Internationaler Schiffsverkehr auf Kollisionskurs

Photo provided courtesy of Lok Lamsal, Aura Project Science Office

Die US-Raumfahrtbehörde NASA beweist anhand neuer Bilder, dass die internationale Schifffahrt weltweit gravierende Spuren der Umweltverschmutzung hinterlässt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen ebenso zu den direkten Auswirkungen dieser giftigen Emissionen wie Erkrankungen des Atmungssystems und eine Veränderung der gesamten Atmosphärenchemie. Eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht. Bislang sorgte einzig und allein die globale Wirtschaftskrise für eine kurzfristige Verbesserung der Situation.

Mehr als ein Jahrzehnt lang beobachteten Wissenschaftler die Auswirkungen der internationalen Schifffahrt auf unsere Umwelt anhand von herkömmlichen Satellitenbildern. Bereits auf diesen Fotos sind die Spuren des Schiffsverkehrs eindeutig erkennbar. Gut sichtbar zeichnen Rußpartikel und die Abgase der Verbrennungsmotoren auf bisherigen Bildern und die Wege der Fracht- und Kreuzfahrtschiffe nach.

Neues Bildmaterial der NASA ermöglicht nun einen bisher beispiellosen Blick auf die Spuren des internationalen Schiffsverkehrs. Die nun veröffentlichten Abbildungen belegen eindeutig, dass Schiffe zusätzlich schwer erkennbare, beinahe unsichtbare Schneisen der Verschmutzung auf dem Erdball hinterlassen.

Das Kartenmaterial bildet jene Messdaten ab, welche im Zeitraum zwischen den Jahren 2005 und 2012 erhoben wurden und lässt einen bisher ungeahnten Grad der Umweltverschmutzung erkennen. So etwa zeigt die Auswertung der Daten eindeutig die bevorzugten Fahrwege der Schiffe an. Das spezielle Augenmerk der Forscher liegt hierbei auf dem Nachweis von Stickstoffdioxid (NO2). Anhand der Rotfärbung auf der Karte ist erkennbar, in welchen Gebieten eine intensive Verschmutzung durch eine deutlich erhöhte Konzentration von NO2 nachweisbar ist.

Stickstoffdioxid zählt zu einer Gruppe von hochreaktiven Stickoxiden (NOx). Das giftige Gas begünstigt unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verursacht darüber hinaus Erkrankungen des menschlichen Atmungssystems. Weiters nimmt NO2 Einfluss auf den Ozongehalt der Troposphäre sowie auf die gesamte Atmosphärenchemie. Es entsteht unter anderem durch den Betrieb gängiger Antriebsmotoren, wie sie zum Antrieb von Schiffen und Kraftfahrzeugen verwendet werden.

Welchen exakten Anteil die internationale Schifffahrt an den weltweiten NOx-Emissionen hat, bleibt für die Wissenschaftler weiterhin eine offene Frage. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten derzeit darauf hin, dass dem Schiffsverkehr bis zu 30 Prozent dieser schädlichen Emissionen zuzuschreiben sind. Dies ist insbesondere auf die Tatsache zurückzuführen, dass große Schiffsmotoren fast ausnahmslos mit stark schadstoffhaltigem Schweröl betrieben werden.

Nach wie vor ist der Gütertransport mittels Frachtschiff die günstigste Variante, die Handeltreibenden und Unternehmern im Warenverkehr zur Verfügung steht. Obwohl über 90 Prozent aller Güter des Welthandels gegenwärtig auf dem Seeweg transportiert werden, wurde bisher die Tatsache vernachlässigt, dass der maritime Verkehr zu den größten Verursachern klimarelevanter Schadstoffe zählt.

Eine weitere Studie niederländischer Forscher aus dem Jahr 2012 bestätigt den rapiden Anstieg der schädlichen NO2-Emissionen im Vergleichszeitraum. Für den Zeitraum von 2003 bis zum Sommer 2008 zeigt sie eine große Zunahme der Emissionen von Stickstoffdioxid um bis zu 109 Prozent. Entsprechend der globalen wirtschaftlichen Rezession von 2008 bis 2009 kam es daraufhin zu einer Reduktion der Umweltverschmutzung um zwölf bis 36 Prozent. Dieser Rückgang ist jedoch nicht auf ein erhöhtes Umweltbewusstsein zurückzuführen, sondern kann einzig und allein der wirtschaftlich bedingten Verringerung des internationalen Schiffsverkehrs zugeschrieben werden.

Joachim Kern

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