Wüstenbildung schreitet weltweit voran

Desertifikation

Ein neuer Bericht der UNCCD (Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung) warnt eindringlich davor, dass immer mehr Gebiete unserer Erde durch die Ausbreitung von Wüsten und Steppen bedroht sind: Konkret betroffen sind demnach bereits 168 Staaten. Jedes Jahr werden zwölf Millionen Hektar fruchtbarer Boden – etwa drei Mal die Fläche Hollands – durch den Einfluss des Menschen, wie zum Beispiel den von ihm forcierten Klimawandel, unbrauchbar. In Afrika sind sogar nahezu zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen nur noch begrenzt nutzbar.

Auf der bisher größten internationalen Konferenz zu diesem Thema fand UNCCD-Generalsekräter Luc Gnacadja klare Worte für diese Entwicklung: „Wir können nicht einfach so weitermachen.“ Wenn die weltfreite Nachfrage nach Nahrung wie prognostiziert bis 2030 um 50 Prozent zunimmt, sind zusätzliche landwirtschaftliche Flächen in einer Größenordnung von Südafrika nötig. Bodenerosion und Desertifikation sind also längst keine lokalen Probleme, wie auch Anneke Trux, Leiterin des Projekts Desertifikationsbekämpfung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, festhält: „Landdegradation ist ein globales Problem, das auch die Industriestaaten trifft.“

Besonders Staaten in Südeuropa kämpfen mittlerweile zunehmend gegen die voranschreitende Wüstenbildung. Beispielsweise sind in der spanischen Region Almeria rund 40 Prozent des Bodens bereits stark degradiert. Noch schlimmer trifft es Afrika: Laut den Vereinten Nationen verliert der Kontinent zwischen vier und zwölf Prozent seiner Wirtschaftsleistung im Agrarsektor. Burkina Faso und die USA müssen laut UNCCD-Berechnungen Verluste von jeweils 20 Prozent des landwirtschaftlichen BIP verkraften – weltweit sollen es durchschnittlich fünf Prozent sein.

Noch besteht allerdings Hoffnung. Laut Luc Gnacadja können wir „die Erosion von Land stoppen, weil zwei Milliarden Hektar Land wiederhergestellt werden können“. Auch Anneke Trux versichert, dass es die zur Umkehr nötigen Techniken längst gibt, sie müssten nur richtig angewandt werden. Viele dieser Maßnahmen würden sich außerdem bereits innerhalb weniger Jahre amortisieren. Generell sind sich die UNCCD-Wissenschaftler darin einig, dass es für die Menschheit deutlich billiger ist, wenn sie nun entschlossen handelt, statt einfach gar nichts zu unternehmen und abzuwarten.

Matthias Schaffer

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