Grüner Wohnen und das Klima schützen

Systematische Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden ist in Deutschland immer noch ein Thema, an das sich bisher niemand so recht heranwagen wollte. Nicht so die Bundesregierung, allerdings alles andere als mieterfreundlich: Das von der FDP geführte Bundesjustizministerium legte jetzt ein Thesenpapier vor, nach dem Gebäudesanierungen zur Erhöhung der Energieeffizient auf Kosten der Mieter durchgeführt werden sollen.

Bisher bedeutete das Vorhaben für den Vermieter, ein altes Gebäude zu sanieren, vor allen Dingen Dämmmaßnahmen wie der Einbau zusätzlicher Styroporschichten, neuer Fenster und moderner energiesparender Heizkessel durchzuführen.

Die Mieter profitierten davon durch niedrigere Heizkosten als Teil der Nebenkosten. Die Vermieter konnten die Kosten auf die Miete umlegen, allerdings nur mit elf Prozent pro Jahr.

Sanierungsquote von Gebäuden bisher bei nur einem Prozent

Dies hatte zur Folge, dass die Sanierungsquote in Deutschland bisher bei nur einem Prozent pro Jahr lag, weil die Sanierung für die Vermieter finanziell unattraktiv war. Das soll sich nun ändern: Den Hausbesitzern sollen laut dem FDP- Thesenpapier Sanierungsmaßnahmen nun auch finanziell schmackhaft gemacht werden und die Mieter von Anfang an die Kosten tragen. Zusätzlich können Vermieter von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) allein in 2011 dafür rund 950 Millionen Euro an Fördermitteln beantragen können.

Die CDU geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert, dass Mieter keine Mietminderung wegen Baumaßnahmen, Staubentwicklung oder Lärmbelästigung erhalten, wenn die Einschränkungen ihrer Lebensqualität nicht länger als drei Monate andauern.

Die Idee an sich ist gut, denn Gebäude verbrauchen immer noch rund 40 Prozent der gesamten Nutzenergie in Deutschland, allein 75 Prozent davon geht für Heizwärme drauf. Gut gedämmte Häuser und eine effiziente Heiztechnik sind daher ein lohnendes Thema, auch in Sachen Klimaschutz.

Verschärfungen des Mietrechts zum Wohl des Klimas

Doch der dem Thesenpapier zugrunde liegende Grundsatz, dass die Energiebilanz des Hauses als Ganzes niedriger ausfallen muss, nicht aber die zukünftigen Energiekosten der einzelnen Mieter, stößt nicht überall auf Zustimmung. Möglich wäre damit zum Beispiel auch die Umlage der Kosten einer Solaranlage auf die Mieter, die diesen zwar keinerlei Energieersparnis bringt, deren Stromerzeugung aber rechnerisch auf die Energiebilanz des Hauses umgelegt werden kann.

Die Bundesregierung verspricht sich von diesen Verschärfungen des Mietrechts, die Sanierungsrate von Gebäuden auf zwei Prozent pro Jahr zu verdoppeln. Bis 2050 soll dann der gesamte Gebäudebestand in Deutschland „CO2-neutral“ sein. Im Klartext bedeutet dies, dass der Verbrauch der Bestandsgebäude um 80 Prozent gegenüber heute gesenkt und der restliche Energiebedarf – vor allen Dingen die Heizwärme – über Erneuerbare gedeckt werden soll. Ein lohnendes Ziel. Nur wer die Kosten trägt ist längst noch nicht ausdiskutiert.

Daniel Seemann

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