Indigene Völker über den Klimawandel

Iglu

Indigene Völker haben einen engen Bezug zur Natur und nehmen deshalb selbst subtile Veränderungen deutlich wahr. Survival International, die Bewegung für indigene Völker, hat einen Bericht veröffentlicht, in dem Vertreter verschiedener Völker zu Wort kommen und ihre Eindrücke über die Auswirkungen des Klimawandels schildern.

Davi Kopenawa von den Yanomami aus dem Amazonasgebiet Nordbrasiliens und Südvenezuelas – das 2005 von einer schweren Dürre heimgesucht wurde – berichtet, dass der Klimawandel sie längst erreicht hat: „Der Regen kommt spät. Die Sonne verhält sich eigenartig. Die Welt ist krank. Die Lungen des Himmels sind verschmutzt. Wir wissen, dass es passiert.“

Ausgesprochen deutlich sind die Folgen des Klimawandels auch in der Arktis zu beobachten. Das Eis schmilzt und für die Inuit werden dadurch Jagd und Fischfang schwieriger und das Leben immer unberechenbarer. Patricia Cochran, Inuit und Vorsitzende des “Global Summit on Climate Change” indigener Völker berichtet, dass es inzwischen so schlimm geworden ist, dass „mehrere Dörfer an der Küste bereits Pläne machen, wohin ganze Gemeinschaften verschoben werden könnten.“

Die schmelzende Eisdecke ist auch für die Saami-Rentierhirten in Finnland, Norwegen, Russland und Schweden ein Problem. Für die Rentiere wird es immer schwieriger Nahrung zu finden und die traditionellen Wettervorhersagefähigkeiten der Hirten versagt, wie Veikko Magga berichtet: „Früher konnte man im Vorhinein sehen, welches Wetter es geben wird. Diese Anzeichen und Fertigkeiten haben keine Gültigkeit mehr. Alte Markierungen gelten nicht, dafür hat sich die Welt zu sehr verändert.“

Ed John, von dem indigenen Volk der Tl’azt’en in Kanada schildert die Folgen einer der größten Insektenplagen Nordamerikas, die durch steigende Temperaturen ausgelöst wurde und die kanadischen Kiefer-Bestände stark in Mitleidenschaft gezogen hat: „Millionen Hektar sind zerstört worden, mit direkten, unmittelbaren und schwerwiegenden Auswirkungen auf unsere Sicherheit und unser Wohlergehen, auf unsere Gemeinden und ganze Ökosysteme.“

Die ersten Wissenschaftler der Welt

Doch nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch diverse Versuche das Klima zu retten, haben verheerende Auswirkungen auf indigene Völker. So wurden beispielsweise Brasiliens Guarani zu den Opfern von Zuckerrohranbau zur Herstellung von Biotreibstoffen. Guarani-Anführer Amilton Lopez schildert die verheerenden Folgen der Errichtung großer Zuckerrohrplantagen auf indigenem Land: „Das Zuckerrohr verschmutzt unsere Flüsse und tötet unsere Fische. (Es führt zu einem Anstieg der) Selbstmorde, vor allem unter den jungen Leuten, zu Alkoholismus und Mord”.

Auch auf Borneo wurden 10.000 Indigene ausgesiedelt um mit dem gewaltigen Bakun-Staudamm Energie durch Wasserkraft zu gewinnen. Ein Mann namens Deling von den Penan berichtet, was diese „saubere“ Energie für sein Volk bedeutet: „In unserer alten Heimat konnten wir leicht Nahrung finden, doch hier zu leben ist sehr mühsam. Früher waren wir es gewohnt, dreimal am Tag zu essen, doch hier ist es sehr schwierig.“

Letztlich sind all diese Wortmeldungen subjektive Empfindungen und sicher nicht gleich zu setzen mit der Aussagekraft wissenschaftlichen Studien. Sie vermitteln aber trotzdem einen Eindruck der Wahrnehmungen von Menschen, deren Stimmen allgemein meist überhört werden. Stephen Corry, der Direktor von Survival International, sieht darin einen großen Fehler und bezeichnet indigene Völker als die „ersten Wissenschaftler der Welt”. Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass „ihr Wissen und ihre Ansichten endlich eine Berechtigung erhalten“ und diese Menschen „eine größere Rolle bei Entscheidungen zum Klimawandel spielen“.

Matthias Schaffer

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