerdem wird überschüssiger Stickstoff, der von den Pflanzen nicht aufgenommen werden kann, in Form von Nitrat in die umliegenden Gewässer und ins Grundwasser geschwemmt und kann so auch in den menschlichen Organismus gelangen.

Dort wandelt sich Nitrat zu Nitrosaminen um, einem gesundheitsschädlichen Stoff, der sogar im Verdacht steht, Krebserregend zu sein. Laut Studie sind in Deutschland etwa 15 Prozent der Grundwasservorkommen über den zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter mit Nitrat belastet. Im Oktober 2013 hatte die Europäische Kommission sogar ein Mahnverfahren gegen Deutschland wegen unzureichender Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie eingeleitet.

Ein weiteres Risiko für den Mensch, dass durch die Landwirtschaft bzw. die Massentierhaltung entsteht, ist der meist obligatorische Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht. Durch zu viel Antibiotika können sich resistente oder sogar multiresistente Keime bilden. Wenn solche Keime den Menschen infizieren, helfen die sonst verlässlichen Antibiotika nicht oder nicht ausreichend. Die Zahl der multiresistenten Keime in der Landwirtschaft steigt seit Jahren – beim Menschen gab es auch in Deutschland bereits bestätigte Todesfälle durch MRSA-Keime aus der Landwirtschaft.

Auch für den Artenreichtum ist die Landwirtschaft eine große Bedrohung, so das Ergebnis der Studie. Durch den Einsatz von Pflanzenschutzmittel sterben nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Insekten und Futtertiere für größere Arten wie Vögel oder kleine Säugetiere. In einer Studie fanden Forscher heraus, dass die Artenvielfalt auf Feldern, die regelmäßig mit Pestiziden behandelt werden, um die Hälfte geringer war als auf ökologisch bewirtschafteten Äckern.

Lösungsvorschläge des UBA

Das UBA sieht einen möglichen Lösungsansatz in der Ausweitung des Ökolandbaus in Deutschland. Laut Studie könne mit der Umstellung auf den ökologischen Landbau ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung umweltbelastender Stoffeinträge aus der Landwirtschaft in die Umwelt erzielt werden. Krautzberger sagte der „Welt“, der Anteil des Ökolandbaus müsse bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent erhöht werden.

Dieses Ziel ist ambitioniert, denn momentan werden lediglich sechs Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland nach Ökostandards bewirtschaftet. Um das Ziel umzusetzen, fordert Krautzberger eine „stärkere finanzielle Förderung des ökologischen Landbaus“. Andernfalls werde „das 20- Prozent- Ziel erst 2070 erreicht“. Auch die Autoren der Studie empfehlen, die Mittel für die Ökolandbauforschung von derzeit 2,2 Prozent zumindest auf das Niveau des Ökoflächenanteils anzuheben und wenigstens rund sieben Prozent der Agrarforschungsgelder für den Ökolandbau zu verwenden.

Doch nur durch die Ausweitung des Ökolandbaus sind die Agrarumweltprobleme wohl nicht in den Griff zu bekommen, auch weil selbst bei 20 Prozent Ökolandbau die verbleibende landwirtschaftliche Fläche weiterhin kommerziell genutzt werden würde. Die Studie empfiehlt daher eine gezielte Umsetzung verschiedener Maßnahmen und Handlungsoptionen im kommerziellen Landbau. Für die Begrenzung des Stickstoffüberschusses beispielsweise müsse die Düngemittelverordnung erneut novelliert werden. Krautzberger forderte, die Landwirtschaft müsse insgesamt weniger Dünger verwenden und den wirklich benötigten Dünger emissionsärmer ausbringen.

Die gesamte Studie und alle empfohlenen Maßnahmen finden Sie unter diesem Link.

 

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