Mit Kieselalgen gegen den Klimawandel

Das Forschungsschiff Polarstern

Ein möglicher Weg dem Klimawandel doch noch Einhalt zu gebieten ist sogenanntes Geo- oder Climate-Engineering. Es handelt sich dabei um gezielte Eingriffe in das Klimasystem der Erde. Diskutiert werden dabei beispielsweise Vorschläge, wie Schwefeldioxid in die Stratosphäre zu befördern, damit dieses dann die Sonnenstrahlen reflektiert und dadurch die Erderwärmung abschwächt. Einer ähnlich hinterfragenswerten und vieldiskutierten Klimaschutzmaßnahme, nämlich der künstlichen Erzeugung von Algen durch die Düngung der Ozeane, ist nun von einem internationalen Forscherteam der mögliche Erfolg bescheinigt worden.

Ihre Einschätzung begründen die Wissenschaftler mit der Auswertung des Eifex (European Iron Fertilization Experiment) aus dem Jahr 2004, wobei sieben Tonnen Eisensulfat in einen Ozeanwirbel des Südpolarmeeres gekippt wurden. Durch diese Düngung einer Meeresfläche von 167 Quadratkilometern wurde zunächst eine künstliche Kieselalgenblüte in den oberen Wasserschichten ausgelöst. In dem darauf folgenden Massensterben sanken die toten Algen dann in größeren Klumpen in die Tiefe. Laut Victor Smetacek vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) erreichten sie dabei viel tiefere Wasserschichten, als bisher angenommen: „Wir konnten nachweisen, dass über 50 Prozent der Planktonblüte mehr als tausend Meter tief sanken“. Dies bedeutet laut dem Forscher und seinen Kollegen, dass der in den Algen gebundene Kohlenstoff für Hunderte von Jahren in den Tiefen des Meeres gespeichert sein dürfte.

Widersprüchliche Ergebnisse

Die neuen Forschungsergebnisse widersprechen allerdings bisherigen Experimenten, die eher Gegenteiliges erwiesen und deshalb die Sinnhaftigkeit der Methode stark hinterfragt hatten. So bildeten sich beispielsweise in dem umstrittenen Lohafex-Experiment im Jahr 2009 nach der künstlichen Düngung kaum Kieselalgen, sondern hauptsächlich Kleinalgen (Phytoplankton), die dann von winzigen Ruderfußkrebsen schlicht und einfach weggefressen wurden. Letztlich landete deshalb nur sehr wenig CO2 aus der Atmosphäre auch tatsächlich auf dem Meeresboden. Da die Ergebnisse derartiger Experimente so stark hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, hatten sich auch Unesco-Experten in einem Bericht vor etwas mehr als einem Jahr bereits gegen den Einsatz der Meeresdüngung ausgesprochen.

Die Idee mit künstlichem Algenwachstum den Klimawandel rückgängig zu machen, ist übrigens schon über 20 Jahre alt und stammt von dem verstorbenen US-Meeresforscher John Martin. Bei seiner Einschätzung der Erfolgschancen war er allerdings noch deutlich optimistischer, als die AWI-Forscher in ihrer in dem Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Analyse, wie folgendes überlieferte Zitat beweist: „Geben Sie mir einen halben Tanker mit Eisen, und Sie kriegen von mir die nächste Eiszeit.“

Matthias Schaffer

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