Rätselhaftes Süßwasser hebt Arktischen Ozean

Süßwasser in der Arktis

Wissenschaftler haben mit Hilfe von ESA-Satelliten-Aufnahmen einen rätselhaften Wulst im Arktischen Ozean entdeckt. Laut Dr. Katharine Giles vom University College London dürfte es sich dabei um enorme Mengen von frischem Süßwasser handeln, durch das sich die Meeresoberfläche in der Beaufortsee nördlich von Alaska seit 2002 um rund 15 Zentimeter angehoben hat.

Laut einer Berechnung der Forscher beinhaltet das Naturphänomen rund 8.000 Kubikkilometer vergleichsweise salzarmes Wasser, das aus Flüssen stammt und im Laufe der Zeit durch heftige Winde zusammengetrieben wurde. Diese im Uhrzeigersinn wehenden Winde sind auch die Ursache für die geheimnisvolle Erhebung, denn sie haben eine kreisförmige Meeresströmung entstehen lassen in deren Mitte das Wasser in den letzten Jahren um jährlich etwa zwei Zentimeter nach oben gedrückt wurde. Als möglichen Grund für das beschleunigte Wachstum des Wulstes nennen die Forscher das immer dünner und brüchiger werdende Eis, wodurch die Winde deutlich mehr Einfluss auf die Wasserbewegungen nehmen können.

Unklar ist noch, welche Auswirkungen die gigantische Ansammlung von Süßwasser in der arktischen Beaufortsee auf das komplexe Ökosystem unseres Planeten und das Klima haben könnte. Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, könnte eine zunehmende Vermischung des kalten Oberflächenwassers mit dem darunter liegenden wärmeren Salzwasser die Eisschmelze weiter beschleunigen. Das würde auch die Kreisströmung verstärken und eine Erwärmungsspirale in Gang setzen.

Aber auch wenn die Winde ihre Richtung ändern oder abflauen würden, könnte das verheerende Auswirkungen haben. In diesem Fall würde sich das Frischwasser in der Beaufortsee verteilen und möglicherweise auch das Nordmeer östlich von Grönland erreichen. Das Forschungsteam rund um Dr. Katharine Giles befürchtet, dass dadurch der Golfstrom gestört werden und somit Europas Wärmezufuhr aus dem Gleichgewicht kommen könnte. Konkrete Hinweise dafür gibt es zwar noch nicht, aber der ESA-Klimaforschungssatellit Cryosat-2 wird das betroffene Gebiet auf jeden Fall weiter überwachen.

Matthias Schaffer

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