Sonntags reden, montags Meeting

Eigentlich wissen wir es besser! Nur ändern wollen wir nichts! Und das, obwohl wir von den Konsequenzen unserer schlechten Gewohnheiten nicht verschont bleiben – Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Umweltkrise, Energiekrise, Unternehmenskrise, Ehekrise.

In seinem Werk „Sonntags reden, montags Meeting“ geht der Naturwissenschaftler und Gründer des Instituts für Querdenkertum und Innovation, Erich Feldmeier, der Frage auf den Grund, warum wir Menschen nur selten nach Maßgabe der Vernunft oder Gerechtigkeit handeln – selbst wenn wir uns damit ins eigene Fleisch schneiden. Gleichzeitig zeigt er auf, wie Innovation und Fortschritt dennoch gelingen können.

 

Um den Ursprung unseres „Fehlverhaltens“ zu ergründen, bedient sich der Autor der Anthropologie, der Prinzipien der Evolution sowie der Spieltheorie. So zeigt er anhand verschiedenster Beispiele auf, dass

– die entscheidende Kraft unseres Handelns nicht die Vernunft, sondern das Gefühl ist,

– meist ein Dilemma zwischen einer Entscheidung für sich (Egoismus) und einer Entscheidung für die Gruppe (Altruismus) existiert und

– unsere Welt für den Einzelnen viel zu komplex ist, als dass er sämtliche Aus- und Wechselwirkungen begreifen könnte, die mit seinem Tun verbunden sind.

Der „Schlüssel zu gesellschaftlichem Wohlstand und Wohlergehen“ liegt laut Feldmeier darin, „unsere evolutionären Fesseln zu zerreißen“ und Interdisziplinarität und Querdenkertum zu fördern. Eine große – wenn nicht gar die – Chance für Fortschritt und Innovation sieht der Autor dabei in den „MINTs“. Mit diesem – für „Mathematiker, Ingenieure/Informatiker, Naturwissenschaftler, Techniker/Tüftler“ stehenden – Akronym spricht er die Individualisten, Querdenker und Eigenbrödler an, auf deren Innovationen, Vorschläge und Expertisen wir nicht länger verzichten könnten. Denn diese Minderheit entscheide sich, so Feldmeier, bewusst gegen persönliche Vorteile und für den Sieg der absoluten, objektiven Vernunft. Dadurch sei sie auch unsere Lebensversicherung gegen kollektiven Wahnsinn. Als Beispiel nennt der Autor in diesem Zusammenhang die Finanzkrise, die uns gezeigt hat, „wie drastisch Mainstream-Denken und Herdenverhalten unsere Lebensgrundlage vernichten können.“

Doch auch für die MINTs gelte: An der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Disziplinen führt kein Weg mehr vorbei. Zu komplex seien die Probleme und das Wissen zu ausdifferenziert, als dass der Einzelne alleine etwas bewegen könnte. Effektive Arbeitsteilung, argumentiert Feldmeier, müsse über Firmen-, Universitäts-, Instituts-, Partei- und Gruppengrenzen hinweg gehen. Dabei ginge es auch darum, offen für andere Sicht- und Herangehensweisen zu sein.

„Sonntags reden, montags Meeting“ vereint Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung mit Erfahrungen aus dem Alltag äußerst anschaulich. Interessante Informationen über die Hintergründe unserer, für Umwelt und Gesellschaft destruktiven, Handlungsweisen werden kombiniert mit konkreten Anregungen für deren Überwindung. Das Buch plädiert für die Vielfalt der Menschen, für Bildung, für ein nachhaltiges Wertesystem und gegen Diskriminierung.

Das Buch erschien 2010 im Alert-Verlag und ist für 24 Euro erhältlich.

Corinna Lang

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