Ozonloch vergrößert sich

Polare Stratosphärische Wolke in der Arktis; Foto: Ross J. Salawitch, University of Maryland

Es klingt wie eine Schlagzeile aus den 90er Jahren: Die Ozonschicht geht zurück. Und doch ist es ein aktuelles Thema. Über der Arktis haben Wissenschaftler eine besorgniserregende Vergrößerung des Ozonlochs festgestellt.

Wir erinnern uns noch gut. Auf einmal durfte man keine Deosprays mehr kaufen und Kühlschränke mussten FCKW-frei sein. Denn über der Antarktis hatte sich in den 70er Jahren und später in den 90ern auch über der Arktis auf der Nordhalbkugel ein Ozonloch von bedrohlichen Ausmaßen entwickelt. Ursache waren Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die tonnenweise durch den Menschen in die Atmosphäre gebracht wurden und die empfindliche Ozonschicht angegriffen hatten. Dadurch kann die für das Leben auf der Erde schädliche Ultraviolettstrahlung die Atmosphäre ungehindert passieren und immensen Schaden anrichten.

FCKWs sind seit dem Montrealer Protokoll 1989 verboten, aber das Ozonloch wächst weiter. Das berichten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI). Ihnen zufolge kommt es auch im Zusammenhang mit Klimaveränderungen zu einem Abbau der Ozonschicht. Ungewohnt tiefe Temperaturen in den Bereichen der arktischen Ozonschicht sollen für den raschen Ozonabbau verantwortlich sein. In den unteren Luftschichten (in der Troposphäre) nimmt seit Jahren die Treibhausgaskonzentration zu, dadurch wird die Wärmestrahlung in den unteren Atmosphärenschichten zurückgehalten und erwärmt diese. In den höheren Schichten, der Stratosphäre, kommt weniger Wärmerückstrahlung an, es kühlt sich ab. Dort aber befindet sich die empfindliche Ozonschicht. Durch den Abkühlungsprozess werden offenbar die Ozonteilchen (O3) angegriffen und die schützende Ozonschicht wird dünner.

pvn110314 475 wWissenschaftler betreiben im Rahmen des Projekts Reconcile ein internationales Netzwerk aus 30 Ozonsondierungsstationen, verteilt über die gesamte Arktis und Subarktis. Den Messungen zufolge wurde in der für die Ozonkonzentration entscheidenden Atmosphärenschicht schon etwa die Hälfte des Ozons zerstört, wie der AWI-Wissenschaftler Dr. Markus Rex konstatiert. Und er rechnet damit, dass die Zersetzung anhält.

Was bedeutet das für uns? Wer schon einmal im südlichen Südamerika war, der weiß, dass sich die Nähe zum Ozonloch dort drastisch bemerkbar macht und dass ein Sonnenschutzfaktor von 15 oder 20 keineswegs ausreichend ist. Durch die Vergrößerung des arktischen Ozonlochs  könnte auch in unseren Breiten künftig mit einer erhöhten UV-Strahlung zu rechnen sein. Man sollte sich entsprechend darauf einstellen und Schutzmaßnahmen treffen (Sonnenschutz, Kopfbedeckung und so weiter), vor allem für Kinder. Langfristig kann sich die Ozonschicht generieren, so wie auch über der Antarktis das Ozonloch zwischenzeitlich schon etwas zurückgegangen ist. Dazu muss allerdings die derzeitige rasante Entwicklung unterbunden werden.

Josephin Lehnert

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