Ozonloch 2011 erstmals auch über der Arktis

Ozonloch 2011
Eisschollen; Foto: jojo1986 (aboutpixel)

Seit Anfang der 80er-Jahre wird immer im Frühjahr ein Loch in der schützenden Ozonschicht über dem Südpol der Erde beobachtet. 2011 „schmolz“ die Ozonschicht nun auch über der Arktis derart dramatisch, dass Wissenschaftler erstmals in der Geschichte auch dort von einem Ozonloch sprachen. In einem Beitrag des Nature-Magazins wurden nun die Gründe dafür und das Ausmaß der Katastrophe näher beleuchtet.

Demnach forcierten in diesem Jahr extrem tiefe Temperaturen am Nordpol die Bildung von polaren Stratoshpärenwolken aus Wasser, Schwefelsäure und gefrorener Salpetersäure. In diesen Wolken wandeln sich langlebige Chlorverbindungen unter anderem zu Chlormonoxid-Radikalen um, die das Ozon aggressiv angreifen. Noch ist zwar nicht vollständig geklärt, wie es zu derartigen Tiefsttemperaturen von unter minus 80 Grad überhaupt erst kommen konnte, denn in Bodennähe hat die Arktis eigentlich mit einem starken Temperaturanstieg zu kämpfen, aber es scheint sich um ein Phänomen zu handeln, das uns auch in den nächsten Jahren blühen wird.

Ein weiterer Grund für das Ozonloch über der Arktis war ein besonders kräftiger Polarwirbel in der Region. Es handelt sich dabei um ein Tiefdruckgebiet, das über längere Zeit stabil bleibt und in den hohen Luftschichten über Nord- und Südpol zu finden ist. Während der Polarwirbel normalerweise über der Antarktis deutlich heftiger ausfällt als im Norden, war es 2011 genau umgekehrt. Als Folge wurde die Atmosphäre dort stärker vermischt und die Ozonschicht noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen.

In Kombination führte das in der Stratosphäre zu einem extremen Verlust der Ozonschicht, der laut den Forschern in dem Bereich zwischen 18 und 20 Kilometern Höhe besonders drastische Werte von etwa 80 Prozent erreichte. Auch die Fläche des Ozonloches über der Arktis war gewaltig: Zeitweise erreichte es eine Ausdehnung von zwei Millionen Quadratkilometern und die Ausläufer reichten sogar bis nach Deutschland. Besonders betroffen von den Folgen, wie der ohne schützende Ozonschicht besonders gefährlichen UV-Strahlung, waren Osteuropa und Russland.

Obwohl der industrielle Gebrauch von Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) nach Bekanntwerden des Ozonloches über der Antarktis drastisch gesenkt wurde, ist übrigens auch dort das Ozonloch weiter gewachsen. Und nun gibt es also auch am Nordpol ernsthaften Grund zur Sorge.

Matthias Schaffer

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