Klimaluftschiff gestartet: Take-off für Pegasos

Start des PEGASOS-Zeppelin

Wer in den kommenden Wochen ein merkwürdiges Ungetüm am Himmel über Europa entdeckt, muss nicht gleich mit einem Ufo rechnen. Es handelt sich dann aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Luftschiff, das im Rahmen des EU-Großforschungsprojekts Pegasos Zusammenhänge zwischen der Atmosphärenchemie und dem Klimawandel erforscht.

Anfang Mai fiel im Forschungszentrum Jülich der Startschuss für den bislang längsten Einsatz des Zeppelins NT für die Klima-forschung. In 20 Wochen fliegt das Luftschiff quer über Europa, um die Luftzusammensetzung in Holland, Italien, über der Adria sowie 2013 über Finnland zu messen. 26 Partner aus 14 europäischen Staaten sowie Israel sind an dem Megaprojekt beteiligt, das die Untersuchung der Atmosphärenchemie zum Ziel hat.

Klimaforscher des Forschungszentrums Jülich waren bereits 2007 und 2008 mit dem Zeppelin unterwegs. Die Messkampagnen lieferten nützliche Daten und zeigten: Gegenüber Flugzeugen und fest installierten Bodenstationen hat der Zeppelin einige ideale Eigenschaften. So kann er sehr langsam schweben, in der Luft anhalten und vertikal auf- und absteigen. Er kann bis zu 24 Stunden unterwegs sein und dabei über eine Tonne schweres Messgerät transportieren. Außerdem fliegt er in Luftschichten von 100 bis 2.000 Metern Höhe, der sogenannten planetarischen Grenzschicht, die bisher am wenigsten untersucht ist, in der sich aber viele Schadstoffe ansammeln. Mit Hilfe des Zeppelins lässt sich die Verteilung von Spurengasen in dieser Schicht präzise und flexibel untersuchen.

Pegasos 16-small

Die Wissenschaftler an Bord des Zeppelins interessieren sich vor allem für zwei Akteure der bodennahen Luftschichten: dem Hydroxyl-Radikal (OH-Radikal), das als „Waschmittel“ der Atmosphäre dient sowie sogenannten Aerosolen, Kleinstschwebeteilchen. Das OH-Radikal leitet den Abbau der meisten Schadstoffe in der Atmosphäre ein und ist damit von immenser Wichtigkeit. Es recycelt sich. Bei dem Prozess gibt es jedoch Unstimmigkeiten, die zu klären sind. Bei den Aerosolen gehen die Forscher der Frage nach, aus welchen Quellen diese stammen und wie sie sich zu größeren Partikeln zusammenlagern sowie welche chemischen und physikalischen Auswirkungen sie auf das Klima und die Luftqualität haben.

Die Zeppelinmission ist Teil des EU-Projekts Pegasos (Pan-European-Gas-Aero SOI-Climate Interaction Study), das von der EU-Kommission im siebten Forschungsrahmenprogramm gefördert wird. Im Rahmen der Kampagne soll der Einfluss der Atmosphärenchemie auf den Klimawandel gemessen und entscheidende Prozesse geklärt werden. Die Ergebnisse dienen als wissenschaftliche Grundlage, um EU-weite Maßnahmen zum Klimaschutz einzuleiten.

Josephin Lehnert

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