TU Berlin entwickelt neuartige Pflanzenheizung

Dr. Martin Buchholz von der TU Berlin entwickelt Pflanzenheizung als Alternative zur Ölheizung; Foto: © TU-Pressestelle/Ruta

Wärmeversorgung verschlingt in Deutschland gewaltige 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfes. Da winterliche Sonnentage hierzulande leider die Ausnahme sind, kann davon gerade einmal ein Prozent mit Solarenergie abgedeckt werden. An der TU Berlin hat Dr. Martin Buchholz vom Fachgebiet Gebäudetechnik und Entwerfen gemeinsam mit Kollegen eine neuartige Pflanzenheizung entwickelt, die unabhängig von der Jahreszeit Wärme erzeugt und speichert.

Die Pilotanlage ist in einem Niedrigenergiehaus in Dahlem zu finden. Herzstück des neuen Heizungssystems ist ein schwarzer Plastik-Füllkörper, durch den eine Salzlösung rieselt. Der zwei Meter hohe Absorber verfügt über ein Volumen von einem Kubikmeter und eine Oberfläche von 80 (!) Quadratmetern und ist direkt mit einem Gewächshaus verbunden, in dem Schilf leicht verschmutztes Abwasser verdunstet.

Aufgrund seiner hygroskopischen Eigenschaft nimmt das Salz die Feuchtigkeit aus der Luft auf und wandelt den Dampf aus dem Gewächshaus in Wasser um. Bei diesem Phasenwechsel wird Wärme-Energie frei und die Salz-Wasser-Lösung erwärmt sich auf Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius. Nun kann die warme Sole entweder direkt zum Heizen in das Gebäude geleitet, oder in Tanks gespeichert werden. Durch die Zuführung von (durch Erdwärme) vorgewärmter Außenluft wird dann die – ohnehin schon preiswerte – Salzlake wieder aufbereitet und kann erneut Pflanzen-Wasserdampf in Wärme verwandeln.

Laut Dr. Martin Buchholz funktioniert diese Art der Heizung nicht nur mit Schilf oder anderen wintergrünen Pflanzen wie Bambus, sondern überall, wo ausreichend Dampf oder Feuchtigkeit entsteht. In Haushalten wären denkbare Möglichkeiten der elektrische Wäschetrockner oder der Dampf, der beim Duschen und in der Küche beim Kochen entsteht. In der Industrie ließe sich diese neue Art der Heizung beispielsweise bei der Herstellung von Milchpulver, Papier oder Spanplatten, oder in Schwimmbädern integrieren. Auch in Kühltürmen von großen Kraftwerken könnte mit der Salz-Wasser-Lösung eine zusätzliche und bisher ungenutzte Heizenergiequelle erschlossen und per Pipeline oder Lkw in die Städte transportiert werden.

Alles in allem scheint es sich bei der Pflanzenheizung der TU Berlin um ein Heizungssystem mit großem Potential zu handeln, das vielleicht ja auch von der Industrie erkannt wird. Eine andere sehr interessante Form der Heizung, die bereits auf dem Markt erhältlich ist, ist das von mir vor einiger Zeit hier vorgestellte SolarEis-System der isocal HeizKühlsysteme GbmH.

Matthias Schaffer

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