Luftverschmutzung verringert Intelligenz

Studie: Luftverschmutzung verringert Intelligenz
Studie: Luftverschmutzung verringert Intelligenz

Menschen die hochgradiger Luftverschmutzung ausgesetzt sind, haben eine verringerte Intelligenz. Das ist das Ergebnis einer chinesischen Studie. Der Effekt ist vergleichbar mit einem gesamten verlorenen Schuljahr. Ältere Menschen sowie Männer sind besonders stark betroffen.

Luftverschmutzung erzeugt eine starke Verringerung der Intelligenz für die ihr ausgesetzten Menschen. Mit dieser Erkenntnis ist der gesellschaftliche Einfluss der giftigen Luft in vielen Großstädten noch sehr viel stärker, als bisher angenommen. Zu den bekannten gesundheitlichen Risiken, besteht nun auch das Risiko für die Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten.

Die Studie wurde in China durchgeführt, relevant ist sie jedoch für Menschen auf der ganzen Welt. 95 Prozent der globalen Bevölkerung atmet als „unsicher“ eingestufte Luft ein. Die Debatte um die Feinstaubbelastung in deutschen Großstädten macht die Relevanz der Studie für Deutschland und Europa deutlich.

Sprachliche und rechnerische Intelligenz verringert

Die Ergebnisse der chinesischen Wissenschaftlicher führten zu der Erkenntnis, dass hohe Verschmutzungsgrade zu signifikant schwächeren Testergebnissen führen, sowohl der sprachlichen als auch der rechnerischen Fähigkeiten. Der Leistungsunterschied betroffener Teilnehmer war äquivalent zu einem gesamten verlorenen Schuljahr.

„Verschmutze Luft verursacht bei allen Betroffenen einen reduzierten Bildungsgrad von einem Jahr, das ist enorm“, so Xi Chen von der Yale School of Public Health in den USA und Mitglied des Forschungsteams. „Wir wissen nun auch, dass der Effekt in älteren Bevölkerungsschichten noch schlimmer ist, besonders für männliche Personen über 64 Jahre und für solche mit bereits unterdurchschnittlicher Bildung.“

Luftverschmutzung beeinflusst unsere Entscheidungen

Bisherige Studien konnten bereits beweisen, dass Luftverschmutzung die kognitiven Fähigkeiten von Studenten verringert. Die neue Studie ist aber die erste, die Probanden in allen Altersklassen sowie die Unterschiede zwischen Männern und Frauen untersuchte.

Dass die schwerwiegendsten Effekte für Menschen über 64 auftreten, könnte Folgen für die Qualität wichtiger Lebensentscheidungen haben, so Chen. „Da wir die schwerwiegendsten finanziellen Entscheidungen normalerweise in einem relativ hohen Alter treffen, sind diese Ergebnisse extrem besorgniserregend“, so auch Rebecca Daniels von der britischen Gesundheitsorganisation Medact.

7 Millionen vorzeitige Tode pro Jahr

Starke Luftverschmutzung, besonders in vielen Großstädten der Erde, verursacht 7 Millionen frühzeitige Todesfälle pro Jahr. Dementgegen war der Einfluss auf die mentale Gesundheit bisher kaum erforscht. Eine weitere Studie fand kürzlich heraus, dass Menschen mit mentalen oder psychischen Störungen, die giftiger Luft ausgesetzt sind, vergleichsweise extrem hohe Mortalitätsraten aufweisen. Menschen die neben stark befahrenen Straßen leben, hätten zudem ein größeres Risiko für die Entwicklung von Demenz.

Die neue chinesische Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences, untersuchte die Sprach- und Rechenfähigkeiten von 20 000 Probanden verteilt auf ganz China im Zeitraum zwischen 2010 und 2014. Die Wissenschaftler verglichen die Testergebnisse mit den Verschmutzungsgraden der entsprechenden Regionen für Strickstoff- und Schwefeldioxide.

Quelle: The Guardian