Textilstandard für nachhaltige Kleidung

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Kleidung aus ökologisch nachhaltigen Rohstoffen, wie Biobaumwolle ohne chemische Farbstoffe, ist für uns gesünder und entlastet die Umwelt. Das hat sich schon hinlänglich herumgesprochen. Mindestens genauso wichtig ist aber auch, unter welchen Arbeitsbedingungen unsere günstige Kleidung entsteht. Leider wird die Öffentlichkeit in den Industrienationen immer erst durch verheerende Katastrophen in den Textilfabriken in China, Indien, Pakistan, Bangladesch oder anderswo auf die menschenunwürdigen Umstände aufmerksam.

Gerechte Bezahlung – ein Menschenrecht

Die Fairtrade Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Verhältnisse zu verbessern und strebt seit der Einführung der fair gehandelten Baumwolle 2005 die Umsetzung des Textilstandards auf die gesamte Produktionskette an. Außerdem hat sich die Organisation die Anhebung des Lohns der Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter auf mindestens das Existenzminimum zum Ziel gesetzt. Grundlage dafür ist die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, die besagt, dass: jeder, der arbeitet, das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung hat, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen (Artikel 23, Absatz 3).

Was steckt hinter Fairtrade?

Die Vereinigung arbeitet mit Plantagenarbeitern und Kleinbauern aus Entwicklungsländern zusammen, um ihre Lebensbedingungen durch einen fairen Handel zu verbessern. Als Grundlage dafür dienen die sogenannten Fairtrade-Standards. Sie beinhalten unter anderem das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, die Einhaltung der Umweltrichtlinien und das Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut sowie Prämien für biologisch angebaute Produkte.

Um ihrem Anliegen mehr Gehör zu verschaffen, haben sich die in vielen kleinen Familienverbünden organisierten Bauern sowie Plantagen- oder Fabrikarbeiter zu einzelnen Gewerkschaften zusammen geschlossen. Fairtrade zahlt diesen Kooperativen eine Prämie, unter der Voraussetzung, dass sie der Gemeinschaft zu Gute kommt. Die Gewerkschaftler entscheiden selbst, was mit dem Geld geschehen soll. Zum Beispiel investieren sie in eine Brunnenanlage im Dorf oder bauen eine Schule. Die Arbeiter erhalten beim Verkauf ihrer Produkte außerdem auf fast alle Rohstoffe den Mindestpreis. Wenn die Preise auf dem Weltmarkt steigen, zahlt ihnen die Fairtrade Vereinigung den erhöhten Preis. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Produzentenorganisationen ein 50 prozentiges Stimmrecht haben. Als gleichberechtigte Partner beteiligen sie sich an allen wichtigen Entscheidungen und internationalen Belangen.

Faitrade-Textilstandard für die Lieferkette

Nachdem die Organisation im vergangenen Jahr verschiedene Pilotprojekte mit Textilherstellern in Indien und Südafrika durchgeführt hat, folgt nun der offizielle Startschuss für die Entwicklung eines Fairtrade-Textilstandards, der die gesamte Lieferkette abdeckt. Der Entwurf wurde mit verschiedensten Anspruchsgruppen entwickelt und diskutiert und vor Ort in den Produktionsländern auf seine Umsetzbarkeit getestet. Zu den Inhalten gehören beispielsweise Gewerkschafts- und Versammlungsfreiheit, sowie Kriterien zu Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Umweltrichtlinien. Für die Kontrolle ist die Zertifizierungsorganisation FLO-Cert zuständig. Der Ansatz des Fairen Handels geht jedoch über Zertifizierungen und Kontrollen hinaus und bietet in den Produktionsländern Unterstützung und Beratung bei der Umsetzung des Standards an. 

Die Öffentlichkeit ist gefragt

Aktuell geht der Entwurf in die sogenannte öffentliche Konsultation, d.h., dass zivilgesellschaftliche Organisationen, Hersteller, Händler und Experten dazu aufgerufen sind, die Bestimmungen zu kommentieren und einen Beitrag zu deren weiteren Entwicklung zu leisten. Alle in diesem Multi-Stakeholder Ansatz gesammelten Anmerkungen werden in den weiteren Prozess einbezogen und somit die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Bestimmungen sichergestellt. Denn nur wenn die Entscheidung für Kleidung aus fairem Handel in der Mitte der Gesellschaft ankommt, ist die Umsetzung und Anwendung der Bestimmungen auch dauerhaft gesichert.

Durch den Kauf von Produkten mit dem internationalen Fairtrade-Siegel, hilft die Vereinigung den Menschen sich selbst zu helfen. Ganz nebenbei schonen die Bestimmungen die Umwelt, und die Verbraucher werden für einen nachhaltigen Konsum sensibilisiert.

Im Rahmen der öffentlichen Konsultation können Interessierte ihre Beiträge und Anmerkungen zum Fairtrade-Textilstandard zwischen dem 09. März und 08. Mai 2015 auf der Homepage von Surveymonkey einstellen. Weitere Informationen zu Textilstandards und offene Prozesse zu anderen Richtlinien, sind auf der Webseite von Fairtrade International zu finden.

 

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