Schwimmende Unterwasserstadt reinigt die Weltmeere

Plastikmüll
Plastikmüll

Der belgische Bio-Architekt Vincent Callebaut will ein Projekt verwirklichen, dass ebenso schön wie phantastisch klingt: Unter dem Namen Aequorea will er futuristische, völlig autarke Inseln bauen, die das Meer vom Plastikmüll befreien. Der Müll soll gleichzeitig als Rohstoff dienen, mit dem sich die Inseln selbstständig weiter vergrößern. Möglich machen sollen das 3D-Drucker, die ein Gemisch aus selbst angebauten Algen und Meeresplastikmüll als nahezu unendliche Baustoffquelle nutzen. Im nachfolgenden Video sehen Sie, wie sich der Naturarchitekt seine schwimmenden Inseln vorstellt.

 

 

 

Die Idee zu seinen „Ozeankratzern“ verpackte der Architekt in einem fiktionalen Brief, geschrieben von der Teenagerin Océan im Jahr 2065. Die in Aequorea geborene 15-jährige erklärt den „Menschen an Land“ darin, wie ihre futuristische Welt funktioniert. Völlig autark nutzt die Unterwasserstadt Callebauts den Müll des „siebten Kontinents“ um immer weiter zu wachsen.

So nennt Océan die gewaltigen Insel aus Plastikmüll im Meer, den die Generationen vor ihr durch den sorglosen Umgang mit der Umwelt verursacht haben. Das Traurige: Die Bezeichnung ist keineswegs von Callebaut erfunden. Der „siebte Kontinent“ existiert tatsächlich. Er liegt im Pazifischen Ozean – ein gigantisches Gebiet, mit rund 3,4 Millionen Quadratkilometern größer als Indien. Und er besteht ausschließlich aus Plastikmüll.

In der Vorstellung des visionären Architekten sammeln seine schwimmenden Inseln den Meeresmüll auf und verwenden ihn, um sich selbst zu versorgen und zu vergrößern. Vermischt mit in Aequorea eigens angebauten Algen entsteht ein Rohstoff, den 3D-Drucker nutzen, um weitere Bauelemente der Wasserstadt zu drucken. So vergrößert sich die Stadt nach und nach selbstständig.

Auf jedem der schwimmenden Ozeankratzern leben bis zu 20.000 Aquanauten – so nennt die 15-jährige die Bewohner von Callebauts Welt. Man betritt die Inseln über eine gewaltige Kuppel über der Wasseroberfläche, die begrünt ist mit einem dichten Wald aus Bäumen und Pflanzen. Darunter befinden sich – Stockwerk für Stockwerk – Wohnräume, Arbeitsstätten, Hotels, Labore und andere Einrichtungen – stabilisiert von künstlichen Nesseln, nach dem Vorbild der Tentakel von Quallen. Die Kunststoff-Nesseln gleichen den Wellengang und die Meeresströmungen aus und schützen vor Stürmen und Erdbeben.

Die benötigte Energie wird in Callebauts Zukunftsvision völlig autark und CO2-neutral erzeugt. Fossile Brennstoffe oder Atomkraft werden in dieser Welt nicht mehr benötigt. Stattdessen nutzen die Aquanauten die Biolumineszenz winziger Mikroorganismen zur Beleuchtung ihrer Städte. Strom wird mit Turbinen erzeugt, die durch die Meeresströmungen angetrieben werden. Auch Meereswärmekraftwerke, die den Temperaturunterschied zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser zur Stromerzeugung nutzen, gibt es auf Aequorea. Zusätzlicher Strom wird durch Solar- und Windkraftanlagen an der Oberfläche gewonnen.

Indem das Meereswasser in großer Tiefe mittels eines chemischen Prozesses vom Salz getrennt wird, produzieren die Bewohner der Ozeankratzer Süßwasser. Der Sauerstoff zum Atmen zirkuliert über ein System von Belüftungsrohren, die bis zur Wasseroberfläche reichen, oder wird mittels Elektrolyse aus Meerwasser hergestellt.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Schuhe aus Meeres-Plastikmüll für den Umweltschutz
  • Unternehmen will Straßen aus Plastikmüll bauen

Lebensmittel werden ebenfalls autark produziert. In Callebauts Vorstellung ernähren sich die Aquanauten vor allem von Algen, Meeresfrüchten und Plankton, die auf riesigen Unterwasserterrassen nachhaltig gezüchtet werden. Über der Meeresoberfläche gedeiht Obst und Gemüse. Ausbeutung der natürlichen Ressourcen wie zu Beginn des 21. Jahrtausends gebe es nicht mehr. Beim Fischfang werde nur soviel genommen, wie tatsächlich benötigt werde.

Auch wenn die Unterwasserstadt Aequorea bislang nur in der Vorstellung des Bioarchitekten existiert, zeigt sie doch auf beeindruckende Weise, wie weit die Menschheit technologisch bereits ist. Fast jede im Brief der fiktiven Teenagerin erwähnte Technologie gibt es tatsächlich schon heute. Wir müssten sie nur zum Wohle der Umwelt nutzen, anstatt sie weiter zu zerstören, so die Botschaft des Bioarchitekten.

Den fiktiven Brief „An Open Letter to the People of the Land“ finden Sie hier.

Add comment