Rohstoff Kohlendioxid?

CO2-Tanks

Das oberösterreichische Forschungsunternehmen Profactor arbeitet gemeinsam mit Universitäten und Partnern aus der Wirtschaft an mehreren Verfahren, die den Klimakiller Kohlendioxid in Rohstoffe für Produkte umwandeln sollen. Das Ziel ist es, in der Industrie anfallende CO2-Emissionen direkt weiter zu verarbeiten und somit neben dem Klimaschutz auch noch ein Zusatznutzen zu erzielen.

Die Forschungen konzentrieren sich dabei auf zwei verschiedene Richtungen der Kohlendioxidverwertung: Biotechnologie und physikalisch-chemische Ansätze. Enormes Potential sieht Manfred Reiter, der Bereichsleiter für innovative Energiesysteme von Profactor, vor allem in der Biotechnologie. Während physikalisch-chemische Methoden nämlich oft nur unter starker Hitze und sehr hohem Druck – also mit immensem Energieaufwand– funktionieren, laufen natürliche Vorgänge auch bei Atmosphärendruck und niedrigen Temperaturen ab.

Inspirationsquelle Natur

Bei einer Versuchsreihe namens „Bio-CCP“ verfüttern die Wissenschaftler das Treibhausgas an Mikroorganismen. Diese wandeln das CO2 dabei zu teilweise hochwertigen Industrie-Basisstoffen wie Ethanol, Butanol oder Essigsäure um.

Ein weiteres Biotech-Projekt mit dem Namen „Reg-Store“ ist laut Reiter „eine ganz radikale Innovation, bei der wir versuchen, die Elektrochemie und die Biotechnologie miteinander zu verheiraten“. Dabei soll eine Elektrolytlösung voller Mikroorganismen unter Strom gesetzt und auf diese Art Kohlendioxid in Ethanol, Butanol oder Methan verwandelt werden. Während bei ähnlichen Ansätzen Wasserstoff als Zwischenprodukt erzeugt wird, soll das neue Verfahren auf direktem Wege zum Ziel führen und so einen ungleich höheren Wirkungsgrad haben.

Physik, Chemie und … toter Hund?

Das Forschungsprojekt „Carbon Capture in Products – CCP” folgt hingegen einem chemisch-physikalischen Ansatz. Mittelgroße Zementwerke verursachen täglich rund 1.000 Tonnen CO2, das am Ende des Produktionsprozesses “energetisch gesehen ein toter Hund” ist, wie es Manfred Reiter ausdrückt. Durch Zufuhr von Energie kann das Kohlendioxid allerdings wieder mit anderen Stoffen reagieren ergibt am Ende Natriumformiat, das unter anderem als Enteisungsmittel auf Flughäfen verwendet wird.

Ganz neu ist die Idee Kohlendioxid als Rohstoff zu verwenden übrigens nicht. Neben Profactor gibt es auch noch andere Firmen, die Forschungen in ähnlicher Richtung betreiben. So haben wir bereits im März über ein, von der Bayer AG entwickeltes Verfahren zur Herstellung von Kunststoff aus CO2 berichtet.

Matthias Schaffer

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.