Immer mehr Todeszonen in der Ostsee

Ostsee; Foto: Bigstock

In der Ostsee ist der wichtige Austausch zwischen dem sauerstoffreichen Oberflächenwasser und dem nährstoffärmeren Tiefenwasser nur ausreichend gewährleistet, wenn frisches Nordseewasser durch die dänischen Meerengen fließt. Da diese Strömungen allerdings nur sporadisch auftreten, enthalten weite Bereiche der tiefen Ostsee regelmäßig sehr wenig oder gar keinen Sauerstoff und beherbergen kein höheres Leben mehr. Rostocker Forscher haben nun herausgefunden, dass sich derartige „Todeszonen“ durch die Auswirkungen des Klimawandels weiter ausbreiten.

Während bisher vermutet wurde, dass die Ausbreitung dieser Zonen durch die Überdüngung der Ostsee mit Nährstoffen verursacht wird, konnten die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung (IOW) nun nachweisen, dass auch die steigenden Temperaturen dafür verantwortlich sind. Zu dieser Erkenntnis gelangten die Forscher durch verschiedenste Simulationen und die detaillierte Auswertung von Sedimentdaten, unter anderem aus dem mit über 450 Metern besonders tiefen Gotlandbecken in der Ostsee.

Laut dem IOW-Modellierer Christian Porsche konnte das Team dabei aufzeigen, dass die Temperatur ganz klar eine deutliche Rolle für das Ausmaß der Sauerstoffarmut in der Tiefsee spielt: „Ohne die erhöhte Temperatur führen die zusätzlichen Nährstoffe in unserer Simulation zwar auch zu Sauerstoffmangel, doch die Ausbreitung der Todeszonen bleibt deutlich hinter der aktuellen Entwicklung mit zirka zwei Grad Celsius höheren Temperaturen zurück.“

Als Ursache für den somit nachgewiesenen direkten Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Ausbreitung lebensfeindlicher Tiefseebereiche vermuten die Forscher in ihrer, im Wissenschaftsmagazin Nature Climate Change veröffentlichte Studie sogenannte Cyanobakterien, die oft fälschlicherweise als „Blaualgen“ bezeichnet werden. Laut Studienerstautorin Karoline Kabel ist bekannt, dass sich diese Bakterien „in der Ostsee erst bei einer Temperatur höher als 16 Grad Celsius und ruhigen Windbedingungen massenhaft vermehren und die charakteristischen Blüten bilden, die wir in warmen Sommern sehen können“. Wenn dann das organische Material, das während der Blütezeit gebildet wurde, zum Meeresboden absinkt, wird es durch andere Bakterien abgebaut und verschlimmert so die Sauerstoffarmut.

Matthias Schaffer

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