Mythos: „Pestizide sind unentbehrlich für die Welternährung“

Sind Pestizide unentbehrlich?Sind Pestizide unentbehrlich?
Sind Pestizide unentbehrlich?

Die aktuelle Annahme bezüglich der Pestizide, dass „Chemikalien einer Reihe von Labortests unterliegen oder in Freilandversuchen getestet werden und somit im industriellen Maßstab harmlos seien, ist falsch“. Dies bekunden die britischen Wissenschaftler Alice Milner und Ian Boyd in einem kürzlich veröffentlichten Artikel „Toward pesticidovigilance“ – „Umsicht mit Pestiziden“.

Allgemein gilt die Annahme: Pestizide bilden einen wichtigen Bestandteil der intensiven Landwirdschaft und damit der globalen Lebensmittelproduktion. In der Europäischen Untion sind ca. 500 verschiedene Wirkstoffe in Pestiziden zugelassen. Im industriellen Maßstab können diese Pestizide der Umwelt schaden. Doch es gilt die allgemeine Ansicht, dass wir  einen „Trade-off“ zwischen den negativen Umwelteffekten und der Notwendigkeit, Lebensmittel zu produzieren, finden müssen.

Doch auch United Nations Experten verurteilen die allgemeine Annahme, dass Pestizide unentbehrlich für die Welternährung seien. In einem United Nations Report erweisen sich Experten als extrem kritisch gegenüber Pestizid-Herstellern und beschuldigen sie der „systematischen Verleugnung von Langzeitschäden“. Weiterhin werfen sie den Herstellern aggressive und unethische Marketingstrategien vor. Die Unternehmen leisten schwerwiegende Lobbyarbeit, um globale Pestizid-Einschränkungen lahmzulegen.

Überwachung der zugelassenen Pestizide

Der Mangel an Einschränkungen der Pestizidanwendung und das faktische Ausbleiben von Pestizidüberwachungen bedeutet häufig Folgendes: Negative Umwelteffekte werden erst Jahre später offensichtlich.

Die Effekte, ganze Landstriche mit Chemikalien zu besprühen, seien von Regulationssystemen weitestgehend ignoriert worden, so Boyd und Milner. „Das kann und soll geändert werden“. Die beiden Wissenschaftler vergleichen die Situation mit Arzneimitteln, für die ein System der gründlichen globalen Überwachung besteht. Doch dieses systematische Überwachungssystem gibt es für Pestizide in der Landwirtschaft nicht, kritisieren Boyd und Milner.

Daher erklärt Milner: „Wir wollen eine öffentliche Diskussion darüber starten, wie wir ein globales Überwachungsprogramm für Pestizide einrichten können, das dem der Arzneimittel gleicht.“ Denn jede Chemikale, die in der Umwelt freigesetzt würde, hätte das Potential, weit verbreitet zu werden. Das allbekannte DDT (Chlorphenotan), ein Insektizid, das inbesondere Anfang der 1940er-Jahre als Kontakt- und Fraßgift eingesetzt wurde, ist ein gutes Beispiel für den Vernetzungsgrad von Ökosystemen. Oft entstehen bei der Freisetzung unerwartete Effekte, die erst aufgedeckt werden, wenn das Pestizid im industriellen Maßstab eingesetzt wird.

Erfahre mehr darüber, wie sich Dörfer gegen den Einsatz von Pestiziden wehren, hier auf CleanEnergy Project.