PIK Bericht: das Meeresspiegel-Vermächtnis

Eisschmelze durch atmosphärische Erwärmung
Der künftige Anstieg des Meeresspiegel hängt u.a. stark von der Reaktion der Antartkis ab

Mit jedem Jahr steigt der Meeresspiegel etwas schneller.  Prognosen, um wie viel er in Zukunft noch steigen wird, gibt es viele. So hat erst kürzlich eine Forschergruppe der University of Colorado berechnet, dass der zunehmende Anstieg im Jahr 2100 bei zehn Millimeter pro Jahr liegen könnte. Das wäre circa drei Mal so hoch wie aktuell. Nun hat auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) einen Bericht herausgegeben. Im PIK Bericht kommen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass jede Verzögerung der Emissions-Wende um fünf Jahre eine Erhöhung des Meeresspiegels um 20 Zentimeter zur Folge haben könnte.

„Der menschgemachte Klimawandel hat bereits jetzt einen gewissen Anstieg des Meeresspiegels für die kommenden Jahrhunderte vorprogrammiert, aber das bedeutet nicht, dass unser heutiges Handeln keinen großen Unterschied macht“, erklärt Leitautor Matthias Mengel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Beim Höchststand der CO2-Emissionen kann jede Verzögerung um fünf Jahre zwischen 2020 und 2035 einen zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels von 20cm bedeuten – das entspricht dem Meeresspiegelanstieg, den wir seit Beginn der vorindustriellen Ära insgesamt erlebt haben.“

Mit Maßnahmen des Pariser Klimaabkommen will man diese Entwicklung so gut es geht verlangsamen. Forscher des PIK haben nun erstmals untersucht, welch eine Entwicklung des Meeresspiegels anhand des Pariser Klima-Abkommen bis 2300 zu erwarten ist. Das Ergebnis: Sollte Paris vollständig umgesetzt werden, wird der globale Meeresspiegel bis 2300 zwischen 0,7m und 1,2m ansteigen. Dabei werden insbesondere die Treibhausgas-Emissionen vor 2050 zu einer wichtigen Stellschraube für den künftigen Meeresspiegel.

PIK-Bericht Ursache und Wirkung

Ursachen für den Anstieg des Meeresspiegels gibt es viele. Die Erwärmung, die Ausdehnung der Ozeane sowie das Abschmelzen von Gletschern, Eiskappen und den riesigen Eisschilden Grönlands und der Antarktis sind Phänomene, die nun bereits seit Jahrzehnten, teilweise sogar schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts beobachtet werden.

In dem Modell der Forscher werden die Faktoren, die zum Meeresspiegelanstieg beitragen, einzeln dargestellt, wobei neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt wurden. Es gibt damit die unterschiedlichen Reaktionen auf die Erderwärmung wieder, wie beispielsweise die des antarktischen Eisschilds. „Nach unserem heutigen Kenntnisstand zur Instabilität der Eisschilde könnten große Eismasseverluste der Antarktis selbst bei einer mäßigen Erwärmung möglich sein, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen wäre“, so  Mengel. „Selbst ein Meeresspiegelanstieg von bis zu drei Metern bis 2300 kann nicht völlig ausgeschlossen werden, da wir noch nicht mit Sicherheit sagen können, wie das antarktische Eisschild auf die globale Erwärmung reagieren wird.“

„Im Pariser Klima-Abkommen ist ein möglichst früher Scheitelpunkt der Emissionen festgeschrieben“, ergänzt Ko-Autor Carl-Friedrich Schleussner vom PIK und Climate Analytics. „Das mag wie eine leere Phrase klingen, doch unsere Ergebnisse zeigen, dass es quantifizierbare Folgen gibt, wenn die entsprechenden Maßnahmen verzögert werden. Deshalb sind sogar innerhalb der Ziele des Pariser Abkommens schnelle Klimaschutzmaßnahmen von maßgeblicher Bedeutung, um zusätzliche Risiken zu begrenzen. Für Millionen von Menschen in Küstengebieten auf der ganzen Welt kann jeder Zentimeter den Unterschied machen – zur Begrenzung des Meeresspiegelanstiegs ist daher die unmittelbare Senkung der CO2-Emissionen entscheidend.“

Quellen:
https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/meeresspiegel-jede-verzoegerung-der-emissionswende-um-5-jahre-fuehrt-bis-2300-zu-20cm-hoeherem-anstieg
https://www.tagesschau.de/ausland/meeresspiegel-101.html

 

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