Klima und Menschen bedrohen immer stärker die Artenvielfalt

Goodfellow-Baumgänguru
Auch die Goodfellow-Baumgängurus werden durch den Klimawandel bedroht

Das Pflanzen und Tiere stark unter Klima und dem Menschen leiden müssen, ist keine Neuheit. Zwei aktuelle Studien beleuchten, wie schlimm es wirklich steht. Eine Forschungsgruppe der Universität Neuengland in Australien veröffentlichte in der letzten Woche eine Studie im Nature-Fachblatt Scientific Reports, die zeigt, das im Südpazifik nicht nur die Menschen durch den steigenden Meeresspiegel bedroht sind – insgesamt 150 Spezies sind ebenfalls stark gefährdet. Eine andere Studie der nationalen autonomen Universität von Mexiko und der Stanford Universität, die bereits im Mai veröffentlicht wurde, kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass die Erde vor dem sechsten Massen-Aussterben steht.

Die Menschen insbesondere auf den Fidschi-Inseln sind besorgt. Schon jetzt kaufen sie größere Landflächen auf dem Festland, für den Falls, dass sie umsiedeln müssen. Denn steigt der Meeresspiegel weiter so stark an, wird es die Inseln bald nicht mehr geben. Dabei verlieren nicht nur die Menschen ihre Heimat. Auch die dort lebenden Tiere sind betroffen. Und für sie könnte es weitaus schlimmer kommen. So leben einige der bedrohten Tierarten ausschließlich auf einer Insel, wie beispielsweise der Regenwald-Nasenbeutler, das Goodfellow-Baumkänguru oder der Doppelfingergecko.

Die Forscher um Lalit Kumar von der Universität Neuengland fanden insgesamt 150 Spezies, die durch den klimabedingt steigenden Meeresspiegel bedroht sind.  Dabei sind 84 der 150 Tierarten nur im Südpazifik zu finden. Sie haben, anders als die Menschen, keine Ausweichmöglichkeit, um Gefahren zu umgehen. Der Studie zufolge beherbergen die Nördlichen Marianen, die Fidschi-Inseln und Neukaledonien beherbergen die meisten der „kritisch gefährdeten Arten“, liegen jedoch kaum mehr als 10m über den Meeresspiegel.

Der Bericht unterstreicht die Ergebnisse der Studie der Forscher Gerardo Ceballosa, Paul R. Ehrlich, und Rodolfo Dirzo der nationalen autonomen Universität von Mexiko und der Stanford Universität. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von rund 27.600 Landwirbeltieren. Anhand der Analyseergebnisse glauben sie erkennen zu können, dass 75 Prozent aller Spezies in den nächsten Jahrhunderten aussterben werden. Als Hauptverursacher sehen sie den Menschen. So sei alleine in den letzten 40 Jahren etwa die Hälfte der Tierwelt durch den Menschen ausgelöscht worden.

Die Ergebnise scheinen im ersten Moment unglaublich, doch in einem Interview mit dem Schweizer Rundfunk meinte Professor Markus Fischer, Leiter des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und Direktor des Botanischen Gartens, dazu: „Die Ergebnisse dieser Studie sind sehr gravierend. Es ist eine weltweite Studie mit der bisher besten Datengrundlage. Die Ergebnisse sind schockierend. Es ist eindrücklich, wie stark der Rückgang der Arten und auch der Rückgang der Populationen innerhalb der Arten ist. Die Studie bestätigt jedoch nur das, was man bisher aufgrund von einer schlechteren Datengrundlage vermutet hat.“

Auf die Frage hin, welchen Einfluss der Mensch auf diese Entwicklung hat, erklärte er: „Der wichtigste Einflussfaktor ist wohl die Landnutzung. Wir haben die Landschaft global aber auch in der Schweiz durch unsere Nutzung komplett verändert. Das macht sich bei den Tierarten aber auch bei anderen Organismen wie Pflanzen und Pilzen bemerkbar.“ Als weiteren Grund nannte jedoch auch er den Klimawandel: „Es gibt Arten, die dem Klima nachwandern können – andere können es nicht. Je nach Region und Lebensraum gibt es zudem Verschmutzungsprobleme oder invasive Arten, die eingebracht werden und einheimische Arten verdrängen. Zudem findet eine Übernutzung von verschiedenen Systemen statt. Das passiert, weil die menschliche Bevölkerung zunimmt – etwa in Afrika – oder dadurch, dass der Wohlstand und damit der Konsum zunehmen.“

Quelle:
https://www.nature.com/articles/s41598-017-05034-4
http://www.pnas.org/content/early/2017/07/05/1704949114
http://www.klimaretter.info/forschung/nachricht/23406-klimawandel-bedroht-150-tierarten-im-suedpazifik
http://www.deutschlandfunk.de/oekologie-sechstes-grosses-massensterben-der-erdgeschichte.2850.de.html?drn:news_id=767909
http://www.srf.ch/news/panorama/die-ergebnisse-sind-schockierend